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Interview | Beitrag vom 30.06.2020

Kompetenznetzwerk AntisemitismusDem Hass entgegentreten

Désirée Galert im Gespräch mit Nicole Dittmer

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Ein Mann mit Kippa steht vor der Neuen Synagoge Berlin vor einer Menschenkette. (dpa / Paul Zinken)
Wie lässt sich Antisemitismus bekämpfen? Menschenkette des Bündnisses für ein weltoffenes und tolerantes Berlin. (dpa / Paul Zinken)

Wie lässt sich mit Schülern und Schülerinnen über Antisemitismus diskutieren, die seit früher Kindheit gehört haben, Israel sei ihr Feind? Eine Kreuzberger Initiative hat einen Weg gefunden. Sie ist Teil des neuen Kompetenznetzwerks Antisemitismus.

Seit Anfang des Jahres gibt es das Kompetenznetzwerk Antisemitismus (KOMPAS), das fünf Organisationen vereint und vom Bundesprogramm "Demokratie leben" gefördert wird. Das Kompetenznetzwerk soll verschiedene Kräfte bündeln, "um gegen Antisemitismus vorzugehen", erklärt Désirée Galert von der Kreuzberger Initiative gegen Antisemitismus, die ebenfalls Teil von KOMPAS ist.

Dabei hätten die jeweiligen Träger unterschiedliche Schwerpunkte. Während die einen beispielsweise Statistiken bereitstellen und Fälle dokumentieren, um zu verdeutlichen, wie dringlich das Problem sei, würden andere das Problem aus Betroffenenperspektive aufgreifen. Galerts Initiative wiederum entwickelt vor allem Bildungsmaterialien und setzt Projekte an Schulen um.

Von Ablehnung hin zu mehr Verständnis

"Themenschwerpunkte sind zum Beispiel der israelbezogene Antisemitismus und jetzt ganz aktuell in Coronazeiten die Verschwörungsideologien", sagt Galert. *

Dabei gehen die Mitarbeiter ihrer Initiative in Schulklassen, um mit den Schülerinnen und Schülern zu arbeiten und zu diskutieren. Kritische Medienkompetenz und Argumentationstraining seien auch zentrale Aspekte.

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Oft träfen die Mitarbeiter ihrer Initiative bei den Schülerinnen und Schülern in Berlin-Kreuzberg erst einmal auf Ablehnung. "Das hat aber auch Gründe. Oft ist es eine familiäre Verwobenheit in den 'Nahostkonflikt'. Die Eltern stammen aus Palästina, Israel, sind geprägt von Erzählungen aus der Familie, haben aber kein konkretes Wissen über den Konflikt selbst."

Nie weghören, nie nichts tun

Wichtig sei es daher, sich in Bezug auf die Schüler und Schülerinnen viel Zeit zu nehmen, um pauschale Schuldzuweisungen und stereotype Denkweisen aufzubrechen. "Weil: Da ist ganz viel Schmerz dabei, ganz viele eigene Diskriminierungserfahrungen, für die nie Platz ist, als dass man sie mal artikulieren könnte, weil Lehrerinnen und Lehrer da in der Regel überfordert sind."

Manchmal gelinge es der Initiative, Denkprozesse anzuregen und behutsam andere Perspektiven zu eröffnen, so schildert es Galert. Für alle, die antisemitische Äußerungen im Alltag oder an Schulen mitbekommen, hat sie noch einen Rat: "Nie weghören und nie nichts tun. Da schleifen sich Mechanismen ein, setzen sich fest."

(lkn)

* Wir haben an dieser Stelle das Zitat berichtigt.

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