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Fazit | Beitrag vom 13.07.2018

Kirsten Boie zum Tod von Christine Nöstlinger Über eine Frau, die Kinderbücher auch für Erwachsene schrieb

Kirsten Boie im Gespräch mit Elena Gorgis

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Eine Mutter und ihr Sohn lesen glücklich lachend gemeinsam ein Kinderbuch. (imago/Westend61)
Dass Nöstlingers Bücher irgendwann einmal aus Mode kommen werden, glaubt Kirsten Boie - selbst Kinderbuch-Autorin - aber nicht. (imago/Westend61)

Kirsten Boie ist selbst bekannte Kinderbuch-Autorin. Ihr Werk sei stark von Christine Nöstlinger geprägt, sagt sie - auch wenn sie einen etwas holprigen Start miteinander hatten. Voller Respekt schaut sie im Interview auf Nöstlingers Lebenswerk zurück.

Sie sei erschüttert gewesen, erzählt Kirsten Boie über den Moment, an dem sie erfahren hatte, dass ihre Kollegin und Kinderbuchautorin Christine Nöstlinger verstorben ist. "Sie war für die Kinderliteratur insgesamt, aber auch für mich selbst eine sehr wichtige Person", meint sie. Sie habe ihre Stimme schon in den letzten Jahren, als es stiller um sie geworden war, sehr vermisst. 

Die Kinder- und Jugendbuchautorin Kirsten Boie bei einer Lesung im Jahr 2012 in der Stadtteilschule Wilhelmsburg in Hamburg (dpa / picture alliance / Christian Charisius)Sehr beeindruckt von Christine Nöstlinger: Die Kinder- und Jugendbuchautorin Kirsten Boie. (dpa / picture alliance / Christian Charisius)

Sie habe sie auf einer Buchmesse das erste Mal getroffen, sagt Kirsten Boie, und habe ihr gesagt, dass sie es großartig fände, sie kennenzulernen - immerhin habe sie ihren "Gurkenkönig" in der Schule gelesen. Boie hatte damals als Lehrerin gearbeitet und das Buch mit ihren Schülerin durchgenommen. Nöstlinger habe etwas traurig reagiert mit den Worten: "Daran merkt man mal wieder, wie alt man ist" - wohl in der Annahme, Boie spreche von ihrer eigenen Schulzeit. Ein etwas holpriger Start, wie Boie rückblickend sagt. 

Gewichtige Botschaften - trotzdem viel Lesespaß

Dass Nöstlinger irgendwann aufgehört habe, Kinderbücher zu schreiben - sie hatte mal gesagt, dass ihr die heutige Lebenswelt junger Menschen inzwischen fremd sei - müsse man aber respektieren, meint Boie, "vor allem bei jemandem, der so unglaublich viele und vor allem auch so unterschiedliche Bücher geschrieben hatte". Das habe auch ihr eigenes Werk sehr beeinflusst. In jedem Buch von Nöstlinger hatte eine Botschaft gesteckt, gleichzeitig seien ihre Bücher unterhaltsam und lustig gewesen. "Ihre Bücher haben genau das geleistet, was sie sich gewünscht hat: Dass Kinder sie lesen, weil sie Spaß machen." Das habe ermöglicht, dass die Botschaft so nebenbei mitgenommen werden konnte. "Das fand ich an ihren Büchern sehr eindrucksvoll." Ihre eigenen Bücher seien stark davon geprägt worden. 

Dass Nöstlingers Bücher irgendwann einmal aus Mode kommen werden, weil sie die Lebenswelt der heutigen Kinder so stark von den dort beschriebenen Gegebenheiten unterscheidet, glaubt Boie aber nicht. "Ich glaube, dass Kinder noch viele ihrer eigenen Themen in den Nöstlinger-Büchern wiederfinden", meint sie. Doch auch für Erwachsene steckten wichtige Botschaften in Nöstlingers Büchern: "Nehmt Kinder ernst, traut ihnen ganz viel zu und gebt ihnen die Chance, sie selbst zu werden!", sagt sie. Auch ein Anspruch auf soziale Gerechtigkeit stecke in den meisten Büchern. 

Kulturpresseschau

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