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Wortwechsel | Beitrag vom 25.09.2020

KlimawandelKatastrophe in Zeitlupe

Moderation: Monika van Bebber

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Waldbrände wüten in den Bergen von Santa Cruz (imago images / ZUMA Wire / Neal Waters)
Die Waldbrände in Kalifornien sind auch auf den Klimawandel zurückzuführen. (imago images / ZUMA Wire / Neal Waters)

Die verheerenden Waldbrände an der Westküste der USA zeigen: Der Klimawandel geht weiter, mit katastrophalen Folgen. Die Weltgemeinschaft muss dringend handeln – oder hat der Kampf gegen die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise erst mal Vorrang?

Nun demonstrieren sie wieder. Für diesen Freitag hat die Klimabewegung "Fridays for Future" zum weltweiten Klimastreik aufgerufen – dem ersten seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie. Denn trotz Lockdowns und Wirtschaftsabschwung: Die Erde erwärmt sich immer weiter, langsam, aber sicher.

Und die Folgen sind allenthalben sichtbar: Die desaströsen Waldbrände im Westen der USA gehen nach Ansicht der Wissenschaft wesentlich auf den Klimawandel zurück – auch wenn US-Präsident Trump das nicht wahrhaben will.

In Sibirien wurden in diesem Sommer subtropische Temperaturen gemessen. An den Polen schmilzt das Eis. Die Liste der Alarmsignale wird immer länger. Eine Katastrophe in Zeitlupe, wie ein Klimaforscher einmal gesagt hat.

Zweifler und Beschleuniger

Die Politik reagiert darauf unterschiedlich. Während man im Weißen Haus immer noch bezweifelt, dass der Klimawandel menschengemacht sei, sollen im von Dürre und Feuern gebeutelten Kalifornien ab 2035 keine neuen Autos mit Verbrennungsmotor mehr zugelassen werden.

EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen möchte die europäischen Klimaziele deutlich verschärfen. China will bis 2060 klimaneutral werden. Und die Bundesregierung hat gerade angekündigt, den Ausbau der Ökostrom-Erzeugung zu beschleunigen.

Die Folgen von Corona

Was von diesen und weiteren Plänen zum Klimaschutz tatsächlich umgesetzt wird, ist aber eine andere Frage. Zumal die Wirtschaft derzeit massiv unter den Folgen der Corona-Pandemie leidet, Hilfsprogramme gegen die Virus-Krise die Staatshaushalte belasten.

Und viele Menschen haben angesichts von Covid-19 momentan drängendere Probleme als die Höhe des Meeresspiegels in 30 Jahren.

Wie weit ist der Klimawandel vorangeschritten, was ist schon unumkehrbar, was ließe sich noch abwenden? Welche Maßnahmen sind vordringlich beim Klimaschutz, und wie steht es mit der politischen Durchsetzbarkeit?

Gerät der Kampf gegen die Erderwärmung angesichts der coronabedingten Wirtschaftskrise ins Hintertreffen – oder bieten sich gerade jetzt Chancen für einen Umbau der Wirtschaft hin zu mehr Nachhaltigkeit? Eine politische wie eine ökonomische Frage, meint die Umweltökonomin Karen Pittel: "Das funktioniert über Werte, aber auch über Preissignale", so etwa durch die CO2-Bepreisung.

Auch eine Frage der Psychologie

Und sind wir Menschen von unserer psychischen Disposition her in der Lage, angemessen auf eine Katastrophe zu reagieren, die sich über Jahrzehnte hinweg entfaltet, quasi in Zeitlupe? "Die Schwierigkeit ist zu kommunizieren: Ja, wir befinden uns auf einem Weg, der gefährlich ist, aber es ist noch nicht alle Hoffnung verloren", sagt der Umwelt-Psychologe Gerhard Reese.

Dem Klimaforscher Stefan Rahmstorf macht "Fridays for Future" Mut, die Bewegung erinnert ihn an etwas, das er in seinem Fach als Naturwissenschaftler untersucht - Kipppunkte: "Vielleicht nähern wir uns diesem Kipppunkt in der gesellschaftlichen Debatte, wo wir tatsächlich ernsthaften Klimaschutz betreiben können."

Es diskutieren:
Prof. Stefan Rahmstorf , Klimaforscher, Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung
Prof. Karen Pittel, Umweltökonomin, ifo Zentrum für Energie, Klima und Ressourcen
Prof. Gerhard Reese, Psychologe, Universität Koblenz-Landau

(pag)

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