Kindesmissbrauch

    Tödliche Erziehungsberechtigte

    Misshandlung fügt den Kindern bleibende Schäden zu, betonen die Autoren Tsokos und Guddat. © picture alliance / dpa / Karl-Josef Hildenbrand
    30.01.2014
    Laut Polizeistatistik sterben jedes Jahr in Deutschland 160 Kinder an den Folgen von Misshandlungen. Meistens sind die Täter der Vater oder die Mutter des Kindes, oder der Lebenspartner eines Elternteils. Noch viel mehr Kinder werden so massiv missbraucht, dass sie von Ärzten behandelt werden müssen - etwa 3600 pro Jahr.
    Die schlimmsten Fälle – die zu Tode geprügelten Kinder – sehen die Rechtsmediziner bei der Obduktion, Mediziner wie Saskia Guddat und Michael Tsokos. Die beiden Berliner Ärzte haben ein Buch geschrieben mit dem Titel "Deutschland misshandelt seine Kinder".
    Darin berichten sie von ihrem Alltag als Rechtsmediziner und Gutachter, bei dem sie die gepeinigten Kinder untersuchen müssen. Die Autoren klagen in dem Buch auch das deutsche Jugendschutzssystem an, denn dort sei das Ziel, die Kinder so lange wie möglich in der Familie zu lassen, und diese lieber durch Familienhelfer zu unterstützen, als die Kinder aus den Familien zu nehmen.
    Dass es so viele Kindesmisshandlungen gibt in Deutschland – mit so schweren Folgen – das liege auch an einem "Klima des Wegsehens" in unserer Gesellschaft, schreiben die beiden Autoren. Saskia Guddat empfiehlt, sich auch einzumischen beim Nachbarn, wenn das Kind häufig schreit:
    "Klingeln sie einfach mal, fragen Sie einfach mal nach, was da ist, vielleicht wohnt da eine junge alleinerziehende Mutter, die sehr dankbar ist, wenn sie mal jemandem sagen, wie schrecklich die Situation ist. Und dann können Sie sagen, dass sie Hilfe bekommen kann, sie kann sich ans Jugendamt wenden, sie kann sich an eine Schreikindambulanz wenden. Wenn Sie das Gefühl haben, dass dort in dieser Wohnung wirklich misshandelt wird, und Sie möchten dort nicht klingeln, weil Sie Angst haben, dass es durchaus zum Gewaltexzess Ihnen gegenüber kommen kann, dann müssen Sie sich an das Jugendamt wenden. Wenn Sie die akute Situation mitbekommen, dann bleibt ihnen gar nichts anderes übrig, als die Polizei zu rufen."
    abu
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