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Thema / Archiv | Beitrag vom 23.01.2006

Kreationismus contra Evolutionstheorie

Wie christliche Fundamentalisten Darwin bekämpfen

Von Kim Kindermann

Charles Darwin im Jahr 1875. (AP Archiv)
Charles Darwin im Jahr 1875. (AP Archiv)

Charles Darwins Evolutionstheorie über die Entwicklung der Arten ist schon beinahe 150 Jahre alt, aber noch immer wird sie von fundamentalen Christen bekämpft, schließlich stellt sie die gesamte Schöpfungsgeschichte in Frage. Die Anhänger des Kreationismus wollen glauben machen, hinter der Schöpfung stecke ein intelligenter Designer.

"Es ist, als gestände man einen Mord", schrieb Charles Darwin kurz bevor er 1859 mit seinem Werk "Die Entstehung der Arten" und der darin beschriebenen Evolutionstheorie an die Öffentlichkeit trat. Einer Theorie, die besagt: Die natürliche Selektion ist die Grundlage jeder Entwicklung - auch der menschlichen. Was nichts anderes bedeutet, als dass der Menschen nicht, wie bis dahin wissenschaftlich und gesellschaftlich angenommen, von Adam und Eva abstammt, sondern vom Affen.

Die Kränkung saß tief: Der Mensch sollte nicht mehr die Krone der göttlichen Schöpfung, sondern nur noch ein durch Zufälle entstandenes Wesen sein? Der Brite, der eigentlich selbst Theologe werden wollte, stellte damit Gott und die Schöpfungsgeschichte komplett in Frage, machte sie in den Augen vieler Gelehrter sogar überflüssig.

Spätestens das rief erzürnten Gegner auf den Plan. Gegner, die bis heute aktiv sind. Ihnen voran die so genannten Kreationisten, die ihre Ansicht gerne als Wissenschaft der Schöpfung verstanden wissen wollen. In wortwörtlicher Anlehnung an die Schöpfungsgeschichte der Bibel glauben die Kreationisten, dass Gott in nur sechs Tagen das Universum, die Erde, die Tiere und eben als Krönung seiner Schöpfung den Menschen erschuf. All das, so die Kreationisten, liegt dabei nicht mehr als zehntausend Jahre zurück.

Wer etwas anderes behauptet, den stellen sie in Frage, allen voran Darwin. Seine Evolutionstheorie habe Lücken, Widersprüche und würde der Komplexität der Schöpfung nicht gerecht: Die Blutgerinnung etwa sei nicht einfach durch Evolution zu erklären, heißt es aus ihren Kreisen. Denn: Fehle nur ein einziges Protein, funktioniere der ganze Vorgang nicht mehr.

Auch ein so hochkomplexes Organ wie das Auge könne sich nicht allein aufgrund von Mutation, Selektion und durch Zufall entwickeln, sagen die Kreationisten. Stattdessen behaupten sie, das Leben könne nur durch Gott oder neutraler ausgedrückt durch einen für uns nicht sichtbaren intelligenten Designer entwickelt worden sein. Wissenschaftlich nachvollziehbare Beweise dazu fehlen bis heute.

Die Idee des Intelligent Design geht auf den englischen Theologen William Samuel Paley zurück. Paley, der 1805 starb, also lange bevor Darwin seine Evolutionstheorie veröffentlichte, sah aufgrund der Komplexität und Funktionalität der Natur einen intelligenten Planer am Werk. Genauso wie eine Uhr den Uhrmacher brauche, um entwickelt und gebaut zu werden, brauche auch die Natur einen intelligenten Tüftler.

Ohne es zu wissen, wurde Paley damit zum gern zitierten Gegner der Evolutionsbiologie. Seine Theorie erfreut sich vor allem in jüngerer Zeit, wenn auch in abgewandelter Form, vor allem in den USA, aber auch hierzulande wieder neuer Beliebtheit. Denn nachdem 1987 das US-amerikanische Supreme Court den Kreationismus endgültig aus dem Biologieunterricht verbannte, weil es sich dabei um Religion handelt, taucht die Lehre des "Intelligent Design" wieder auf.

Zwar vermeiden die Vertreter dieser neuen/alten Lehre alle theologischen Bezüge, doch das ist in den Augen vieler Kreationisten-Kritiker nur Makulatur. Sie meinen: Intelligent Design sei nur ein Deckmantel für die religiösen Inhalte der Kreationisten. Wieder gehe es darum, als alternatives Erklärungsmodell zur Evolutionstheorie im Schulunterricht einen festen Platz zu erhalten.

Dieser Ansicht war auch ein Richter in amerikanischen Dover: Im Dezember letzten Jahres entschied er, dass Intelligent Design nicht alternativ zu Darwins Evolutionstheorie gelehrt werden dürfe. Und das, obwohl 64 Prozent der US-Amerikaner genau dies wünschen. Bezweifelt doch die Hälfte von ihnen, dass sich der Mensch aus anderen Arten entwickelt hat.

Lesen Sie zu diesem Thema auch das Interview mit Dieter Althaus. Der Ministerpräsident von Thüringen eröffnete heute den "Erfurter Dialog" zum Thema "Evolution und Schöpfung".

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