Kritik am Robert Koch-Institut

    Journalisten fordern besseren Zugriff auf Coronadaten

    09:03 Minuten
    Jens Spahn (r, CDU), Bundesminister für Gesundheit, Lothar H. Wieler, Präsident des Robert-Koch-Institut (RKI) und Anke Richter-Scheer, Vorstandsmitglied Hausärzteverband Westfalen-Lippe und Leiterin des Impfzentrums im Kreis Minden-Lübbecke, geben eine Pressekonferenz zur Corona-Lage.
    Verlautbarungen statt Datenherausgabe? - Pressekonferenz mit Jens Spahn (r, CDU), Bundesminister für Gesundheit, und Lothar H. Wieler, Präsident des Robert-Koch-Institut (RKI). © picture alliance / dpa / Kay Nietfeld
    Björn Schwentker im Gespräch mit Vera Linß und Marcus Richter · 27.03.2021
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    Der Datenjournalist Björn Schwentker beklagt die schlechte Datenlage zu Impfungen und zum Infektionsgeschehen: Das Robert Koch-Instiut liefere zu wenige und schlecht aufbereitete Daten. Dies gefährde die Demokratie, fördere Unglaube und Zweifel.
    Bisher stellt das Robert-Koch-Institut (RKI) die Zahlen zum Coronavirus oft als Texte und Grafiken zur Verfügung. Mühsam müssen Journalisten die Angaben bisweilen aus PDF-Dokumenten zusammensuchen. Auf Nachfragen beim Robert Koch-Institut werde bisweilen nicht reagiert, Daten nicht herausgegeben. So jedenfalls schildert der Datenjournalist Björn Schwentker die Lage.
    Knapp zusammengefasst: Es würden zu wenige Daten bereitgestellt werden und auch die Qualität sei nicht ausreichend. Damit werde viel Arbeitszeit der Datenjournalistinnen und -journalisten gebunden, "die wir viel lieber in gute Berichterstattung zum Thema selbst einsetzen würden".

    Eine Gefährdung der Demokratie

    Aus Sicht des Journalisten Björn Schwentker sei dies eine Gefährdung der Demokratie. Denn im Sinne einer demokratischen Meinungsbildung sei es wichtig, dass das RKI sich "in die Karten schauen lasse" und jeder nachvollziehen könne, warum etwas so sei. "Denn sonst ist das, was daraus resultiert: Unglaube, Fake und Zweifel." Denn viele Menschen würden erst anfangen zu zweifeln, "weil die Werte so uneindeutig sind".
    "Also, dieser Mechanismus in der Demokratie: Die Medien berichten irgendetwas und dann kann entsprechend Aktion eintreten, und es muss auch jemand Rechenschaft ablegen im Staat. Dazu brauchen wir Informationen. Und diese öffentliche Information muss in diesem Fall als öffentliche Daten kommen. Und das hat der Staat auf allen Ebenen noch nicht gelernt, dass er das bedienen muss. Das ist ein Jammer und gefährlich für die Demokratie."

    Ämter tun sich mit der Herausgabe von Daten schwer

    Auch in den Landkreisen sei man offenbar gar nicht in der Lage, richtig mit Daten zu arbeiten. Vieles würde noch per Mail verschickt werden – und zahlreiche Angaben so nicht mitgeliefert. Einfache Fragen, beispielsweise wie viele der über 80-Jährigen bereits geimpft seien, ließen sich daher nicht recherchieren.
    Die Behörden kämen damit ihrer gesetzlichen Informationspflicht nicht nach, betont Schwentker. "Das ist ein ziemliches Armutszeugnis für unser Land. Da ist über Jahrzehnte gepennt worden. Und in einer solchen Ausnahmesituation sehen wir, wohin das führt."

    Mangelnder Wille der Politik?

    Bereits im Mai vergangenen Jahres hat die Fachgruppe Datenjournalismus an das Robert Koch-Institut geschrieben und die Situation beklagt: Nun versuche das RKI nach und nach, mehr Daten zu liefern. "Aber das ist eigentlich für eine Gesellschaft im 21. Jahrhundert ein Armutszeugnis." Das Wesentliche sei nämlich nicht gelungen: Dass das RKI die Daten im Sinne eines echten Open Data Verzeichnisses zur Verfügung stellt.
    Wieso sei dies so, "in einer Zeit, wo die neutrale Information der Bevölkerung das Wesentlichste ist, was geleistet werden muss", fragt sich Schwentker. "Wieso gibt es keine Informationsstrategie der Bundesregierung, die die oberste Bundesbehörde, nämlich das RKI, mit genug Ressourcen ausstattet, um ein ordentliches Open Data auf die Strecke zu bringen?"
    (lkn)
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