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Alltag anders | Beitrag vom 17.01.2020

Korrespondenten berichten über Alterspyramiden

Von Matthias Baxmann und Matthias Eckoldt

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Sonnenuntergan vor dem Hintergrund der Pyramiden von Gizeh und Kairos im Dezember 2018. (Getty Images / NurPhoto / Danil Shamkin)
In Ägypten stimmt die Bevölkerungspyramide noch. Das Thema Bevölkerungsentwicklung ist eines der Hauptthemen der ägyptischen Gesellschaft. (Getty Images / NurPhoto / Danil Shamkin)

In Ägypten stimmt die Alterspyramide noch. In Schweden dämpfen Flüchtlinge die Überalterung, und Singapur schafft Anreize für mehr Nachwuchs.

Lena Bodewein in Singapur:

"Die Alterspyramide von Singapur sieht aus wie eine sich nach unten verjüngende Flasche. Ein bisschen wie die alte Cola-Flasche, die oben so einen Busen hatte. Der Staat steckt viel Geld in Maßnahmen, dass die Leute Nachwuchs bekommen. Die sagen, wenn das wirklich weiterhin so abnimmt, müssen wir da Abhilfe schaffen. Sie zahlen sogar einen Großteil der Kosten bei künstlicher Befruchtung. Sie haben die Kuppelbörse, die Internet Dating Börse, um die Leute überhaupt erst zusammenzubringen. Es gibt jetzt auch Wohnprojekte, wo viele Kindergärten und Spielplätze direkt neben den Senioreneinrichtungen liegen, um das Modell des generationenübergeifenden Zusammenlebens noch ein bisschen zu bewerben. Es werden die Fühler in verschiedene Richtungen ausgestreckt, um das Kinderkriegen in Singapur wieder attraktiver zu machen." 

Carsten Schmiester in Stockholm:

"Die massive Aufnahme von überwiegend Flüchtlingen in den letzten Jahren hat sicherlich ein bisschen dazu beigetragen, dass diese Pyramide nicht ganz so dramatisch auf Überalterung hinsteuert. Schweden ist ein sehr familien- und damit auch kinderfreundliches Land. Eltern haben hier ideale Bedingungen. Lange Elternzeiten. Eine absolut tolerante Arbeitsumwelt, die das Schnell-mal-weg-müssen, weil das Kind gerade krank ist, komplett toleriert. Das sorgt dafür, dass die Geburtenrate leicht über der in Deutschland liegt. Natürlich gibt es das Problem, dass es sehr viele ältere Menschen gibt. Altenpflege ist hier anders als in Deutschland besser organisiert. Pfleger sind Akademiker. Das ist ein anerkannter, gut bezahlter Beruf."

Björn Blaschke in Kairo:

"In Ägypten ist es ganz klar so, dass die Bevölkerungspyramide noch stimmt. Das Thema Bevölkerungsentwicklung ist eines der Hauptthemen der Gesellschaft. Insofern, dass man beispielsweise eine Kampagne gestartet hat, die heißt: Zwei sind genug. Also, man soll nicht mehr als zwei Kinder haben. Es gibt jetzt ungefähr 100 Millionen Ägypter und jedes Jahr kommen derzeit mindestens zwei Millionen dazu. Und dem versucht man entgegenzuhalten, weil es einfach nicht möglich ist, in einem Land, das eine urbare Fläche hat von der Größe Niedersachsens, die Leute zu ernähren."  

Oliver Neuroth in Madrid:

"Die Alterspyramide ist in Spanien ähnlich verheerend wie in Deutschland. Die Spanier bekommen nicht besonders viele Kinder. Und es gibt eine Region im Norden Spaniens – Asturien heißt die – die hat jahrelang die Spitzenposition in Europa eingenommen, was die Kinderlosigkeit angeht. Da wohnen wirklich nur noch Omas und Opas. Die Schulen müssen schließen. Das Rentensystem in Spanien ist kurz vor dem Kollaps. Das hat eben auch was damit zu tun, dass es wenige Kinder gibt."  

Christina Fee Moebus in Mexiko:

"Ein Problem, wie wir es in Deutschland haben, kennt man in Mexiko so in der Form nicht. Das Durchschnittsalter steigt auch hier immer mehr. Aber der Altersmedian liegt bei knapp 30 Jahren und das ist relativ jung. In Mexiko haben wir zwar eine sehr stabile Alterspyramide, aber es gibt kein flächendeckendes sicheres Rentensystem. Die Menschen haben kaum in die Rentenversicherung eingezahlt."

"Alltag anders" – wenn Sie einen Themenvorschlag haben, dann schicken Sie ihn gerne an diese E-Mail-Adresse: alltag.anders@deutschlandfunkkultur.de

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