Seit 18:30 Uhr Weltzeit
Dienstag, 13.04.2021
 
Seit 18:30 Uhr Weltzeit

Lesart | Beitrag vom 09.12.2020

Kleine Buchläden gegen AmazonKunden wieder zu Lesern machen

Von Nathalie Klinger

Beitrag hören Podcast abonnieren
Eine Frau schaut in das Schaufenster eines Buchladens in Großbritannien. (picture alliance / imageBROKER | Bernd Tschakert)
Bookshop.org will kleine Buchhandlungen unterstützen. (picture alliance / imageBROKER | Bernd Tschakert)

Amazon beherrscht den Buchmarkt, zu Lasten der kleinen Buchhandlungen. Denen will jetzt ausgerechnet eine Online-Plattform in England helfen. Die Läden erhalten dort virtuelle Schaufenster und 30 Prozent Beteiligung. Das könnte ihr Überleben sichern.

Sam Fisher ist mutig. 2016, als die Zahl der unabhängigen Buchhandlungen in Großbritannien auf ein Rekordtief gefallen war, eröffnete er mit einem Kollegen Burley Fisher Books.

Seit der Pandemie, in der viele aufs Online-Shopping umgestiegen sind, wirkt die Entscheidung noch mutiger. Denn auch wenn insgesamt weiter viele Bücher gekauft werden, entfallen die meisten Verkäufe auf Amazon, das seinen Profit im dritten Quartal verdreifacht hat. Deshalb ist Sam Fisher froh, mit der Seite Bookshop.org auch eine zusätzliche digitale Ladenzeile zu besitzen:

"Ich kannte das Konzept aus den USA und hatte mich immer gefragt, warum es das hier nicht gibt. Dieses Jahr hat uns einmal mehr gezeigt, wie wichtig es ist, Amazons Monopol einen unabhängigen Konkurrenten entgegenzusetzen."

Virtuelle Schaufenster, echte Bücher

350 kleine britische Buchhandlungen wie die von Sam Fisher haben auf Bookshop.org einen Auftritt. Wenn ein Kunde über ihr virtuelles Schaufenster ein Buch kauft, wird das direkt an ihn verschickt – und der Laden bekommt 30% der Einnahmen.

Abonnieren Sie unseren Kulturnewsletter Weekender. Die wichtigsten Kulturdebatten und Empfehlungen der Woche. Ab jetzt immer freitags per Mail. (@ Deutschlandradio)

Verkaufen die Buchhandlungen über ihre eigenen Webseiten, ist die Gewinnmarge zwar größer. Weil Bookshop aber alle weiteren Kosten von Transaktionsgebühren bis zum Versand übernimmt, sei das für die Teilnehmer trotzdem ein guter Deal, meint zumindest Nicole Vanderbilt, Geschäftsführerin von Bookshop in Großbritannien: "Einige Buchhandlungen konnten damit ihre Miete zahlen, andere ihren Mitarbeitern einen Weihnachtsbonus."

Auf Algorithmen verzichtet Bookshop, für Buchempfehlungen setzen die Macherinnen und Macher auf kuratierte Inhalte von Kennern.

Weil alles über einen Großhandelspartner abgewickelt wird, haben die Läden außerdem Zugriff auf einen weitreichenden Katalog. Damit können sie die Kunden abfangen, die vorher wegen mangelnder Verfügbarkeit zu Amazon gewechselt waren. Meist ist ein Buch auch für den Kunden günstiger, als wenn es über die eigene Seite des Ladens kaufen würde.

Mehr in gute Literatur investieren

Bei Burley Fisher Books kostet das Buch des Jahres auf Bookshop rund 80 Cent weniger als auf der Burley Fisher-Website selbst. Wenn Kunden Sam Fisher fragen, wo sie bestellen sollen, bittet er sie trotzdem, über die Burley Fisher-Seite zu gehen: "Indem sie mir eine Mail schreiben, signalisieren sie mir ja schon, dass sie gern etwas mehr Arbeit und Geld reinstecken."

Die Pandemie hat die Diskussionen darüber, wie die Innenstädte der Zukunft aussehen werden, einmal mehr angefacht. Vielleicht werden auch Buchläden irgendwann nur noch online existieren. Vanderbilt macht klar, dass das nicht das Ziel von Bookshop sei:

"Unabhängige Buchläden sind toll und wichtig. Wir wollen ihnen einfach ein Stück von dem Markt zurückgeben, der ohnehin existiert – für den Moment, wenn man Sonntag, 23 Uhr im Schlafanzug auf dem Sofa sitzt und ein Buch kaufen will."

Nicht nur Kunde, sondern Leserin und Leser

Sam Fisher hofft, dass Bookshop dank der geballten Marketing-Wirkung dennoch auch ein paar mehr Menschen zurück in den Laden bringen wird: "Da kulturelle Räume unterfinanziert sind und immer mehr Bibliotheken schließen, werden Buchhandlungen diese Orte mehr und mehr ersetzen müssen. Es wird von uns erwartet, Events und auch Ausstellungen zu veranstalten. Das wird für das langfristige Überleben der Buchhandlungen von entscheidender Bedeutung sein. Amazon macht Leser zu Kunden, und wir wollen Kunden wieder zu Lesern machen, die Teil dieser literarischen Gemeinschaft sind."

App: Dlf Audiothek

Die neue Dlf Audiothek App ist ab sofort in den Appstores von Apple und Google zum kostenlosen Download erhältlich (Deutschlandradio)

Entdecken Sie mit der Dlf Audiothek die Vielfalt unserer drei Programme, abonnieren Sie Ihre Lieblingssendungen, wählen Sie aus Themenkanälen und machen daraus Ihr eigenes Radioprogramm.


Jetzt kostenlos herunterladen

Lesart

Preis der Leipziger BuchmesseDas ist die Shortlist
Fünfzehn verschiedene Cover sind auf einem hellorange farbenem Hintergrund aufgereiht (Verlag Walther König, Literaturverlag Droschl, Suhrkamp Verlag, Die Andere Bibliothek, Guggolz Verlag, dtv, Secession-Verlag, Rowohlt Verlag, Kiepenheuer & Witsch, S. Fischer Verlag, Deutsche Verlags-Anstalt, Matthes & Seitz Berlin, Verlag Antje Kunstmann)

Die Jury hat entschieden, welche 15 Titel ins Rennen um den Preis der Leipziger Buchmesse gehen. Bis Ende Mai steigt die Spannung. Dann werden die Gewinner in den drei Kategorien Belletristik, Sachbuch und Übersetzung gekürt.Mehr

weitere Beiträge

Buchkritik

Patrice Nganang: "Spur der Krabbe"Das Schweigen brechen
Auf orangefarbenem Pastelluntergrund ist das Cover des Buches "Spur der Krabbe" zu sehen.  (Deutschlandradio / Peter Hammer Verlag)

Ein ehemaliger Untergrundkämpfer erzählt von der Zeit nach der Unabhängigkeit Kameruns. Damals gab es einen Genozid an den Bamileke, der bis heute kaum bekannt ist. Es ist der letzte Band einer Trilogie über das Heimatland des Autors Patrice Nganang.Mehr

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur