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Konzert / Archiv | Beitrag vom 21.06.2019

Königliche Philharmoniker StockholmMesse der Liebe

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Der Dirigent Sakari Oramo (Dan Hansson/DSO Berlin)
Der Dirigent Sakari Oramo (Dan Hansson/DSO Berlin)

Sakari Oramo leitet die Stockholmer Philharmoniker in zwei seltenen Pretiosen des Repertoires: F.P. Zimmermannn ist Solist im 2. Violinkonzert von Bohuslav Martinů, außerdem gibt es die Messe in D von Ethel Smyth.

Ziemlich außergewöhnlich ist die Musik, die am vergangenen 9. Mai im Konzerthaus Stockholm zu hören war. Zu Unrecht selten gespielt wird das zweite Violinkonzert des tschechischen Komponisten Bohuslav Martinů. Der Geiger Frank-Peter Zimmermann schätzt es außerordentlich und hält es für genauso schön und aussagekräftig wie die zeitgleich entstandenen Violinkonzerte von Béla Bartók oder Sergej Prokofjew beispielsweise. Jetzt hat er es auch in der Schwedischen Hauptstadt interpretiert.

Der Geiger Frank Peter Zimmermann (Franz Hamm/RSB)Der Geiger Frank Peter Zimmermann (Franz Hamm/RSB)

Musik mit Exotenstatus

Die Königlichen Philharmoniker unter Leitung ihres Chefdirigenten Sakari Oramo spielen regelmäßig Musik mit Exotenstatus. Das trifft erst recht auf die D-Dur-Messe von Ethel Smyth zu. Mit vier Vokalsolisten und dem berühmten Eric-Ericson-Kammerchor standen den Philharmonikern und Sakari Oramo hervorragende Gäste zur Verfügung, um dieses spannende und kunstvolle Stück katholischer Kirchenmusik aufzuführen.

Katholische Liebesmesse

Die in den 1870er-Jahren in Leipzig ausgebildete englische Komponistin Ethel Smyth hat es zu Beginn ihrer schillernden Karriere ohne irgendwelchen liturgischen Hintersinn komponiert. Wahrscheinlich war ihr Hauptmotiv die Liebe zu einer katholischen Zeitgenossin. Aus künstlerischen Gründen hat sie das Gloria an den Schluss der Messe gesetzt. Viele Freunde und Weggefährten hielten die Messe für ihr bestes Stück, obgleich sie ihre großen Werke, vor allem einige Opern, erst später komponiert hat.

Bohuslav Martinů war einer der kreativsten und originellsten Komponisten des 20. Jahrhunderts. Nicht in allen Konzertprogrammen unserer Tage spiegelt sich das wieder. Auch wenn man sagen kann, dass sich schon einiges getan hat in Sachen Bekanntheit Martinůs, nicht nur durch die unermüdliche Arbeit von tschechischen Musikern und Dirigenten.

In der Nachfolge Beethovens

Während ihm die Anerkennung für sein Schaffen vor allem wegen eines angeblich fehlenden Avantgardismus versagt blieb, reichen die Gründe für die Ignoranz gegenüber der Musik von Ethel Smyth tiefer. Bis heute kämpfen vor allem Komponistinnen darum, den gleichen Rang als Schöpferinnen unbequemer und existentieller großer Werke zugebilligt zu bekommen wie ihre männlichen Kollegen. Mit dieser großen Messe knüpfte Ethel Smyth an die Missa solemnis von Beethoven an. Das zeugt von ihrem Selbstbewusstsein. Und ihrem Qualitätsanspruch.

Konzerthaus Stockholm
Aufzeichnung vom 9. Mai 2019

Bohuslav Martinů
Violinkonzert Nr. 2 g-Moll H. 293

Ethel Smyth
Messe D-Dur

Frank Peter Zimmermann, Violine
Paulina Pfeiffer, Sopran
Catriona Morison, Alt 
Michael Weinius, Tenor 
Tuomas Pursio, Bass 
Eric Ericson Kammerchor 
Königlich Philharmonisches Orchester Stockholm
Leitung: Sakari Oramo

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