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Interview / Archiv | Beitrag vom 28.10.2020

Kulturschaffende in der zweiten CoronawelleDie Rücklagen sind aufgebraucht

Jens Michow und Martin Rabanus im Gespräch mit Nicole Dittmer

28 . 10 . 2020 , Berlin / Mitte : Das Aktionsbündnis Alarmstufe Rot hat zur Demonstration der Veranstaltungsbranche gegen die Existenznot aufgerufen . Die Eventbranche leidet besonders unter der Corona - Pandemie und beklagt mangelnde Unterstützung .  (Imago Images / Bernd Friedel)
Corona drückt der Kultur erneut die Luft ab: Das Aktionsbündnis Alarmstufe Rot fordert sofortige Hilfen für die Branche. (Imago Images / Bernd Friedel)

Kulturschaffende brauchen sofort und unbürokratisch finanzielle Hilfe. Andernfalls werden viele die zweite Coronawelle wirtschaftlich nicht überleben, warnt Jens Michow vom Bundesverband der Konzert- und Veranstaltungswirtschaft.

"Die Kultur gehört zur Identität unseres Landes. Das ist das, was uns ausmacht. Es geht eben nicht nur um materielle Werte, es geht um die kulturellen Leistungen von ganz vielen Menschen. Die wollen wir erhalten. Und deshalb wollen wir eine Pleitewelle oder eine Veränderung dieser Landschaft, die tief greifend ist, verhindern." So Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier im ZDF. Das heißt: Vor allem für Soloselbständige im Kulturbereich soll es weitere Hilfen geben. Sie konnten seit dem faktischen Lockdown im Frühjahr auch die allgemeinen Wirtschaftshilfen von Bund und Ländern von bis zu 15.000 Euro beantragen.

"One fits all" funktioniert nicht

Das Geld war aber nur für Betriebskosten gedacht - und die haben nur wenige Künstler, Veranstaltungstechnikerinnen oder Kostümbildner.

Martin Rabanus, Sprecher für Kultur und Medien der SPD-Bundestagsfraktion, sagt, bei der finanziellen Unterstützung seien Fehler gemacht worden: "Eines der Probleme ist, dass wir am Anfang der Pandemie versucht haben, eine Lösung zu finden, nach dem Motto: One fits all. Dass man große Programme gemacht und gesagt hat: Das ist jetzt erst mal die Lösung, bei der sich alle bedienen. Dass das nicht funktioniert, war sehr schnell klar. Wir in der Politik haben deshalb gesagt, wir brauchen ein spezielles Programm, um die Kultur zu stützen."

Schlag ins Gesicht

Die Möglichkeiten, Grundsicherung zu beantragen, wurden im Zuge der Corona-Krise erleichtert.  Doch genau das sei eben keine Lösung und ein Schlag ins Gesicht für alle Kulturschaffenden, die durch Corona hart ausgebremst und aus der Arbeit gerissen worden seien, kritisiert Jens Michow, Präsident des Bundesverbandes der Konzert- und Veranstaltungswirtschaft. Für ihn ist klar: Nötig ist eine Art Unternehmerlohn, der deutlich über der Grundsicherung liegt.

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Die Lage vieler Kulturschaffender sei verzweifelt, berichtet er: "Wir können nicht auf ein Überbrückungsprogramm III warten. Und es ist nicht nur das Gerede eines Verbandschefs, wenn ich sage: Es ist fünf Minuten nach zwölf."

Michow fordert eine deutliche Aussage von der Politik: "Wir wollen für diese eine Million Menschen – das ist der zweitgrößte Arbeitnehmerbereich und der sechstgrößte Wirtschaftszweig in Deutschland – jetzt eine Hilfe." Nach acht Monaten ohne Arbeit seien bei den meisten alle Rücklagen aufgebraucht.

(mkn/all)

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