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Alltag anders | Beitrag vom 28.05.2021

Korrespondenten berichten überReinlichkeit

Von Matthias Baxmann und Matthias Eckoldt

Eine Hand in Putzhandschuh hält eine Chlorbleiche zum sprühen. (unsplash / Clay Banks)
Ständig jede Ecke mit Chlorbleiche durchwischen? (unsplash / Clay Banks)

In Südafrika muss man mitunter zwei Stunden bis zu einer Wasserpumpe laufen. Spanier gehen im Sommer mehrfach am Tag unter die Dusche. In China waren schon lange vor Corona Desinfektionssprays sehr verbreitet.

Oliver Neuroth aus Madrid:

"Das Thema Reinlichkeit auf den Körper gemünzt ist in Spanien doch ein sehr wichtiges Thema. Es ist in Spanien im Sommer ja sehr heiß. Also mehrfach am Tag unter die Dusche steigen, ist in Spanien etwas Wichtiges, denn man achtet schon auf das Äußere, man geht nicht mit kurzer Hose und schweißbeflecktem Hemd auf die Straße, sondern eher mit langer Hose und ordentlichem Hemd. Das heißt, da dürfen dann auch keine Schweißränder dran sein. Man geht häufiger am Tag duschen und achtet darauf, dass man dann nicht riecht. Da ist der Spanier schon sehr hinterher."

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Silke Diettrich aus Neu-Delhi:

"Ich finde, dass Inderinnen und Inder – egal aus welcher Schicht sie kommen – definitiv auf Hygiene achten. Reinlichkeit. Darüber wird eigentlich das ganze Kastensystem in Indien bestimmt. Die Obersten sind sehr unbeschmutzt. Es gibt nach wie vor die allerunterste Kaste, die dieses Stigma haben, dass sie nicht reinlich sind, weil sie sich mit den ganzen dreckigen Berufen abgeben müssen. Die steigen in die Kanäle hinab, die haben früher die Latrinen geputzt. Allein in der Hauptstadt Neu-Delhi, wenn ich da mal am Fluss entlanggehe, der gleicht eher einer Kloake, und da baden die Menschen sich drin oder waschen sich dann da drin. Wir würden noch nicht mal bis auf zehn Meter ans Flussufer gehen, weil das schon fast wie eine Kloake riecht, die Menschen hier aber – einerseits weil es heilig ist – dann in dem Wasser eben ein Bad nehmen, auch, weil sie kein anderes Wasser zur Verfügung haben und nur das nutzen können, um sich überhaupt waschen zu können." 

Ivo Maruscyk aus Buenos Aires:

"Also, wir sind in Südamerika und da muss man sich natürlich schon an andere Begriffe und Vorstellungen von Reinlichkeit halten. Es ist nicht so, dass die Leute nicht reinlich wären, aber man achtet auf andere Dinge. Umgekehrt finden die Südamerikaner übrigens, dass wir gar nicht so reinlich sind. Meine Putzfrau, die rümpft ein bisschen die Nase, weil wir zuhause nicht ständig jede Ecke mit Chlorbleiche durchwischen. Das sind so ein bisschen die kulturellen Unterschiede. Man wendet oft sehr viel Chemie an – immer feste druff – dann wird’s auch sauber." 

Jana Genth aus Johannesburg:

"Es gibt in Südafrika die Häuser, in denen jeden Tag geduscht, gebadet oder in den Pool gesprungen werden kann. Es gibt aber auch die Gegenden, in denen Wellblechhüten stehen, in denen es keinen Wasseranschluss gibt. Es werden mehr und mehr Townships mit Wasseranschlüssen ausgestattet in Südafrika, aber ich kenne ein Township am Indischen Ozean in Südafrika, da müssen die Leute tatsächlich zwei Stunden laufen, bis sie zu ihrer Wasserpumpe kommen. Die gehen dann noch mit den Eimern los, um sich das Wasser zu holen. Mit dem wird dann aber auch gekocht. Also die Priorität ist tatsächlich das Trinken und das Kochen. Körperpflege und Waschen, das kommt dann erst danach." 

Ruth Kirchner aus Peking:

"In China gibt es riesige Unterschiede zwischen Stadt und Land. Wenn man auf dem Land ist, dann ist das mit der Reinlichkeit relativ schwierig. Da ist es nicht so, dass es da überall sofort eine Dusche gibt. Gleichzeitig hat man in den Großstädten das Gefühl, die Leute achten schon sehr auf Hygiene, auf Reinlichkeit. Desinfiziersprays waren in China schon lange vor Corona sehr verbreitet."

"Alltag anders" – wenn Sie einen Themenvorschlag haben, dann schicken Sie ihn gerne per E-Mail an alltag.anders@deutschlandfunkkultur.de.

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