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Interview / Archiv | Beitrag vom 30.09.2019

Kritik an Klöckners "Nutri-Score"Die Lebensmittelampel sorgt nicht für gesunde Ernährung

Moderation: Nicole Dittmer

Bundesernährungsministerin Julia Klöckner stellt während einer Pressekonferenz in ihrem Ministerium das neue Nährwertkennzeichen "NutriScore" vor. Dabei hält sie ein großes Schild mit einem Bewertungscore in den Händen.  (Picture Alliance / dpa / Wolfgang Kumm)
Lebensmittel der A-Klasse: Bundesernährungsministerin Julia Klöckner will Lebensmittel mit dem "Nutri-Score" kennzeichnen lassen. (Picture Alliance / dpa / Wolfgang Kumm)

Gesunde Lebensmittel sollen demnächst einfach zu erkennen sein, verspricht die Bundesregierung. Helfen soll dabei das Ampelsystem "Nutri-Score". Die Ernährungswissenschaftlerin Eva-Maria Endres stellt die Lebensmittelkennzeichnung in Frage.

In Deutschland soll eine Kennzeichnung für Lebensmittel eingeführt werden, die Informationen zum Nährwert der Produkte enthält. Ernährungsministerin Julia Klöckner (CDU) hält den sogenannten Nutri-Score – ein fünfstufiges Ampelsystem von Grün über Gelb bis Rot – für besonders geeignet. Der Nutri-Score gibt Aufschluss über den Gehalt von Zucker, Fett oder Salz und werde laut einer Umfrage von der Bevölkerung am besten verstanden.

Komplexität wird reduziert

Kritik an der Auffassung äußert die Ernährungswissenschaftlerin Eva-Maria Endres vom Büro für Agrarpolitik und Ernährungskultur. Sie sagt: "Ich bin keine Verfechterin des Nutri-Scores."

Denn für Endres ergibt es keinen Sinn, "die Komplexität einer gesunden Ernährung auf einzelne Lebensmittel zu reduzieren", es gehe um die Gesamtheit der Ernährung. Dieser Aspekt werde durch den Nutri-Score nicht abgebildet.

Grundsätzlich sei es wissenschaftlich nicht haltbar, ein Lebensmittel in fünf Kategorien wie beispielsweise Fette, Zucker oder Salz – in gut oder schlecht – einzuteilen, unterstreicht Endres. Schließlich gehöre zu einer gesunden Ernährung viel mehr, etwa sekundäre Pflanzenstoffe, Vitamine oder Mineralstoffe.

Essen als Lebensqualität

Statt dessen müsse Essen als "Lebensqualität" verstanden werden – "und nicht nur als lästige Pflicht, sich abends etwas zu essen zu kochen", sagt Endres. Außerdem müssten Koch- und Lebensmittelkompetenzen und der Genuss am Essen gestärkt werden. Der Nutri-Score könne da sogar kontraproduktiv wirken.

Außerdem sei offen, ob Grundnahrungsmittel – wie Mehl und Haferflocken, aber auch Olivenöl und Nüsse, die einen hohen Fettanteil haben und somit eine schlechte Bewertung erhielten – beim Nutri-Score mit einbezogen würden. Wenn man sich für den Rest seines Lebens nur von Äpfeln oder Gurken ernähre, weil diese einen grünen Score haben, dann wäre dies auch keine ausgewogene Ernährung, betont Endres.

(rzr)

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