Kurz und kritisch

Martin Tschechne: "William Stern"; Günter Baumann: "Weltkulturerbe"; Pier Paolo Pasolini: "Rom. Andere Stadt", Martin Mosebach: "Rom. Ewige Stadt mit der Sehnsucht im Klischee?"
Martin Tschechne: "William Stern"
Verlag Ellert&Richter

Erst Vertrieben, dann Vergessen. So erging es vielen Deutschen nur weil sie jüdische Wurzeln hatten, oder den Nationalsozialisten nicht passten. Und so erging es auch dem Wissenschaftler William Stern.

Psychologe, Verfasser zahlreicher Bücher und Aufsätze; Gründer von Fachzeitschriften und Vortragsreisender. Außerdem Mitbegründer der Hamburger Universität. Was heute kaum einer mehr weis: Er ist der Vater des IQ – des Intelligenzquotienten.

Über die genaue Beobachtung des Verhaltens der eigenen drei Kinder kam er zur Entwicklungspsychologie. In Zeiten, in denen Bildung wieder als Zukunftssicherung erkannt wird, bekommt auch die von Sterns Erkenntnissen profitierende Begabtenforschung und –förderung einen neuen Stellenwert. Der Mensch als Individiuum stand bei ihm-ob als Wissenschaftler oder Familienvater- immer im Mittelpunkt.

Ein äußerst produktives wissenschaftliches Leben, das mit diesem kleinen Buch der Vergessenheit entrissen wird. Lesenswert.


Günter Baumann: "Weltkulturerbe"
Reclam Verlag

Für alle Reisenden in Sachen Kultur: Empfehlung Nummer Eins.
Ein Führer durch die Weltkulturerbestätten für die Hosentasche.Auf wenigen Seiten erfahren wir etwas über die Vor- und die Entstehungsgeschichte des Welterbes, insbesondere des Weltkulturerbes, über die Kriterien und ihre Erfassung. Die Problematik solch einer Bestenliste wird nicht ausgespart und es wird kurz der Bereich Weltnaturerbe, Weltdokumentenerbe angerissen. Wie umgehen mit dem mündlichen und immateriellen Erbe der Menschheit, mit Weltbüchern und Weltliteraturstädten?

Vorgestellt werden 150 Orte und Denkmale; von Angkor, der Tempelanlage im Urwald von Kambodscha bis zur Ruinenstadt Groß-Zimbabwe in Afrika. Von der UNESCO-Unterorganisation sind bis jetzt rund 900 Bauten und Objekte erfasst und es werden von Jahr zu Jahr mehr.
Der Autor verweist deshalb zu recht auf die Zwänge und die Subjektivität der Auswahl.
Trotzdem überzeugt das kleine Büchlein, denn wo bekomme ich sonst so viel Informationen auf kleinsten Raum.


Pier Paolo Pasolini: "Rom. Andere Stadt"

Martin Mosebach: "Rom. Ewige Stadt mit der Sehnsucht im Klischee?"
alle Corso Verlag

Für alle Reisenden in Sachen Kultur: Empfehlung Nummer Zwei.
Die ganz anderen Begleiter für unterwegs aus dem neuen Corso Verlag. Wir finden in diesen Büchern nicht die aktuellen "Hot Spots" der Jet Set Schickeria. Dafür werden wir mit intellektuellen Fundstücken belohnt, die von Reisenden heute, oder auch vor Jahrzehnten niedergeschrieben wurden. Beispiel Italien.


So können wir uns durch die Texte von Pier Paolo Pasolini und die Fotos von Herbert List ein eindrucksvolles Bild machen von "Rom. Andere Stadt" in den 50iger und 60iger Jahren des letzten Jahrhunderts. Oder: Martin Mosebach in Begleitung zahlreicher Autoren spaziert mit uns durch "Rom. Ewige Stadt mit der Sehnsucht im Klischee?" Oder: Karen Michels zu Beginn des vorigen Jahrhunderts mit dem Kunsthistoriker Aby Warburg und "Mit Bing in Rom, Neapel, Capri und Italien".
Paris, London, Istanbul. Oder Sizilien, die Krim und Galizien. Das sind Reiseziele für weitere Neuerscheinungen.

Wir sind gespannt. Die ersten Titel lassen hoffen. Nachteil, die aufwendiger gestalteten Bücher passen schlecht ins kleine Reisegepäck.


Mehr im Internet unter Corso-Verlag
Cover "William Stern" von Martin Tschechne
Cover "William Stern" von Martin Tschechne© Verlag Ellert&Richter
Cover "Weltkulturerbe" von Günter Baumann
Cover "Weltkulturerbe" von Günter Baumann© Reclam Verlag
Cover: "Rom. Andere Stadt“ von Pier Paolo Pasolini
Cover: "Rom. Andere Stadt“ von Pier Paolo Pasolini© Corso Verlag
Cover: "Aby Warburg - Mit Bing in Rom, Neapel, Capri und Italien“ von Karen Michels
Cover: "Aby Warburg - Mit Bing in Rom, Neapel, Capri und Italien“ von Karen Michels© Corso Verlag