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Alltag anders / Archiv | Beitrag vom 04.09.2020

Korrespondenten berichten überBabysitter

Matthias Baxmann und Matthias Eckoldt

Eine Comic-Babysitterin passt gleichzeitig auf drei Kinder auf, die sich alle an sie klammern. (picture alliance / PantherMedia)
Auf Kinder aufpassen: Kein Job ist anstrengender, keiner kann mehr Spaß machen. (picture alliance / PantherMedia)

Wenn die Argentinier abends essen gehen, nehmen sie ihre Kinder einfach mit. In der Türkei springt die Familie ein, in China ist die Babysitterin oft auch Haushälterin und Putzfrau. Und in Spanien sind Oma und Opa als Betreuungspersonal gefragt.

Ivo Marusczyk in Buenos Aires:

"Die besten und häufigsten Babysitter in Argentinien sind die Omas und Opas. In den besseren Teilen der Gesellschaft, da braucht man eigentlich keinen Babysitter, weil man ohnehin ein Kindermädchen hat. Mit hat eine gute Freundin in Argentinien erzählt, dass sie auf dem Spielplatz mit ihrem Kind immer Probleme hatte, Anschluss zu finden, weil dort überhaupt keine Mütter waren - die Kinder wurden immer vom Kindermädchen auf den Spielplatz gebracht. Wer nicht ganz so begütert ist: Da bleibt das dann eher in der Familie.

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Im Restaurant ist es so, dass die Argentinier kinderlieb sind und sich niemand wundert, wenn die Kinder noch bis spät in der Nacht dabei sind. Um essen zu gehen, brauche ich keinen Babysitter, da nehme ich das Kind einfach mit. Wobei der normale Argentinier erst so gegen 22 Uhr essen geht. Aber das wundert keinen. Dann sind die Kinder eben bis 23 Uhr oder bis Mitternacht noch mit dabei. Das ist völlig normal."

Lena Bodewein in Singapur:

"Die Singapurer kennen das, was wir oft haben - Teenies, die sich ein bisschen Taschengeld dazu verdienen, indem sie Babysitten - nicht. Man hat sowieso eine mate, also eine Helferin, die bei der Familie wohnt, die dann eben auch ganz automatisch als Babysitterin herhält. Es gibt schon sehr viele Kinder, die ein engeres Verhältnis zu der mate haben als zu ihren Eltern. Weil Singapur auch ganz schön tough ist, was Verdienst und Anspruch und Leistung angeht."

Oliver Neuroth in Madrid:

"In Spanien ist es absolut unüblich, einen externen Babysitter zu engagieren, denn hier kommt die Familie ins Spiel. Man sieht in Madrid im Straßenbild ältere Menschen – Omas, Opas - die dann mit den Kleinkindern unterwegs sind, den Tag mit ihnen schmeißen, sie betreuen. Das ist in Spanien ein völlig normales Bild."

Karin Senz in Istanbul:

"Die Türken haben immer noch eine große Familie und im Idealfall wohnen die auch nah beieinander. Das heißt: Babysitter sind erstmal Onkel, Tanten, Mutter, Vater, Cousinen, Neffen, wer auch immer. Wir müssen in der Türkei in die oberen Schichten gucken, wenn es um professionelle Babysitter geht. Die kommen dann auch oftmals aus dem Ausland. Beispielsweise Moldawien. Die passen dann aber nicht nur auf die Kinder auf, sondern helfen in der Regel auch im Haushalt mit. Auch von den Philippinen kommen Haushaltskräfte. Der ganz klassische Babysitter ist nicht unbedingt so verbreitet."

Axel Dorloff in Peking:

"In China ist vor allem der Beruf der Ai verbreitet. Ai heißt einfach Tante. Und das ist dann so ein Gemisch aus Babysitterin, Haushälterin und Putzfrau. Das sind dann oft Frauen aus ärmeren Provinzen, die vom Land kommen. Die sind dann zwischen 20 und 50 Jahre alt. Und wer viel verdient, hat gleich zwei Ais. Dann macht die eine den Haushalt und die andere die Kinder."

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