Klimakrise

    Keine Angst vor der Angst

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    Das Foto zeigt ein abgebranntes Haus und weitere Feuerschäden nach den verheerenden Waldbränden in Griechenland.
    Feuerschäden nach den verheerenden Waldbränden in Griechenland: Der Klimawandel produziert verstörende Bilder © picture alliance / dpa / Eurokinissi | Tatiana Bolari
    Katharina von Bronswjik im Gespräch mit Dieter Kassel · 13.08.2021
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    Die Klima-Angst geht um. Die Psychologin Katharina von Bronswjik rät dazu, sich nicht lähmen zu lassen und die Furcht vor der ungewissen Zukunft in politisches Handeln umzusetzen.
    Hitzerekord auf Sizilien: 48,8 Grad. Verheerende Waldbrände in Griechenland. Wissenschaftler warnen: Die Erderwärmung schreitet schneller voran als erwartet, die international gesteckten Ziele sind kaum noch zu erreichen.
    Kein Wunder, dass manche Menschen inzwischen den Kopf hängen lassen. Ein neuer Begriff schiebt sich langsam, aber sicher in die Debatte rund um die Zukunft der Erde: Klima-Angst. In ihm schwingt mit, dass alle Anstrengungen vergeblich sind.
    Die Psychologin Katharina von Bronswjik plädiert dafür, diese Angst anzunehmen – sich aber nicht von ihr lähmen zu lassen. Angst sei alltäglich und dazu da, den Menschen vor Gefahren zu warnen, betont sie. Wichtig sei aber, dort nicht stehen zu bleiben. Man müsse stattdessen schauen: "Wie kann ich das jetzt in Handlung umsetzen?"

    Klimawandel als kollektives Problem

    In der Debatte um den Klimawandel werde das kollektive Problem oft auf das Individuum runtergebrochen, kritisiert von Bronswjik. Es werde so getan, "als ob es ein Anpassungsproblem der einzelnen Person wäre. Dabei haben wir aber ein gesamtgesellschaftliches Problem, was wir auch gesamtgesellschaftlich lösen müssen."
    Mit einer Verhaltensänderung Einzelner lasse sich der Klimawandel nicht stoppen, sagt die Sprecherin der Organisation "Psychologists for Future". Veränderungen auf der individuellen Ebene reichten nicht aus: "Das zeigt uns dieses Ohnmachtsgefühl. Es sagt: Es reicht nicht, wenn ich auf dieses Schnitzel verzichte, davon wird die Welt auch nicht gerettet."
    Individuell CO2 einzusparen sei zwar auch wichtig, aber nicht entscheidend. Es brauche stattdessen einen systemischen Wandel. Hier könne man sich überlegen: "Welche Andockpunkte habe ich eigentlich an dieses System?" Man könne beispielsweise Leserbriefe schreiben, auf Demonstrationen gehen, mit Politikern sprechen oder entsprechend wählen gehen, rät die Psychologin.

    "Eine gefühlte Mammutaufgabe"

    "Natürlich ist das anstrengend. Es ist eine gefühlte Mammutaufgabe, gegen das System anzuarbeiten", sagt von Bronswjik. Es gebe aber keine Alternative: "Wir müssen schauen, dass wir die entsprechenden Gesetze bekommen." Es liege auch ganz viel Kraft in der Erkenntnis, dass das Volk in einer Demokratie der Souverän sei.
    Mehrere Tausend Umwelt-Aktivisten wollen heute in Frankfurt am Main erneut für mehr Klimagerechtigkeit auf die Straße gehen. Sie richten die Aufmerksamkeit dieses Mal auf den Finanzsektor, der nach Einschätzung von "Fridays for Future" durch Investitionen in fossile Energieträger wie Kohle und Öl mitverantwortlich für die Klimakrise ist.
    (ahe)
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