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Interview | Beitrag vom 29.08.2019

Klimawandel und WaldschädenForstwissenschaftler fordert mehr Personal zur Rettung des Waldes

Jürgen Bauhaus im Gespräch mit Nicole Dittmer

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Abgestorbene Fichten stehen im Wald nahe der Altenhöfe im Taunus. Durch die Dürre in diesem und dem vergangenen Sommer sowie den Borkenkäferbefall sind viele Fichten in Deutschland abgestorben.  (picture alliance / Jan Eifert)
Wald in Hessen: Schäden aufgrund von Trockenheit und Hitze. (picture alliance / Jan Eifert)

Der Zustand des Waldes in Deutschland ist dramatisch: Das bestätigt Jürgen Bauhus. "Wir müssen mit Überraschungen rechnen, die wir uns noch gar nicht vorstellen können", sagt der Forstwissenschaftler über die weitere Entwicklung der Situation.

Laubbäume, die bereits im Sommer gelb sind. Buchen, die vertrocknen, und Borkenkäfer, die immer mehr Schäden anrichten. Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner hat nun betont, dass sich im Wald "eine Zäsur" zeige.

Die Situation sei dramatisch, sagt der Forstwissenschaftler Jürgen Bauhus im Deutschlandfunk Kultur. Man sehe Schäden in den Wäldern, wie man sie lange nicht oder noch nie gesehen habe: "Das Ausmaß ist enorm." Die gravierendsten Schäden sehe man in den Nadelholz dominierten Beständen.

Es sei zudem sehr besorgniserregend, das auch Laubbaumarten schwer betroffen seien, bei Buchen oder Eichen träten inzwischen erhebliche Schäden auf. Baumarten also, von denen wir bisher geglaubt haben, dass sie eigentlich relativ resistent gegenüber dem Klimawandel sind, zeigen nun doch auch deutliche Schäden, sagt der Professor für Waldbau an der Universität Freiburg.

Trockenheit und Hitze als Ursachen

Schuld an der Entwicklung sei vor allem die Trockenheit des vorherigen und des diesjährigen Sommers und die Hitze. Beides zusammen habe zudem die Anfälligkeit der Bäume erhöht: Sie seien anfällig gegen Insekten, etwa den Borkenkäfer, aber auch gegen Pilzerreger, erklärt der Forstwissenschaftler.

Was könnten also Auswege für die Zukunft sein, wie kann der Wald im Klimawandel bestehen? Einerseits, so Bauhus, müsse man Wälder umbauen, denn nicht allen Baumarten könne man zutrauen, mit den zukünftigen Bedingungen fertigzuwerden.

In Zukunft brauche man gemischte Wälder: "Wir müssen mit Überraschungen rechnen, die wir uns noch gar nicht vorstellen können." Man müsse das Risiko streuen, indem man verschiedene Baumarten anbaue. Zudem gebe es keine Standardlösung, die überall funktioniere. Die Auswahl müsse standortspezifisch geschehen.

Mehr Personal im Forst nötig

In den vergangenen drei Jahrzehnten sei das Personal im Forst immer weiter reduziert worden, sagt Bauhus: "Bis zu einem Niveau, das mit solchen Extremsituationen, wie wir sie jetzt erleben, nicht mehr fertigwerden kann." Er fordert: "Wir brauchen dringend wieder mehr Leute auf der Fläche, um die Sachen, die notwendig sind, auch umzusetzen." 

(mfu)

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