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Lakonisch Elegant | Beitrag vom 16.04.2020

Lakonisch Elegant#79 Digitale Kunst – Krisenhype oder Zukunftsmusik?

Von Emily Thomey und Julius Stucke

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Hier sieht man die Außenansicht mit einem virtuellen Objekt umschlossen. (König Galerie / Manuel Rossner )
Das App-Kunstwerk von Manuel Rossner rekonstruiert den Innenraum der König Galerie. (König Galerie / Manuel Rossner )

Kunst wird dieser Tage vor allem digital gezeigt und produziert. Was Museen und Galerien daraus für die Zeit nach der Krise lernen können, diskutieren wir mit dem Galeristen Johann König und der Digitalchefin des New Yorker Met Inka Drögemüller.

Museen und Galerien denken nicht erst seit der Coronakrise über Digitalstrategien nach. Aufbereitete Bilderarchive, 3D-Rundtouren durch Showrooms oder Museen gibt es schon einige Jahre. Doch mit der Krise bekommt jetzt alles Digitale einen Boost.

Die Kunst wandert ins Netz, man produziert und veröffentlicht digital. Doch können Museen und Galerien davon auch nachhaltig profitieren? Und welche Formen digitaler Kunst bleiben auch nach der Krise interessant?

Coronavirus-NewsletterDer Berliner Galerist Johann König hat zusammen mit dem VR-Künstler Manuel Rossner und der Kuratorin Anika Meier eine App entwickelt – schon vor der Krise, wie König verrät. Die App funktioniert wie ein Jump’n’Run-Spiel: Nutzer*innen laufen und hüpfen durch einen knallbunten Kunstparcours, mit dem sie auch interagieren können. Wie verändert so ein Werk die Kunstrezeption?

Ergänzung, nicht Ersatz

"Die digitale Abbildung alleine befriedigt mich jetzt nicht", gesteht Johann König. Er brauche noch mehr als nur die pure Reproduktion der Werke ins Digitale. Entscheidend sei vielmehr die Teilhabe. Deswegen ist sein App-Spiel SURPRISINGLY THIS RATHER WORKS nicht nur interaktiv, sondern mit entsprechender Brille auch als VR-Erfahrung erlebbar.

Das Spiel ist nur der erste Teil einer Serie, in der sich in den nächsten Wochen noch mehr Künstler*innen digital präsentieren können.

Zusätzlich nutzt Johann König seine geschlossenen Galerieräume, um jeden Morgen um 10 Uhr mit seinen Künstler*innen live auf Instagram über ihre Werke zu sprechen und die Fragen der Zuschauer*innen zu beantworten. Solche Live-Events sind auch für das Metropolitan Museum of Art (Met) in New York City zentraler Bestandteil der digitalen Angebote.

Nicht alles muss perfekt sein

Innerhalb weniger Wochen hat das riesige Museum die Webseite so umgestellt, dass Besucher*innen möglichst viele der über drei Millionen Werke sehen können. Gerade die Live-Fragerunden und -Events schaffen ein Gemeinschaftsgefühl und bieten Inspiration, erzählt Inka Drögemüller, Digitalchefin des Met.

Die Arbeit im Homeoffice sei für alle Mitarbeiter*innen des Met ungewöhnlich und anstrengend – aber auch erstaunlich produktiv. Viel schneller als sonst wird gerade an einer neuen App gearbeitet, bei der via 3D-Scan mit integrierter Audiospur Kunstwerke in die heimischen Wohnzimmer geholt und vermittelt werden können. "Diesen Spirit möchte ich unbedingt erhalten. Es passiert wahnsinnig viel und es muss auch nicht alles perfekt sein", sagt Drögemüller.

Hochwertiger Austausch

In der Krise fallen lukrative Messen aus, Besucher*innen bleiben zu Hause. Die Einnahmen der Kulturinstitutionen sind drastisch gesunken. Die Zugriffe auf die Onlineangebote der Museen und Galerien hingegen sind um ein Vielfaches gestiegen.

Der Zwang, komplett ins Digitale ausweichen zu müssen, hat somit auch zumindest eine gute Seite: So viel qualitativ hochwertigen Austausch zwischen Kunstproduzent*innen, Vermittler*innen und Interessierten gab es bisher noch nie.

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