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Lakonisch Elegant | Beitrag vom 07.02.2019

Lakonisch Elegant#18 Die Story von Banksy – geschredderte Kunst

Von Christine Watty und Sandro Schroeder

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Das Bild zeigt die Schatten von Besuchern einer Banksy-Ausstellung in St. Petersburg, Russland. Zu sehen ist das Bild "The Flower Thrower" - der Blumenwerfer, das stilisierte Abbild eines Protestierenden, der mit seinem Arm weit ausholt, um einen Strauß Blumen zu werfen. (imago/ITAR-TASS)
"The Flower Thrower" - der Blumenwerfer - gilt bereits als einer der großen Klassiker von Banksy. Und wurde (noch) nicht geschreddert. (imago/ITAR-TASS)

Wir wissen endlich, wer hinter Banksy steckt... wirklich... NICHT! Aber wir beschäftigen uns mit Geschichten und Mythen rund um den geheimnisvollen Street-Art-Künstler Banksy, dessen geschreddertes Millionen-Werk nun doch in einem Museum hängt.

Das war schon ein echter Coup, als vor ein paar Monaten im Auktionshaus Sotheby’s in London ein echter Banksy unter den Hammer kam, der sich aber nach dem Zuschlag für rund 1,2 Millionen Euro zur Hälfte selbst zerstörte. Aus dem Werk "Girl with balloon" wurde durch einen versteckten Schredder im Rahmen dann "Love is in the bin", inklusive halb-geschredderten Papierfetzen.

Banksy: Street Art im klassischen Museum

Das Bild - samt der Performance im Auktionshaus natürlich auch Kritik am hysterischen Kunstbetrieb - ist nun für einen Monat im Museum Frieder Burda in Baden-Baden zu sehen. Die Besuchermassen strömen herbei, um sich diese nun hinter dickem Sicherheitsglas eingefrorene Performance auch mal anzuschauen.

Der Museumsdirektor Henning Schaper ist zufrieden, obwohl er persönlich erst jetzt zum echten Banksy-Fan wird: "Man kann über ihn trefflich streiten, man kann ihn mögen, man kann ihn goutieren, man kann ihn ablehnen. Aber eines kann man nicht: Man kann Banksy nicht ignorieren. Es war ein wirklicher Publicity-Stunt, den er gemacht hat - für sich und seine Person, aber auch für die Kunst und die Kunstgeschichte. Auf einmal sprach die ganze Welt über ein Phänomen in der Kunstwelt."

Ende mit dem Geschredder

Wir haben uns in dieser Episode von "Lakonisch Elegant. Der Kulturpodcast" zusammen mit Henning Schaper das Banksy-Werk angeschaut und befunden: Es beeindruckt vor Ort deutlich mehr als im Internet. Zumindest ging es Christine Watty beim Besuch in Baden-Baden so.

Zwei in schwarz gekleidete Museumsmitarbeiter hängen mit weißen Handschuhen Banksys Bild "Love in the Bin" an die Wand. Die Hälfte des Bildes hängt halb geschreddert aus dem goldenen Rahmen heraus. (Getty Images / Alexander Scheuber)Banksys "Love in the Bin", halb geschreddert, zu sehen im Museum Frieder Burda in Baden-Baden. (Getty Images / Alexander Scheuber)

Über die Frage "Gehört Street Art ins Museum" diskutiert Christine mit Podcast-Gast und Kollege Sandro Schroeder, der das Thema als selbstbetitelter "Kulturbanause" ursprünglich in die Themenkonferenz des Kulturpodcasts getragen hatte.

Während Museumsdirektor Schaper im Podcast erzählt, wie das Bild geschützt und ob die Schreddervorrichtung noch aktiv sein könnte - fragt sich Sandro: Ist es eigentlich richtig, dass Käuferin und Museum am Ende die Deutungshoheit haben, wann die Performance von Banksy beendet zu sein hat?

Kunst, nur mit Fluchtauto

Nach der Erkundungstour im Museum gibt’s noch eine kleine Kunst-Stunde mit Ulrich Blanché. Er kommt von der Uni Heidelberg, ist dort am Institut für Europäische Kunstgeschichte und ausgewiesener Banksy-Experte. Wir fragen ihn: Warum findet keiner raus, wer Banksy ist - oder warum verraten die Wissenden nichts?

"Es ist sein Alleinstellungsmerkmal, er will nicht als Person beurteilt werden, sondern für seine Kunst beurteilt werden." Fürs Geheimbleiben setzt Banksy laut Ulrich Blanché Zäune, Verkleidungen – und manchmal auch ein Fluchtauto ein: "Man muss sich das ähnlich vorstellen bei jedem "Banksy", wie wenn jemand eine Bank überfällt." Spektakulär, dieser Banksy!

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