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Alltag anders | Beitrag vom 01.02.2019

Korrespondenten berichten über Eltern

Von Matthias Baxmann und Matthias Eckoldt

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Kinder laufen über eine aufgeweichte Straße im Slum von Mathare in Nairobi /Kenia (AFP / Georgina Goodwin)
Kenianische Eltern sind unheimlich streng. Kinder werden hier immer noch kräftig verhauen. (AFP / Georgina Goodwin)

Eltern in Großbritannien suchen nach Möglichkeit die beste Schule für ihr Kind. Erziehungsmuster in Russland sind oft noch von Hierarchie und Prügel geprägt. In Israel werden die Kinder einerseits verwöhnt andererseits zur Selbständigkeit erzogen.

Thielko Grieß in Moskau:

"In Russland ist Erziehung ganz sicher in der Mehrheit keine antiautoritäre Angelegenheit. Es gibt Erziehungsmuster, die in der Sowjetunion von Hierarchie geprägt worden sind, von Schlägen und Prügel. Es gibt das Bild des Gürtels, der auch geschwungen wird in Familien. Es gibt natürlich auch weltoffene Russen, die ihre Erziehung verändern, wo Kinder nicht geschlagen werden und im Mittelpunkt stehen."

Tim Aßmann in Tel Aviv:

"Israelische Eltern haben den Ruf, einerseits ihre Kinder stark zu verwöhnen, das ist auch sicherlich so, das bekommt man schon auch mit, sie andererseits aber auch sehr stark zur Selbständigkeit zu erziehen.

Schuldirektoren können häufig selber entscheiden, ob es an der Schule ein Handyverbot gibt oder nicht. Das gibt es jetzt auch an vielen Schulen. Die Folge ist, die Eltern beschweren sich, weil sie ihre Kinder nicht erreichen können. Das ist sicher so eine israelische Spezialität. Dadurch, dass es in Israel immer wieder Sicherheitsvorfälle gibt, haben israelische Eltern schon das Bedürfnis, immer wissen zu wollen, wo sind meine Kinder?"

Friedbert Meurer in London:

"Ich finde, dass die Eltern in Großbritannien etwas strenger sind als in Deutschland. Sie üben ziemlich viel Druck aus, dass die Kinder lernen sollen. Das ist hier ein Megathema, nach Möglichkeit die beste Schule zu finden. Wir haben hier gegenüber eine Topschule, dass wir da gar nicht beantragt haben einen Platz zu kriegen. Mir hat mal eine Mutter erzählt, sie wird ihr Kind da doch nicht mehr hinschicken, denn die Eltern seien so ehrgeizig dort, dass sie für ihre Kinder keine Playdates mehr arrangieren."

Linda Staude in Nairobi:

"Kenianische Eltern sind unheimlich streng. Kinder werden hier mehr oder weniger darauf gedrillt, gehorsam zu sein, und das führt auch leider dazu, dass immer noch kräftig verhauen wird. Da gibt es dann mal den Hintern voll oder es wird eine Backpfeife verteilt. Es gibt auch Eltern, die mit dem Rohrstock erziehen. Es gibt in Kenia den gesetzlichen Schutz, dass in Schulen nicht mehr verprügelt werden darf. Das wird auch in Städten wie Nairobi weitgehend eingehalten. Wo es nicht eingehalten wird, ist auf dem Land. Es führt auch oft dazu, dass die Eltern den Lehrern sagen, wenn die nicht spuren, dann verhaut sie, weil das einfach die Erziehungsmethode ist, die sie selber als Kinder gelernt haben."

Holger Senzel in Singapur:

"Singapur ist nicht ohne Grund vergangenes Jahr auf Platz eins der PISA-Studie gelandet, Also, es ist die Regel, dass die Kinder im Kindergarten zwei Sprachen lernen, nämlich in Schrift und Sprache. In der Schule steigert sich das dann noch. Die Kinder werden gedrillt, das muss man schon sagen. Das bedeutet auch, nach der Schule gehen viele Kinder noch in ein Lerncamp, das tun sie auch in den Ferien. Ich bin hier manchmal erstaunt, wenn ich im Pool schwimmen gehe und sehe, wie ein Schwimmlehrer einem Kind das Schwimmen beibringt. Wo ich manchmal denke, Junge, Junge, ihr seid doch nicht beim Militär! Der Ton ist zum Teil schon sehr rau. Die Eltern sagen, wir machen das doch alles nur, damit das Kind später mal zu den Besten gehört."

"Alltag anders" – wie immer zusammengestellt von Matthias Baxmann und Matthias Eckoldt. Und wenn Sie einen Themenvorschlag haben, dann schicken Sie ihn gern an diese Adresse Alltag.anders@deutschlandfunkkultur.de

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