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Lakonisch Elegant | Beitrag vom 11.07.2019

Lakonisch Elegant#40 Gutes Reden, schlechtes Reden – ein Talkshow-Talk

Von Christine Watty

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Ein Mikrofon vor grauem Hintergrund. Darauf eingeritz steht "Speak Up". (designecologist / unsplash)
In Talkshows gilt: Bitte laut und deutlich sprechen. (designecologist / unsplash)

Eine Stunde lang reden alle durcheinander – und hinterher ist man nicht schlauer. Wie kann man Talkshows besser machen? Darüber diskutieren Eva Horn, Ferda Ataman, Arno Frank und Dirk von Gehlen in unserer Talkrunde.

Fast hätte sich die Talkshow unbemerkt in die Sommerpause verabschiedet, wäre da nicht der Aufreger um "hart aber fair" gewesen: Die Sendung zu rechtem Hass sei Moderator Frank Plasbergs entglitten, er habe den AfD-Politiker Uwe Junge zu ausführlich zu Wort kommen lassen – so die meistens von Journalisten geäußerte Kritik.

Grundsätzliche Unzufriedenheit mit der Talkshow gibt es schon länger  - erst letztes Jahr hatte der Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates, Olaf Zimmermann, ein Jahr Talkpause für ARD und ZDF verordnet, um in Ruhe über die Formate nachzudenken.

Kluge Gedanken statt Erregung

In entspannter Sommerstimmung bespricht Lakonisch Elegant – der Kulturpodcast in dieser Ausgabe: Was ist das Problem an den Formaten, gibt es konstruktive Ideen, was man verändern kann? Wie geht gutes Reden – und ist die Kritik an der Talkshow vor allem ein Blick aus dem "inner circle derer, die sich auch parallel anders informieren? Dafür haben wir unsere eigene Talkshow zusammengestellt.

Für Arno Frank war die umstrittene "hart aber fair"-Sendung ein Trauerspiel. Der freie Journalist hat sie in einer Blattkritik auseinandergenommen. Ihm liegt das Talk-Format aber am Herzen. Allerdings müsse gelingen, jüngere Zuschauer zu begeistern – auch mit Lust am Risiko.

"Ich wünsche mir, dass mehr mit unterschiedlichen Formaten experimentiert würde, wo ich nach einer Stunde schlauer bin und nicht wütender oder trauriger."

Langweilig und überholt

Ferda Ataman, Journalistin und Sprecherin der Neuen Deutschen Organisationen, ist weniger euphorisch. Talkshows im Fernsehen findet sie langweilig. Im Gegensatz dazu gefallen ihr Youtube-Formate viel besser.

"Man nimmt keine Ideen oder klugen Argumente mit nach Hause, sondern man kriegt die fünf platten Sachen hingeschmissen, von denen es sowieso klar war, dass es die Leute sagen – das Konzept ist überholt."

Fehlende Debatten- und Streitkultur

Die "ultimative Talkshow" hat Eva Horn von Spiegel Online bei der re:publica aufgeführt und sich dabei die sich mit der Schwierigkeit zwischen Performance und Politik auseinandersetzt. Das Problem ist für sie nicht das Format an sich, sondern die Art, wie Talkshows gemacht werden.

"Uns ist die Debattenkultur verloren gegangen. Da würde ich mir von Talkshows wünschen, dass sie es besser machen."

Ein guter Streit braucht für Dirk von Gehlen vor allem eine Leitfrage und die Bereitschaft, die Argumente der Gegenseite zu verstehen. Beides vermisst der Social Media-Leiter von der Süddeutschen Zeitung in Talkshows.

"Die Talkshows haben einen großen Anteil daran, dass Menschen nicht streiten können."

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