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Alltag anders / Archiv | Beitrag vom 05.02.2021

Korrespondenten berichten überHeilpraktiker

Von Matthias Baxmann und Matthias Eckoldt

Blumen in einer Glasschale, die für alternative Heilmethoden angewendet werden. (imago images / agefotostock)
Alternative Heilmethoden: Wogegen hilft diese bunte Mischung? (imago images / agefotostock)

In Argentinien geht man nicht zum Arzt, sondern zum Schamanen. Singapurer schwören auf die traditionelle chinesische Medizin. Arabische Israelis setzen auf Kräuter. Die Franzosen lieben die Homöopathie. Und in Marokko gibt es Öle für jedes Problem.

Tim Aßmann aus Tel Aviv:

"In Israel haben alternative Heilmethoden absolut Konjunktur. Arabische Israelis setzen - das sind ungefähr 20 Prozent der Bevölkerung - eher auf traditionelles Heilen, auf Kräutermischungen zum Beispiel. Jüdische Israelis probieren es häufig mit alternativer Ernährung oder auch mit neuen Therapien, die ein bisschen auf Leib und Seele und auf die Verbindung zwischen beiden setzen. Das setzt sich jetzt auch bei den Krankenkassen in Israel durch, die großen drei, die es hier gibt, bezahlen das auch. Und ich kenne eine Krankenkasse, die betreibt in größeren Orten eigene Kliniken oder Spezialzentren für alternative Medizin."

Dunja Sadaqi aus Rabat:

"Wenn man in Marokko durch die Altstadt geht, dann kann man in kleinen Gassen Gewürzhändler sehen - so sehen sie zumindest auf den ersten Blick aus. Das sind sogenannte Hanouts, kleine Lädchen, und das sind oft Heilpraktiker. Dort kann man nämlich Wurzeln, getrocknete, tote Tiere und ganz viele Öle und Gewürze finden, und die sind dann gut gegen irgendein Zipperlein oder vielleicht auch, wenn man sich als Frau ein Kind wünscht, oder als Mann besonders potent sein will. Ich kaufe mir in Marokko keine heiligen Kräuter, aber was ich tatsächlich mache: Ich kaufe mir regelmäßig das marokkanische Arganöl, das aus Nüssen von einem bestimmten Baum besteht, und ich bilde mir wie ganz viele andere Marokkanerinnen ein, dass, wenn ich mir das regelmäßig ins Gesicht schmiere, ich nicht so viele Falten bekomme."

Lena Bodewein aus Singapur:

"Die traditionelle chinesische Medizin, TCM abgekürzt - die Singapurer lieben Abkürzungen - ist ganz weit verbreitet. Man geht hier auch gerne mal in eine chinesische Apotheke und lässt sich da geriebene Wurzeln oder eben die berühmten Schwalbennester oder leider oft auch irgendwelche getrockneten, geriebenen Tierschuppen zusammenstellen."

Ivo Marusczyk aus Buenos Aires:

"Den klassischen Heilpraktiker gibt es in Argentinien nicht. Was es aber generell in Südamerika gibt, sind natürlich Heiler, Schamanen, teilweise redet man auch von Hexen. Und wenn man irgendein Problem hat, es darf auch gerne mal ein psychologisches Problem sein, dann geht man nicht als erstes zum Arzt, sondern man geht zum Heiler. Da gibt es in manchen Städten in Südamerika richtige Hexenmärkte. Da verkaufen dann ältere, weise Frauen irgendwelche Pülverchen, und da ist natürlich auch dem Betrug Tür und Tor geöffnet."

Jürgen König aus Paris:

"Es gibt in Frankreich keine Heilpraktiker. Nach französischem Recht sind für jede Form von Heilung generell Ärztinnen und Ärzte vorgesehen und sonst niemand. Homöopathie ist in Frankreich außerordentlich beliebt, nach einer Studie nehmen rund 50 Prozent der Franzosen regelmäßig homöopathische Mittel zu sich. Die Homöopathie bekam in Frankreich aber immer wieder einen Dämpfer - als nämlich die nationale französische Gesundheitsbehörde in mehreren Untersuchungen feststellte, dass es aus wissenschaftlicher Sicht keinen Nachweis für die Wirksamkeit homöopathischer Arzneien gibt."

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