Kubas Netzhit "Patria y Vida"

    Ironiegeladene Rap-Variante von Fidels Revolutionsschrei

    07:01 Minuten
    Dem Musiker Yotuel Romero fließt eine Träne aus dem Auge.
    Kritik am kubanischen Modell des Sozialismus: Der Musiker Yotuel Romero in dem Youtube-Video "Patria y Vida". © Screenshot Youtube / Yotuel
    Burkhard Birke im Gespräch mit Massimo Maio · 22.02.2021
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    "Patria y Vida" trifft den Nerv der Zeit: Der Song von sechs kubanischen Musikern hat politische Sprengkraft und geht derzeit im Netz viral. Er ist damit Teil eines lange schwelenden Konflikts zwischen Kulturszene und Regierung in Kuba.
    Über eine Million Klicks innerhalb von drei Tagen ist für ein kubanisches Rap-Video eine ziemlich große Aufmerksamkeit. Das liegt vor allem an der politischen Sprengkraft des Textes:
    "Keine Lügen mehr, mein Volk verlangt Freiheit, keine Doktrinen, rufen wir nicht mehr ‚Heimat und Tod‘, sondern ‚Heimat und Leben‘."

    Ironiegeladene Kritik

    "Patria y Vida" heißt dieser Song und steht in vollem Kontrast zum Revolutionsgruß "Patria o Muerte" – Vaterland oder Tod, der in Kuba überall zu lesen ist.
    "Das ist schon vom Titel her eine ironiegeladene Kritik am kubanischen Modell des Sozialismus – am Schrei der Revolution von Fidel Castro", sagt Burkhard Birke, der das Geschehen in Kuba schon lange beobachtet.
    Das Video treffe den Nerv der Zeit: Kuba leide nicht nur an den Einschränkungen der Meinungsfreiheit, sondern auch an der Pandemie, der Währungsreform von Beginn des Jahres - alles sei knapp, und diese Knappheit werde auch im Song angesprochen.

    Das Land liegt am Boden

    Das Video sei zudem in Kooperation mit der Künstlerbewegung entstanden, die schon im vergangenen Jahr gegen die Inhaftierung eines Rappers protestiert habe. Entsprechend empört habe die Regierung bereits reagiert und via Twitter Fidel Castros "Patria o Muerte" noch einmal als Slogan ausgegeben. Auch die Staatszeitung hat die Musiker kritisiert.
    Das Land liege nun auch wegen den weggebrochenen Einnahmen aus dem Tourismus am Boden, sagt Birke. Der Song habe diese sozialen und politischen Konflikte eingefangen.
    (sed)
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