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Im Gespräch | Beitrag vom 19.11.2019

Koch David HönerEin gutes Rezept für den Frieden

Moderation: Katrin Heise

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Der Koch David Höner hat die Organisation "Cuisine sans frontières" gegründet (Casper Hedberg)
David Höner lebt seit 25 Jahren überwiegend in einer Landkommune in Ecuador. (Casper Hedberg)

Der gelernte Koch David Höner bringt Gaststätten an ungastliche Orte. Mit der von ihm gegründeten Organisation "Cuisine sans frontières" sorgt der Schweizer für kulinarische Treffpunkte in Krisengebieten: "Wir bitten zu Tisch, um Konflikte zu lösen."

Schon als Kind hat David Höner erfahren, dass der Esstisch ein guter Ort ist, um Probleme zu besprechen, denn "Essen ist immer auch mit Glück verbunden". Von dieser Erkenntnis bis zur Gründung seiner Organisation Cuisine sans frontières (zu deutsch "Küche ohne Grenzen") war es gedanklich ein kurzer, aber in David Höners Leben ein langer Weg.

"Wir bitten zu Tisch, um Gemeinschaft zu fördern und Konflikte zu lösen", beschreibt der gelernte Koch David Höner das Motto seiner NGO. Gemeinsam zu essen und trinken sei sozialer Kitt, und eine Gaststätte könne einen geschützen Raum bieten, in dem Menschen auf quasi neutralem Gebiet über ihren Ärger reden könnten.

Ein Tisch im Niemandsland zwischen Feinden

Seit etlichen Jahren reist Höner in Krisengebiete, um dort die Gründung von Gastronomie-Betrieben zu unterstützen. So etwa in Kenia im Niemandsland zwischen zwei verfeindeten ethnischen Gruppen. Das geht aber nur, wenn man den Menschen in der Region auf Augenhöhe begegnet:

"Ich gehe nicht hin und sage: 'Versöhnt euch mal', das ist ja völlig arrogant. Sondern hingehen und ein Essen machen und zusammensitzen und dann langsam nach und nach sich ein bisschen kennenlernen. Und dann kann man dann auf solche Themen zu sprechen kommen."

Wobei es nicht nur darum geht, Konflikte zu verhandeln, wie etwa die um Weideland in Kenia, sondern David Höner betreibt auch Entwicklungszusammenarbeit. Denn die Gaststätten, bei deren Aufbau er mit Expertise und Geld hilft, sind eine Einkommensquelle für die Einheimischen, die sie betreiben, schaffen Arbeitsplätze. So am Rio Napo im Amazonasgebiet, auf dem Cusine sans frontières ein Schulschiff betreibt. In einmonatigen Kursen lernen dort Indigene die Grundlagen der Gastronomie. Ziel ist, einen naturnahen Tourismus in der Gegend aufzubauen.

"Kochen ist Politik"

Mit Restaurants Konflikte beilegen und Entwicklung ermöglichen - ist das nicht etwas blauäugig? Mag schon sein, räumt David Höner ein, "aber auf der anderen Seite ist es genau diese Naivität, die es uns erlaubt, überhaupt in solche Regionen reinzugehen." Wobei er als Ausländer in einer sichereren Lage sei als die Einheimischen, denn er könne einfach weggehen, wenn es zu gefährlich wird:

"Deswegen kann ich den neutralen Gastgeber spielen. Deswegen habe ich diese Freiheit und auch innere Sicherheit, mich an einen Ort hinzustellen und zu sagen: 'Ich bin jetzt hier und möchte gerne meine Sicherheit mit euch teilen'." Das hat viel zu tun mit der politischen Lage in der jeweiligen Region, in der David Höner gerade kocht und darum nennt er sein gerade erschienenes Buch über seine Erfahrungen: "Kochen ist Politik".

Seit 25 Jahren lebt der gebürtige Schweizer David Höner überwiegend in Ecuador, in einer Landkommune mit indigenen Nachbarn. Auch hier spielt das gemeinsame Essen und Feiern eine große Rolle, dennoch: "Unterdessen sind wir immer noch die Fremden, aber gut gelitten". Essen verbindet, aber es ebnet nicht die Unterschiede ein. Und so ist das Lieblingsrezept des Kochs David Höner nach einem Vierteljahrhundert in Südamerika ziemlich bodenständig: Pflaumenkuchen.

(pag)

David Höner: Kochen ist Politik. Warum ich in den Dschungel gehen musste, um Rezepte für den Frieden zu finden
Westend Verlag, Frankfurt am Main 2019
256 Seiten, 24 Euro

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