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Zeitfragen / Archiv | Beitrag vom 20.11.2014

KryonikEiskalt in die Zukunft

Wie Kryoniker versuchen, den Tod zu überwinden

Von Georg Gruber

Ärzte präparieren im Labor der Firma Alcor, der "Stiftung für Lebensverlängerung" in Scottsdale, Arizona, eine Leiche für die Konservierung. (picture alliance / dpa / Db Alcor Life Extension Foundation)
Labor der Firma Alcor, der "Stiftung für Lebensverlängerung" in Scottsdale, Arizona (picture alliance / dpa / Db Alcor Life Extension Foundation)

Es gibt Menschen, die den Tod nicht als das Ende akzeptieren wollen. Sie lassen sich einfrieren und lagern in flüssigem Stickstoff bei Minus 196 Grad. Und hoffen, in der Zukunft wieder aufgetaut zu werden, wenn die Medizin Fortschritte gemacht hat.

Kryonik bedeutet das Einfrieren nach dem Tod und ist verbunden mit der Hoffnung auf ein Wiederbeleben in der Zukunft, wenn die Menschen unsterblich sind. Der Erfinder der Kryonik, der Amerikaner Robert Ettinger ist vor drei Jahren gestorben – und hat sich natürlich einfrieren lassen. Seine Idee lebt ohne ihn weiter, auch in Deutschland.

Das können Sie im Beitrag hören:

Klaus Sames, 75, langes weißes Haar ist der Kryonik-Vordenker hierzulande. Bis zu seiner Emeritierung hatte sich der Mediziner als Anatom und Gerontologe lange damit beschäftigt, wie Alterungsprozesse rückgängig gemacht werden könnten. Ohne Erfolg, deswegen auch sein Interesse an der Kryonik. "Kryos" ist altgriechisch und heißt "Frost, Eis". Hier in Geislingen sollen die Patienten,  so nennen die Kryoniker die Verstorbenen,  präpariert werden, für ihre Reise in die Zukunft. Tiefgekühlt bei Minus 196 Grad in flüssigem Stickstoff überdauern sie die Zeit. Damit der menschliche Körper durch die Kühlung keinen Schaden nimmt, muss das Blut gegen Forstschutzmittel ausgetauscht werden.

Geistiger Vater der Kryonik ist der Amerikaner Robert Ettinger. 1918 geboren, interessierte er sich schon als Jugendlicher für Science Fiction. Eine erste Fassung seiner Vision von einem Leben über den Tod hinaus veröffentlichte Ettinger  Ende der 1940er Jahre als Kurzgeschichte. Größere Resonanz erhielt  er aber erst 1964 mit "The prospect of immortality", seinem Buch, das unter dem Titel "Aussicht auf Unsterblichkeit?“ auch auf Deutsch erschien. Der zentrale Gedanke darin:

"Was immer uns heute tötet, sei es das Alter oder eine Krankheit, und auch wenn die Gefriertechniken zur Zeit unseres Todes noch sehr primitiv sein sollten, früher oder später werden unsere Freunde in der Zukunft der Aufgabe gewachsen sein, uns wiederzubeleben und zu heilen."

 


Das Manuskript als PDF-Format und im barrierefreien Textformat

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