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Interview / Archiv | Beitrag vom 18.11.2020

Klimadrama "Ökozid" im ErstenDeutschland auf der Anklagebank

Andres Veiel im Gespräch mit Ute Welty

Die Schauspieler Nina Kunzendorf, Friederike Becht, Ulrich Tukur und Edgar Selge in Andres Veiels Gerichtsdrama "Ökozid". (rbb / zero one film / Julia Terjung)
Die deutsche Klimapolitik auf dem Prüfstand: Nina Kunzendorf, Friederike Becht, Ulrich Tukur und Edgar Selge in Andres Veiels Gerichtsdrama "Ökozid". (rbb / zero one film / Julia Terjung)

Verschleppen und verschleiern: Der Regisseur Andres Veiel beklagt die systemischen Versäumnisse deutscher Klimapolitik. Um sie dreht sich sein neuer Film "Ökozid", in dem Deutschland von 31 Staaten des globalen Südens auf Schadenersatz verklagt wird.

Die Welt im Jahr 2034. 31 Staaten des Südens verklagen die Bundesrepublik vor dem Internationalen Gerichtshof. Sie leiden unter den Folgen des Klimawandels und fordern von Deutschland Schadenersatz. Dieser fiktive Prozess ist Gegenstand des Spielfilms "Ökozid" von Regisseur Andres Veiel, der am Mittwochabend um 20.15 Uhr im Ersten ausgestrahlt und anschließend in der Sendung "Maischberger" diskutiert wird. Vorab ist der Film bereits in der ARD-Mediathek zu sehen.

Deutschland beim CO2-Ausstoß auf Platz sechs

Dafür, dass im Film gerade Deutschland verklagt wird, sieht Veiel gute Gründe. Zum einen die enormen CO2-Emissionen: "Was den CO2-Ausstoß pro Kopf angeht, ist Deutschland mit 9,1 Tonnen pro Person und Jahr immer noch auf Platz sechs weltweit, also noch vor China", betont er. 

Zum anderen, so Veiel, seien da auch die "systemischen Versäumnisse" der Bundesrepublik im Kampf gegen den Klimawandel, die ihn bei seiner Recherche schockiert hätten.

"Nicht jener Staatssekretär, dieser Wirtschaftsminister, jener Kanzler, jene Kanzlerin" sei schuld, betont der Regisseur: "Über die 22 Jahre, die wir uns genauer angeschaut haben – 1998 bis 2020 – mussten wir feststellen: Immer wieder sind Klimavorschläge der EU-Kommission torpediert, ausgehebelt, relativiert, abgeschwächt worden."

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Welche Rücksichtnahmen, Gefälligkeiten und Kompromisse dafür verantwortlich waren, lasse sich im Fiktionalen, im Gerichtsdrama, sehr gut zeigen, so Veiel.

Aus der Fiktion könnte schon in nicht allzu ferner Zukunft Realität werden, glaubt der Filmemacher:

"Wir haben das Szenario ins Jahr 2034 gelegt, haben aber inzwischen gemerkt, wie sehr sich das einem realen Szenario nicht nur annähert, sondern es beinahe schon erreicht", sagt Veiel. "Gerade jetzt haben ja zwei Minister von Guatemala und Honduras gefordert, die Industrieländer aufgrund der großen Schäden durch einen Taifun zur Verantwortung zu ziehen."

(uko)

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