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Interview | Beitrag vom 25.11.2020

Kulturlockdown ist existenzbedrohend"Das ist wie die Zerstörung eines Lebenswerks"

Tobias Bonn im Gespräch mit Liane von Billerbeck

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Die Geschwister Pfister Ursli Pfister, Toni Pfister und Andreja Schneider auf einer Pressekonferenz. (imago / POP-EYE)
Die Geschwister Pfister (Ursli Pfister, Toni Pfister, Andreja Schneider) fordern Perspektiven für geschlossene Theater. (imago / POP-EYE)

Die Schließung von Theatern im Zuge der Coronakrise bringt auch die "Geschwister Pfister" in Bedrängnis. Tobias Bonn alias Toni Pfister fürchtet gar um sein Lebenswerk. "Diese pauschalen Schließungen sind auf Dauer kein Zustand", urteilt er.

Die Geschwister Pfister kritisieren die pauschale Schließung von Kulturstätten und fordern "wenigstens mittelfristig" eine Perspektive, wann welche Theater, Restaurants und Museen individuell wieder geöffnet werden könnten, abhängig von ihrem Hygienekonzept. Der Sänger und Schauspieler Tobias Bonn, der in dem Trio als "Toni Pfister" auftritt, empfindet die Situation als "bedrückend". Die "Geschwister Pfister" gebe es seit fast 30 Jahren, "ohne je die Hand aufgehalten zu haben", sagt er:

"Wir haben nie irgendwelche öffentlichen Gelder bekommen. Wir leben von dem, was die Leute am Abend bereit sind zu zahlen. Unser größter Luxus ist, dass wir niemanden fragen müssen, was wir tun sollen, dürfen oder wie wir es bezahlen. Wenn das so grundsätzlich über jetzt bald ein Jahr infrage gestellt ist, dann ist das schon ein bisschen wie die Zerstörung eines Lebenswerks."

Politiker wissen wenig von freischaffenden Künstlern

Zu den Hilfen vom Staat sagt Bonn, bis jetzt hätten sie nicht gut funktioniert: "Man ist doch erstaunt bis erschüttert, wie wenig die allermeisten Politikerinnen und Politiker Bescheid wissen über die Arbeitsweise von freischaffenden Künstlern und Soloselbstständigen. Da muss man sich doch sehr wundern."

Im Dezember hätte das Trio wieder auf der Bühne im Tipi am Kanzleramt stehen sollen. Sie seien allerdings "relativ privilegiert", unterstreicht der Künstler. Es gebe weniger prominente Kollegen mit deutlich größeren Problemen. Im Sommer hätten die Geschwister Pfister in der Schweiz "immerhin vier Vorstellungen" spielen können, bis alles wieder geschlossen wurde. Man hangele sich "von Hilfe zu Hilfe und von Projekt zu Projekt" und lebe vom Ersparten.

(bth)

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