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Kompressor | Beitrag vom 31.01.2019

Künstlerin Weisskopf über algorithmische Intimitäten Die digitale Ausbeutung von Emotionen

Carmen Weisskopf im Gespräch mit Azadê Peşmen

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Kunstprojekt der !Mediengruppe Bitnik zum Seitensprungportal Ashley Madison (Instagram / Mediengruppe Bitnik)
Die !Mediengruppe Bitnik setzte sich mit einem Kunstprojekt mit Ashley Madison auseinander. (Instagram / Mediengruppe Bitnik)

Intimität, Gefühle, Empathie: Carmen Weisskopf erklärt, wie sie mit der !Mediengruppe Bitnik Kunst zu und mit Internet-Phänomenen betreibt – beispielsweise bei einer Dating-Plattform. Die Künstlerin ist auf der Transmediale in Berlin mit dabei.

"Die Transmediale 2019 beschäftigt sich damit, wie Gefühle zu Objekten technologischen Designs gemacht werden und stellt die Frage, welche Rolle Emotionen und Empathie in der digitalen Kultur spielen." Das schreibt das Medienkunstfestival zur diesjährigen Transmediale, die bis zum 3. Februar dauert.

Eine der Beteiligten ist die !Mediengruppe Bitnik, die Kunst zu und mit Internet-Phänomenen betreibt und dabei mehrfach für Aufsehen gesorgt hat, weil es ihr beispielsweise gelang, Londoner Überwachungskameras zu hacken und den "Content" auszutauschen. Vielleicht am bekanntesten ist Bitnik für ihren Random Darknet Shopper, einen Roboter, der zufallsbasiert Gegenstände aus dem Darknet orderte und in eine Galerie schicken ließ.

Intimität, Gefühle, Empathie kommen am besten aber in ihrer Arbeit zur Dating-Plattform Ashley Madison zum Ausdruck. "Wir Menschen sind sehr emotionale Wesen, das heißt, wir sind immer bereit, Intimität oder Emotion in Kommunikation reinzulesen", sagt die Künstlerin Carmen Weisskopf. Das nutzten die Algroithmen - besonders im Online-Dating.

Kunstprojekt zeigt Angst vor Alexa 

Ashley Madison sei ein kanadisches Seitensprungportal, das 2015 gehackt wurde und von dem alle Daten ins Netz gestellt wurden. Bitnik hat auch daraus ein Kunstprojekt gemacht.

Es sei sehr schnell aufgefallen, dass da keine Frauenprofile waren, sagt Weisskopf. Ashley Madison habe zwar aber immer behauptet, dass es bei 30 Millionen Usern gleich viele Frauen und Männer gebe. "Scheinbar konnten sie aber keine Frauen für ihr Businessmodell gewinnen." Stattdessen seien Frauen durch Chatbots ersetzt worden.

Auf der Transmediale präsentiert Weisskopf in Zusammenarbeit mit dem französischen Musiker Low Jack auch die Arbeit Alexiety. Dabei gehe es darum, die Angst vor Alexa  darzustellen, erklärt Weisskopf. Alexa ist als sprachgesteuerter Assistent auf Geräten wie Amazon Echo verfügbar.

"Wir haben uns Gedanken gemacht, wie unsere Privaträume jetzt übernommen werden von diesen Geräten, die dann alles mithören, die uns dann auch sehr gut kennenlernen, von uns lernen und mit uns interagieren - eigentlich fast wie ein Mitglied des Haushalts."  Es sei besorgniserregend, mit einem solchen Gerät eine Intimität einzugehen.

(mhn)

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