Nach dem Abgang von Sebastian Kurz in Wien

Wiedergänger sind überall möglich

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Der frühere Bundeskanzler Sebastian Kurz und im Hintergrund sein Nachfolger Karl Nehammer.
Der frühere Bundeskanzler Sebastian Kurz ist als Politikertypus kein Auslaufmodell, sagt der TV-Journalist Stephan Lamby. © picture-alliance / APA / Herbert Neubauer
Stephan Lamby im Gespräch mit Korbinian Frenzel · 03.12.2021
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Nach dem Abschied von Sebastian Kurz aus Österreichs Politik hält TV-Journalist Stephan Lamby den Politikertypus keineswegs für ausrangiert. Das Muster seines Aufstiegs und seiner populistischen Politik sei damit kaum erledigt, auch nicht in Deutschland.
Nach Sebastian Kurz und Alexander Schallenberg bekommt Österreich nun innerhalb weniger Monate seinen dritten Bundeskanzler. Neuer Regierungschef wird der bisherige Innenminister Karl Nehammer.

Kurz als Vorbild

Es zeige sich, wie verkommen die politische Kultur in Teilen in Österreich sei, sagt der TV-Journalist Stephan Lamby. Kurz habe über seiner Partei ÖVP gestanden und offenkundig auch über dem Gesetz. Daran hätten sich Politiker auch in Deutschland orientiert, beispielsweise der CDU-Chef Markus Söder. Die "Bild"-Zeitung habe Kurz hofiert und geschrieben: So einen brauchen wir auch.
"Auch, wenn er als Person verschwindet, dieses Muster wird so schnell nicht verschwinden", sagt Lamby. Der Aufstieg von Kurz sei auch damit zu erklären, dass er eine nationalistische und populistische Linie vertreten habe, so Lamby. "Und das tun andere auch."

Trump ist nicht überstanden

Die USA seien Europa in dieser Hinsicht einige Jahre voraus. "Ich glaube nicht, dass das Modell Donald Trump vorbei ist." Die vergangenen Jahre hätten gezeigt, wie anfällig eine "urdemokratische Gesellschaft" für solche Politikertypen sein könne. Er habe selbst den Wahlkampf in den USA beobachtet. "Man kann sich einen Typus wie Trump ohne diese extremen Ausfälle vorstellen." Da seien jetzt mehrere Personen im Gespräch, auch Moderatorinnen und Moderatoren des US-Senders "Fox News".

Der Rückhalt der "Bewegungspolitiker"

Für die Präsidentschaftswahlen in Frankreich wage er noch keine Prognose, sagt Lamby. "Aber der Bewegungspolitiker Emmanuel Macron ist genauso ins Amt gekommen, und auch der Bewegungspolitiker Kurz in Österreich." Daran zeige sich die Bereitschaft der Wählerinnen und Wähler, so jemandem zu folgen.
Warum sollte diese Bereitschaft verschwinden, weil sich jemand mit dem Gesetz angelegt habe und es offenkundig übertrieben habe, sagt der Journalist. "Ich halte es nicht für ausgeschlossen, dass ein Wiedergänger von Sebastian Kurz in Österreich oder von Donald Trump in den USA reüssiert. Und auch wir in Deutschland sollten nicht glauben, dass wir für alle Ewigkeiten davor gefeit sind."

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