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Interview / Archiv | Beitrag vom 05.07.2016

Kritik an Endlager-Kommission"Unverantwortlich und überhastet"

Tobias Münchmeyer im Gespräch mit Marianne Allweis und André Hatting

In Schacht Konrad in Salzgitter dürfen in rund 1200 Meter Tiefe 303 000 Kubikmeter Atommüll von geringer Wärmeentwicklung entsorgt werden. Es ist bislang das einzige Endlager in Deutschland. (picture alliance / dpa - Julian Stratenschulte)
Die Endlager-Kommission sollte erst einmal geeignete Kriterien für die Standortsuche in Deutschland festlegen. (picture alliance / dpa - Julian Stratenschulte)

Der Abschlussbericht der Endlager-Kommission sollte eigentlich die schwierige Frage beantworten, wie Atommüll in Deutschland auf Dauer gelagert werden muss. Herausgekommen ist nicht mehr als ein "Schnellschuss", kritisiert Greenpeace-Atomexperte Tobias Münchmeyer.

"Wir sind sehr, sehr unzufrieden mit diesem Bericht", sagte der Atomexperte der Umweltschutzorganisation Greenpeace, Tobias Münchmeyer,  im Deutschlandradio Kultur. Zwei Jahre Arbeit der Endlager-Kommission klinge nach einer langen Zeit, aber es sei wieder ein "Schnellschuss" gewesen.

"Wenn man sich die Aufgabe anschaut, mit der man es hier zu tun hat, war das viel zu schnell und vor allem viel zu oberflächlich", sagte Münchmeyer.  Die Kommission habe sich auf eine geologische Tiefenlage festgelegt, ohne Alternativen ausreichend zu prüfen. "Das halten wir für unverantwortlich und überhastet."

Es sei nicht zu verstehen, warum man über die Zweifel von Experten an diesen Konzepten hinweggegangen sei. Stattdessen hätte die Kommissionen einen Neuanfang wagen müssen.

Fehlende Debatte

Auch mit den angeblichen Vorbildern bei der Endlager-Suche - wie etwa Finnland und Schweden - zeigte sich der Greenpeace-Mann unzufrieden. "Auch dort ist die Debatte nicht wirklich in der Breite der Bevölkerung geführt worden."

Auch in Skandinavien habe es Vorfestlegungen auf tiefengeologische Lagerung gegeben, ohne die Alternativen ausreichend zu prüfen. "Da ist der Druck der Industrie möglicherweise noch stärker", sagte Münchmeyer.

Deshalb sei man dort auf den ersten Blick im Verfahren weiter. "Aber das kann diese Länder sehr, sehr teuer zu stehen kommen, wenn sich dann nach Jahren oder Jahrzehnten herausstellt, dass es doch ein Fehler war." In Deutschland habe man bereits mit dem ehemaligen Salzbergwerk Asse in Niedersachsen Erfahrungen gesammelt.

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