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Buchkritik | Beitrag vom 15.07.2020

Klaus Hackländer: "Er ist da. Der Wolf kehrt zurück" Schwierige Nachbarschaft von Mensch und Tier

Von Michael Lange

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Klaus Hackländer: "Er ist da. Der Wolf kehrt zurück" (Ecowin / Deutschlandradio Kultur)
Klaus Hackländer: „Er ist da. Der Wolf kehrt zurück“ (Ecowin / Deutschlandradio Kultur)

Über Wölfe gibt es zahlreiche Bücher, seitdem immer mehr Rudel in Deutschland wieder heimisch werden. Oft schlagen die Emotionen hoch. Der Wildtierbiologe und Jagdexperte Klaus Hackländer versucht einen sachlichen Überblick zu geben.

Vor über 150 Jahren haben die Mitteleuropäer den Wolf ausgerottet. Jetzt kommt er zurück und sorgt vielerorts für aufgeregte Debatten. Naturschützer und Bauern, Freunde und Feinde des Wolfs stehen sich unversöhnlich gegenüber.

Fakten widerlegen den Mythos von der wilden Bestie

Der Wildtierbiologe und Jagdexperte Klaus Hackländer will mit seinem Buch die Diskussion versachlichen. In einfachen, kurzen Sätzen beantwortet er 40 Fragen rund um das Thema Wolf. Plakative Zitate und Kernaussagen in großen Buchstaben, sowie großformatige Fotografien und leicht verständliche Grafiken machen das Buch leicht lesbar, auch für Interessierte, die seltener dicke Bücher lesen.

Ohne Stellung zu beziehen, reiht Klaus Hackländer Zahlen und Fakten aneinander. Kurz und knapp räumt er auf mit zahlreichen Mythen, die den Wolf als menschenfressende Bestie erscheinen lassen. In vielen europäischen Überlieferungen verkörpert der Wolf das überall lauernde Böse. In Wirklichkeit sind Wölfe jedoch nur in Ausnahmefällen für Menschen gefährlich, meist wenn die Tiere mit Tollwut infiziert sind. Wanderer oder Bauern, die sich richtig verhalten, brauchen sich vor Wölfen also nicht zu fürchten.

Rückkehr des Wolfs sorgt für Ärger und Kosten

Von der Angst, aber auch von der Faszination Wolf, wie sie andere Bücher beschreiben, lässt sich Hackländer nicht anstecken. Den Rückkehrer freudig zu begrüßen, kommt für ihn nicht in Frage. Er zählt stattdessen viele Gründe auf, warum der Wolf bei der Landbevölkerung keinen guten Ruf genießt.

Die Hauptbeute der Wölfe sind zwar Rehe und Rotwild, gelegentlich Wildschweine. Aber auch Nutztiere wie Schafe, Ziegen und kleinere Rinder werden immer wieder von Wölfen gerissen – vor allem dann, wenn sei leicht zu erbeuten sind. Wenn Wölfe in eine zuvor wolfsfreie Region einwandern, bedeutet das für Landwirte und Schäfer viel Arbeitsaufwand, Ärger und zusätzliche Kosten.

Insbesondere die bei Touristen beliebte Almwirtschaft in den Bergen ist in ihrer klassischen Form nicht mehr möglich, wenn Wölfe in der Nähe sind. "Kommt der Wolf, geht der Bauer, wächst der Wald." So fasst Hackländer die Rückkehr der Wölfe in die Alpen zusammen.

Verzwickte Lage wird verständlich

Als bestes Mittel zum Schutz der Nutztiere vor Wölfen bezeichnet er hohe Elektrozäune und Schutzhunde, die allein durch ihre Größe Wölfe von den Herden fernhalten. Durch diese Maßnahmen lasse sich die Zahl der Wolfsrisse um 90 Prozent senken. Auf jeden Fall verursachen Wölfe jede Menge Kosten für die Bauern und den Staat, entweder für Ausgleichszahlungen oder für Schutzmaßnahmen.

Klaus Hackländer schafft mit seiner Faktensammlung Verständnis für die Bedürfnisse der Wildtiere, aber auch für die berechtigten Interessen der Bauern und der Landbevölkerung. Durch die Lektüre des Buches wird die verzwickte Lage verständlich. Eine einfache Lösung kann Klaus Hackländer allerdings nicht präsentieren. Das Zusammenleben von Menschen und Wölfen wird auch zukünftig nicht problemlos ablaufen.

Klaus Hackländer: "Er ist da. Der Wolf kehrt zurück"
Ecowin Verlag, Salzburg 2020
224 Seiten, 24 Euro

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