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Lakonisch Elegant | Beitrag vom 18.04.2019

Lakonisch Elegant#28 "Social Design" – Konzepte für eine bessere Welt?

Von Christine Watty und Johannes Nichelmann

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Mehrere Personen arbeiten in Wittenberg im Garten vom Cranach-Haus an Tiny-Häusern, die zu einem temporären Dorf aus Mikrowohnungen gehören. (picture alliance / dpa / Waltraud Grubitzsch)
Vorbereitungen für eine Ausstellung von Hartz-IV-Möbeln und Tiny Houses in Wittenberg (picture alliance / dpa / Waltraud Grubitzsch)

Wann hilft Design, die Welt besser zu machen? Wann ist Gestaltung von Dingen und Räumen „sozial“? Der Architekt Van Bo Le-Mentzel und die Museumsdirektorin Tulga Beyerle beschäftigen sich mit Social Design – und wir haben sie getroffen.

Das Wichtige am "Social Design" ist, dass miteinander entwickelt wird. Der Architekt Francis Kéré beispielsweise baut eine Schule in seinem Herkunftsland Burkina Faso und setzt damit kein Ufo ins Dorfzentrum, sondern passt sich dem Ort an. Das Architekturbüro Graft entwickelt Solar-Kioske für Regionen ohne Strom. In Hamburg helfen Design-Studenten und -Studentinnen seit Jahren regelmäßig bei Planungsfragen für zum Beispiel Schulen oder Mietergemeinschaften, die sich solche Unterstützung sonst nicht leisten könnten – und die Ideen für ein besseres Zusammenleben suchen.

Gelungene und gescheiterte Projekte

Was schön klingt, kann auch mal scheitern – von den erwähnten gelungenen wie aber auch mal mangelhaften Stories des "Social Design" erzählt die gleichnamige Ausstellung im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe, die wir lakonisch und elegant angeschaut haben. Tulga Beyerle, die Museumsdirektorin, hat uns die einzelnen Projekte vorgeführt. "Schönes Design und good will ist längst nicht alles", sagt Beyerle im Kulturpodcast. Was beim Social Design wirklich zählt, ist: "Lässt es sich echt verwenden, setzt es sich durch, können die Menschen damit umgehen."

Kleine Häuser gegen Wohnungsnot

Das war aber nicht der einzige Ausflug: Der Architekt Van Bo Le-Mentzel ist sowas wie ein Social-Design-Promi, seit er 2010 seine "Hartz-IV-Möbel" vorgestellt hat, also Einrichtungsgegenstände, die man zum geringen Preis selbst herstellen kann. Seit einiger Zeit setzt er sich für neue Wohnkonzepte ein und hat aktuell ein Tiny-House-Dorf ausgerechnet auf dem Parkplatz eines schwedischen Möbelhauses in Berlin aufgebaut.

"Was wäre denn", fragt Van Bo Le-Mentzel, "wenn man in Städten wie Berlin, Frankfurt am Main, Hamburg und allen anderen gentrifizierten Innenstädten die Möglichkeit hätte, umsonst zu wohnen – auf einem Parkplatz?" Eine Vision oder ein überzeugendes Projekt? Lakonisch Elegant war da.

Inspiration für alle!

Im Studio ist diesmal Marietta Schwarz mit dabei, Journalistin und Architektur-Kritikerin, mit der wir die guten und schlechten Beispiele des "Social Design" anschauen. Und wenn wir Glück haben, fühlen wir uns alle am Ende des Podcasts inspiriert.

Mehr zum Thema

Architekt Van Bo Le-Mentzel - Das 6,4-Quadratmeter-Haus
(Deutschlandfunk Kultur, Im Gespräch, 31.8.2018)

Erde aus dem Terra-Preta-Klo - Urban-Gardening mit wundersam fruchtbarem Humus
(Deutschlandfunk Kultur, Echtzeit, 10.3.2018)

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(Deutschlandfunk, Aus Kultur- und Sozialwissenschaften, 4.4.2019)

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