Personalmangel in Kitas

"Die gesellschaftliche Anerkennung fehlt komplett"

08:28 Minuten
Zwei Frauen schieben kleine Kinder in einem großen und einem kleinen Kinderwagen.
Es gibt zu wenige Erzieherinnen und Erzieher in Deutschland. Nach der Ausbildung gehen viele außerdem nicht an Kitas, sondern an Schulen. © imago / Sven Simon
Birgit Weber-Witt im Gespräch mit Dieter Kassel · 20.07.2022
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Immer mehr Kinder kommen in Kitas. Doch es fehlt an Personal. Auch die Pädagogin Birgit Weber-Witt sucht für ihre Kitas händeringend Fachkräfte. Sie beklagt mangelnde Wertschätzung für den Erzieherberuf – der wichtig und "wunderschön" sei.
In Deutschlands Kitas gibt es nicht genügend Erzieherinnen und Erzieher, um der wachsenden Zahl von Kindern gerecht zu werden. Allein 2021 kamen gut 48.000 Mädchen und Jungen mehr in Kindergärten als im Vorjahr, so das Bundesfamilienministerium.
Das Problem dürfte sich noch verschärfen: In der frühen Bildung könnten bis 2025 bis zu 72.500 Fachkräfte fehlen. Das prognostiziert der aktuelle Nationale Bildungsbericht.

Reduzierte Betreuungszeiten oder Schließungen

Die Suche nach Personal bestimmt auch den Arbeitsalltag von Birgit Weber-Witt. Sie ist die pädagogische Gesamtleiterin des Familienbündnisses Hanseatenkids, das sieben Kitas für knapp 300 Kinder in Bremen betreibt. Im Spätherbst will das Bündnis einen neuen Kindergarten mit sechs Gruppen eröffnen. Doch erst für zwei gebe es das Personal.
In anderen Einrichtungen sehe es ähnlich aus. Man behelfe sich mit Spring- und Zeitarbeitskräften. Doch teilweise müssten Betreuungszeiten reduziert werden oder Kitas mitunter auch schließen. Das habe erhebliche Folgen für Eltern, die auf immer weniger Verständnis bei ihren Arbeitgebern stießen.

Nicht genügend Ausbildungsplätze

Vor fünf Jahren habe es einen "enormen Ausbau" von Kitaplätzen gegeben, sagt Weber-Witt. Aber nur "in Beton". Es sei vernachlässigt worden, auch Ausbildungsplätze zu schaffen. Dazu komme, dass der Erzieherberuf zwar aufgewertet wurde. Doch das sei noch nicht überall angekommen: "Die gesellschaftliche Anerkennung fehlt komplett für diesen Beruf."
Dabei sei die Arbeit als Erzieherin nicht nur wichtig, sondern auch vielfältig. Man könne viel gestalten, vor allem in den Bereichen Sport, Musik und Kunst. Das könne kein Bürojob bieten. Und es sei "einfach wunderschön", jeden Morgen mit einem Kinderlachen begrüßt zu werden und die Entwicklung von Kindern zu beobachten, sagt Weber-Witt.
(bth)

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