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Lesart / Archiv | Beitrag vom 03.10.2012

Kurz und kritisch

Arne Jysch: "Wave and Smile", Michael Klonovsky: "Der Held – Ein Nachruf"

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Der Bundeswehreinsatz in Afghanistan ist Thema von Arne Jyschs Graphic Novel.  (AP)
Der Bundeswehreinsatz in Afghanistan ist Thema von Arne Jyschs Graphic Novel. (AP)

Mit dem Bundeswehreinsatz in Afghanistan befasst sich Arne Jyschs Graphic Novel. Michael Klonovsky probt hingegen den Aufstand gegen ein weichgespültes Männerbild.

Es genügt ein Blick auf die Farbtöne, um zu sehen: Dies ist eine Graphic Novel über den Einsatz in Afghanistan. Ockerfarbene Bergketten, dazwischen Bundeswehrsoldaten im Flecktarn, darüber die grelle Sonne. "Wave and Smile" heißt dieser fast 200 Farbseiten starke Comic von Arne Jysch. Sein Ziel: der Realität gerecht zu werden. Und glaubt man den peniblen Soldaten in manchen Internetforen, dann ist ihm das gelungen.

Cover: Arne Jysch: "Wave and Smile" (Carlsen-Verlag)Arne Jysch: "Wave and Smile" (Carlsen-Verlag)
Selbst die ganz spezielle Ausstattung der Hubschrauber stimmt, wird dort gelobt. Dazu kommen die menschlichen Details: die Internettelefonate mit Frau und kleiner Tochter, die Kompanieschildkröte namens "Rambo", und – vor allem – der Tod von Kameraden.

All das ist gewissenhaft ausgearbeitet. Zwar bleiben Geschichte wie Personen erstaunlich blass, die Grafiken bei aller Action beinahe statisch. Dennoch erklärt der Comic-Band mehr als mancher Zeitungsartikel. Eben anschaulich.

Arne Jysch: "Wave and Smile" Carlsen-Verlag, Hamburg.

"Eine Nation von Sitzpinklern wird nie mehr irgendein Nachbarland angreifen. Nur wird sie vielleicht auch ihr eigenes nicht mehr verteidigen." Dieses Zitat klingt martialisch in Zeiten, da sich Soldaten auf Kündigungsklauseln berufen können, aber es ist auch bloß ein Rückzugsgefecht.

Michael Klonovsky probt den Aufstand gegen ein weichgespültes Männerbild, er ordnet sich selbst aber devot den "Maulhelden" zu.

Cover Michael Klonovsky: "Der Held: Ein Nachruf" (Diederichs Verlag)Michael Klonovsky: "Der Held: Ein Nachruf" (Diederichs Verlag)Trotzdem liefert er eine scharfe Zeitdiagnostik, die manche Sitzpinkler auf die Barrikaden treiben dürfte – oder auch nicht, denn diese bevorzugen Diskursspielplätze in Gender-Mainstreaming-Seminaren gegenüber anstrengender Barrikadenkletterei.

Gäbe es in Deutschland noch eine nennenswerte konservative Publizistik, wäre Klonovsky ihr Star: scharfzüngig, geistreich und so reaktionär, wie es die entmannte Wirklichkeit fordert.

Michael Klonovsky: "Der Held – Ein Nachruf" Diederichs Verlag, München.

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