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Lakonisch Elegant | Beitrag vom 21.02.2019

Lakonisch Elegant#20 Albtraum „Heimat“ – Wohin mit diesem Begriff?

Von Christine Watty und Julius Stucke

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Eine junge Frau steht in Liechtenstein auf dem Fürstensteig und blickt auf die Landschaft unter ihr. (Unsplash / Oliver Schwendener )
Wo ist "Heimat"? Vielleicht irgendwo dort unten? (Unsplash / Oliver Schwendener )

Zum ersten Geburtstag des Heimatministeriums widmen 14 Autor*innen dem Ministerium ein Buch: "Eure Heimat ist unser Albtraum". Aber wieso Albtraum? Wir haben Mithu Sanyal, Hengameh Yaghoobifarah, Enrico Ippolito und Sasha Marianna Salzmann gefragt.

Mitte März 2018 hat Bundesinnenminister Horst Seehofer sein Ministerium mit einem kleinen Wort-Blümchen verziert: Es sollte nun auch ein Ministerium für Heimat sein. Das wurde vor einem Jahr von vielen verhöhnt; es wurden Witze gemacht, in denen Heimat, Dackel, Trachten und Bier vorkamen. Und damals wie heute ist die Frage: Wieso kommt ein Minister auf die Idee, einen mindestens deutschtümelnden Begriff wie "Heimat" in die Regierungsrunde zu werfen?

Gespräche über Heimat als Albtraum

Ein Jahr nach der Geburt des Heimatministeriums auf Bundesebene bringen Fatma Aydemir und Hengameh Yaghoobifarah eine Textsammlung verschiedener Kulturschaffender und Publizist_innen heraus - mit ihrer persönlichen Antwort auf das heimatliche Dings in Deutschland.

Wir haben für diese Episoden von "Lakonisch Elegant. Der Kulturpodcast" vier Autor_innen an Orten getroffen, die sie entweder mit ihrem eigenen oder dem typisch deutschen Heimatbegriff verbinden.

Auf der Bowlingbahn mit Hengameh Yaghoobifarah  (Julius Stucke)Auf der Bowlingbahn mit Hengameh Yaghoobifarah (Julius Stucke)

Mit Hengameh Yaghoobifarah war Julius Stucke bowlen – "Kegeln war grad‘ aus" – und hat Hengameh gefragt, warum Heimat ein Albtraum ist, zumindest wie der Begriff in Deutschland verstanden wird. "Weil ich nicht weiß bin", sagt Hengameh im Podcast-Interview, "weil ich nicht christlich bin, weil ich nicht hetero oder männlich bin."

Der Begriff Heimat hatte für Hengameh immer schon eine negative Konnotation, egal ob historisch betrachtet oder mit Bezug zu sich selbst - beispielsweise wenn Leute fragen: "Wann geht's zurück in die Heimat?"

"Die Sache mit Heimat ist ein total vages Konzept. Wir könnten jetzt hier auf den Parkplatz gehen und fünf verschiedene Leute fragen, was ist Heimat – wir werden fünf verschiedene Antworten bekommen. Deswegen erschließt sich mir nicht, warum es dafür ein Ministerium braucht."

Eine neue Antwort auf eine Dauerbrenner-Frage

Mithu Sanyal kommt aus Düsseldorf-Oberbilk und hat mit "Lakonisch Elegant" auf der Dachterrasse des Deutschlandfunks in Köln gesessen. Alternativ hätte es der Volksgarten in ihrem Zuhause-Ort sein müssen, als ein Ort, der die Veränderung einer Gesellschaft sichtbar macht.

Im Gespräch mit ihr geht es einerseits um die Dauerbrenner-Frage "Woher kommst Du?", andererseits um die Antworten darauf und um die Frage, ob "Belonging" der schönere Begriff ist als Heimat. Denn klar scheint: Menschen brauchen einen Ort, der ihnen das Gefühl gibt, an etwas andocken zu können, von dem aus sie dann weitergehen können.

Alter Mief in deutschen Schränken

Sasha Marianna Salzmann ist Roman- und Theater-Autorin und hat Julius Stucke auf ihr Dach in Berlin eingeladen. Mit Blick von ganz oben redeten die beiden über den Heimatbegriff.

"Ich wäre nie darauf gekommen, diesen Begriff zu reanimieren, der war ja fast tot", sagt Sasha im Podcast-Interview. "Es ist ein problematisches Wort auf Deutsch und das wissen auch alle, und es spielen auch alle damit".

Für sie klingt Heimat nach altem Mief in deutschen Schränken: "Ich bin absolut dagegen, Dinge in den Schrank wegzusperren, gerade in der deutschen Geschichte muss alles raus – aber dann nicht mit einer Goldmedaille behängt und einem eigenem Ministerium." Sasha Salzmann persönlich würde übrigens eher nicht von Heimat sprechen, sondern von Zuhause. Und zwar da, wo ihre Freunde sind.

Rassismus überall?

Enrico Ippolito hat sich mit Christine Watty in einer klassischen Eckkneipe in Berlin-Neukölln getroffen, um dort über Heimat zu sprechen. "Ich würde unterschreiben, dass Deutschland ein rassistisches Land ist", sagt Enrico, "und ich glaube, dass alle, die das nicht tun, naiv sind."

Ihm geht es darum, auf die Strukturen in der Gesellschaft aufmerksam zu machen, die Rassismus befördern und dann offen darüber zu sprechen. Damit meint er nicht nur "die anderen", sondern auch sich selbst.


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