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Lesart / Archiv | Beitrag vom 06.08.2015

Krimi-Buchhandlung in MünchenAufs "Glatteis" geführt von Friedrich Ani

Von Andi Hörmann

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Der Münchner Schriftsteller Friedrich Ani im Juli 2015 (dpa / picture alliance / Ursula Düren)
Friedrich Ani im Juli 2015 (dpa / picture alliance / Ursula Düren)

Wenn der Münchner Schriftsteller Friedrich Ani einen Kriminalroman kaufen will, geht er in seine bevorzugte Buchhandlung "Glatteis". Sie stellt nicht die Bestseller, sondern die wirklich lesenswerten Krimis ins Schaufenster.

Friedrich Ani: "Für mich ist eine Buchhandlung, speziell eine Krimi-Buchhandlung auf jeden Fall ein möglicher Schauplatz für einen Kriminalfall oder überhaupt für einen Roman."

München, Baader-, Ecke Corneliusstraße, zwischen Gärtnerplatz und Isar. Kurz nach 16 Uhr. Friedrich Ani verspätet sich. Wie aus dem Nichts steht er dann plötzlich hinter mir.

(Niesen)

"Gesundheit! Sind Pollen unterwegs?"

Ani: "Anscheinend."

Die Kriminalbuchhandlung "Glatteis": An der Kreuzung stoppen Autos an der Ampel. Rot, gelb, grün. Los geht's!

Ani: "Für mich ist das natürlich eine optimale Buchhandlung, weil ich da einen Überblick über meine Welt bekomme, in der ich arbeite und schreibe und lese."

"Eine Buchhandlung fängt ja eigentlich draußen an, mit dem Schaufenster."

Ani: "Wobei sich da im Laufe der Jahre viele Dinge verändert haben: Viele Buchhandlungen neigen dazu, die Bestseller ins Fenster zu stellen."

"Wollen wir, bevor wir reingehen, einen Blick ins Schaufenster werfen? Also stehen denn hier die Bestseller oder gibt es hier auch ein paar Underdogs der Krimi-Literatur?"

Ani: "Bei Monika Dobler von der Glatteis-Buchhandlung muss man keine Sorgen haben, dass da lauter Bestseller im Fenster stehen, sondern da stehen die interessanten Bücher. Sie ist eine sehr kritische Leserin, eine sehr genaue Leserin und stellt Bücher ins Fenster, die sie mag. Da stehen keine Bücher, nur weil sie auf der Bestenliste stehen. Da kann man sich drauf verlassen, dass das, was man hier zu sehen bekommt, alleine schon im Schaufenster, lesenswert ist."

"Zum Beispiel? Was sticht Ihnen jetzt da ins Auge?"

Ani: "Leif Persson, ein schwedischer Autor, ein großartiger Schreiber, der auch Kriminalist ist. Es sticht raus: Oliver Harris 'London Underground', Stephen King 'Mister Mercedes'. Ein tolles Buch wieder mal von Stephen King, der natürlich ein Bestseller-Autor ist, aber trotzdem: saugut, immer noch. Es sticht raus: Jo Nesbø, unser Freund, der Norweger. Und natürlich Franz Dobler aus Augsburg, 'Ein Bulle im Zug', ein ganz toller Roman."

"Ja, dann gehen wir doch mal kurz rein... Klingt auch jetzt ganz anders als auf der Straße. Ist schon eine etwas unterkühlte Atmosphäre mit dem Marmorfußboden. Passt auch vielleicht ganz gut zum Krimi-Genre."

Ani: "Ich weiß gar nicht... Ich habe das nie als unterkühlt empfunden. Hier sind sehr viele bunte Bücher und Fotos und CDs. Ich empfinde das eher als eine sehr lebendige, quirlige Buchhandlung, wenn man über die Bücher schaut und die sehr unterschiedlichen Cover betrachtet und auch die unterschiedlichen Autoren. Das Erstaunliche an diesem Genre ist ja, dass es wirklich nicht nur quantitativ, sondern auch qualitativ ein riesiges Feld geworden ist. Und das macht, finde ich, den Laden extrem gemütlich."

Ein Krimi landet immer in der Einkaufstasche von Friedrich Ani, wenn er beim "Glatteis" vorbeischaut, der einzigen Krimi-Buchhandlung in ganz Bayern. Für Ani ist dieser Buchladen eine Art zweites Wohnzimmer. Wohlfühlen und schmökern, ein Ort der Glückseligkeit − zumal das nächste Münchner Wirtshaus nicht weit entfernt ist.

Ani: "Also erst mal eine Glücksgefühl auslösende Buchhandlung und nebenan ein Wirtshaus, das ein Glücksgefühl auslösendes Bier ausschenkt − besser kann man es nicht treffen, als Autor und Leser."

Wir bleiben erst mal in der Buchhandlung. Und wo stehen hier eigentlich die Bücher von Friedrich Ani?

Ani: "Die stehen wahrscheinlich unter A. Da, da unten. Das ist schon eine Menge."

"Wenn Sie jetzt eines rausziehen würden für jemand, der jetzt Friedrich Ani nicht kennt?"

Ani: "Ja, dann würde ich wahrscheinlich genau das grüne rausziehen. 'M', der bisher letzte Roman mit der Figur Tabor Süden. Das ist eine Geschichte, die hier spielt, zum Teil im rechtsradikalen Milieu. Aber es ist auch eine Geschichte über die Binnenwelt der Detektei, in der die Hauptfigur arbeitet. Das ist ein Roman, der mir sehr am Herzen liegt."

"M steht für München?"

Ani: "M steht für alles mögliche: Es steht für München, für Mord, eine der Hauptfiguren heißt Mia. M steht für: Ich mag's."

Mehr zum Thema:

Der Vermisstenschreiber
(Deutschlandradio Kultur, Profil, 24.10.2013)

Süden ist zurück
(Deutschlandradio Kultur, Buchkritik, 18.3.2011)

Krimi-Preis - Brauner Terror und brasilianisches Kokain
(Deutschlandradio Kultur, Fazit, 21.1.2014)

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