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Eintrittsgebühr für Touristen im Kölner Dom – warum nicht?

04:22 Minuten
Blick auf den Kölner Dom am Rhein
Touristen müssen ab Juli 2026 für den Zugang zum Kölner Doms Eintritt bezahlen - außerhalb der Gottesdienste © picture alliance / Rainer Unkel
Von Arno Frank |
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Der Kölner Dom ist die meistbesuchte Sehenswürdigkeit Deutschlands und gehört zum Weltkulturerbe. Die geplante Eintrittsgebühr ist sinnvoll – denn sie fängt die Kosten für den Erhalt der Kathedrale auf.
Mit rund sechs Millionen Besuchern im Jahr ist der Kölner Dom die meistbesuchte Sehenswürdigkeit in Deutschlands. Er ist angeblich der Bestattungsort der Heiligen Drei Könige – und ein Millionengrab. Die Kosten für Personal, Bau oder Sanierungen belaufen sich auf mindestens zwölf Millionen pro Jahr beziehungsweise 30.000 Euro täglich, vergleichbar etwa mit einem schweren Privatjet oder einer Superyacht. Wobei die Kathedrale keinem dubiosen Oligarchen oder der katholischen Kirche gehört, sondern gewissermaßen sich selbst – oder, gefühlt, den Kölnerinnen und Kölnern.

Eintritt "beraubt der Kirche ihre Würde"?

Über den konkreten Betrag der sogenannten „Besichtigungsgebühr“ ist noch nichts bekannt. Immerhin soll der Eintritt nur die touristische Laufkundschaft betreffen und für Gottesdienstbesucher und Betende weiterhin frei sein.
Aber allein die Tatsache, dass für das gotische Gotteshaus weltliche Tickets verkauft werden sollen, hat bereits für heftige Kritik gesorgt. Nicht nur die ehemalige Dombaumeisterin hat sich mit der Befürchtung zu Wort gemeldet, ein solches Unterfangen würde die Kirche ihrer Würde berauben und in ein Museum verwandeln.
Sarkastisch könnte man dagegen nun einwenden, dass der Dom an manchen Tagen mit starkem Andrang ohnehin schon wirkt wie ein besonders prachtvoller, zufällig sakraler Erweiterungsbau der Empfangshalle des benachbarten Hauptbahnhofes. Über Generationen hinweg war nicht der 1248 begonnene Dom, sondern der Kran über einer verfallenden Baustelle das Wahrzeichen der Stadt. Erst die Preußen vollendeten das Projekt im 19. Jahrhundert, im Eilverfahren mit moderner Technik.

Kirchen sind auch kulturelle Orte

Nun ist es ja nicht so, dass der Kirche „die Bude eingerannt wird“. Nach neuesten Zahlen gehören nur noch 44 Prozent der deutschen Gesamtbevölkerung einer der beiden christlichen Kirchen an – ein neuer Minus-Rekord. In Deutschland gibt es rund 44.000 kirchliche Gebäude, von der stolzen Kathedrale über die Autobahnkirche bis zur bescheidenen Kapelle – und immer mehr davon sind in ihrer Existenz bedroht. Kirchen müssen keine spirituellen, sie könne auch kulturelle Orte sein. Als solche stehen viele davon zwar unter Denkmalschutz. Aber schon der Erhalt einer gewöhnlichen Dorfkirche ist mancherorts kaum noch zu stemmen.
Nicht Würde, sondern Leerstand ist das große Problem – und die Lösung oft eine sogenannte Umnutzung. Nicht selten ist, was früher mal geweihte Immobilie war, heute ein Restaurant, eine Kletterhalle, Jugendherberge, Kindertagesstätte, Konzerthalle – oder eben ein Museum. 2018 wurde in Hamburg erstmals eine Kirche zur Moschee umgewidmet. Für den Kölner Dom, dieses historische Meisterwerk gotischer Baukunst und damit des christlichen Abendlandes, kommen solche Sperenzchen natürlich nicht infrage.

Mehr als nur ein spektakuläres Instagram-Motiv

Er ist mit seiner Höhe von 157 Metern eindeutig „too big to fail“ – und mit durchschnittlich 30.000 Besucherinnen und Besuchern täglich überlaufen.
Was also spricht dagegen, wenn die zum Weltkulturerbe gehörende Kathedrale mithilfe von Eintrittsgeld ihre Finanzlage dauerhaft stabilisiert? Ihre ästhetische Funktion als „missionarisches Angebot“ bliebe davon sicher unangetastet. Es könnte, im Gegenteil, sogar das Selbstbewusstsein der Institution stärken. Der Dom wäre damit in erster Linie wieder ein Ort der Zwiesprache mit Gott – und nicht mehr primär ein spektakuläres Motiv für Instagram.

Symposien, Konzerte, Obdachlosen-Hilfe ermöglichen

Darüber hinaus könnten, wie es beim Stephansdom in Wien bereits geschieht, nach Deckung laufender Kosten mit den überschüssigen Mitteln zusätzliche Programme aufgelegt werden, die den Wert der Kathedrale weiter steigern – seien es Symposien, seien es Konzerte, seien es Almosen für die Obdachlosen, die bei Wind und Wetter die Domplatte rings um das Bauwerk bevölkern.
Das wäre dann sogar … wie sagt man? Ach ja: christlich.

Arno Frank, geboren 1971 in Kaiserslautern, arbeitet als freier Journalist vor allem für den "Spiegel". Als Schriftsteller hat er bisher drei Romane veröffentlicht, zuletzt "Ginsterberg" bei Klett-Cotta. Er lebt in Wiesbaden.

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