Kinderarzt Jakob Maske

    Impfung von Erwachsenen beugt Schulschließungen vor

    06:22 Minuten
    Zwei Schülerinnen mit Schutzmaske malen ein Schwein, Kleeblatt, Hufeisen und einen Luftballon an die Tafel in einem Klassenzimmer.
    Bereits zum zweiten Mal mussten Kinder unter Corona-Bedingungen ins neue Schuljahr starten. © picture alliance / dpa / Guido Kirchner
    Jakob Maske im Gespräch mit Axel Rahmlow · 16.10.2021
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    Der Kinder Jakob Maske fordert, in der Coronapandemie die Rechte der Kinder auf ein normales Leben stärker zu berücksichtigen. Denn trotz teilweise hoher Inzidenzen erkrankten nur wenige Kinder schwer. Für ihn sind das Problem ungeimpfte Erwachsene.
    Insgesamt sind die Corona-Infektionszahlen derzeit einigermaßen stabil und nicht außergewöhnlich hoch. Bei den Zehn- bis 19-Jährigen jedoch liegt die Inzidenz in einigen Landkreisen bei über 500. Muss man da nicht perspektivisch über erneute Schulschließungen nachdenken?
    Nicht wegen der Kinder, sagt der Kinder- und Jugendarzt Jakob Maske. Denn trotz der hohen Inzidenzen sehe man nur sehr wenige schwerkranke Schülerinnen und Schüler. Aber man müsse sehen, wie sich dies auf die übrige Bevölkerung auswirke.

    Nicht die Kinder sind das Problem

    "Da haben wir ja immer Angst, dass sich doch mehr Erwachsene anstecken, weil es immer noch in der Altersgruppe zwischen 18 und 60 eine große Menge an Menschen gibt, die nicht geimpft und damit auch ungeschützt sind", sagt Maske. "Das macht dann die Intensivstationen wieder voll und führt zur Überlastung von Systemen, die dann dazu führen, dass auch Schulen wieder geschlossen werden müssen." Sein Appell: "Der größte Schutz vor Schulschließungen ist sicherlich die Impfung der Erwachsenen."
    Auch in der Frage einer Maskenpflicht in der Schule macht sich der Kinderarzt für die Rechte von Kindern stark: Mit Blick auf Erwachsene, die ohne Maske wieder Partys feiern oder in Kneipen gehen können, sagt er, man müsse dafür sorgen, dass auch die Kinder in ihrem Leben wieder Normalität erlangten. Gerade für Grundschulkinder sei es wichtig, ohne Maske die Schule besuchen zu können.
    "Und das kann man auch machen, wenn die Inzidenzen relativ niedrig oder stabil sind. Wenn sie natürlich bei 500 sind, muss man sich diesen Schritt nochmal überlegen und muss unter Umständen auch eine Maske wieder einführen."

    Erkältungskrankheiten werden jetzt "nachgeholt"

    Dass derzeit verstärkt unter Kindern Erkältungskrankheiten grassieren, hält Maske für eine Folge der Isolation und der Schutzmaßnahmen gegen Corona: Normalerweise mache man das ganze Jahr Infektionen durch. Das hätten wir jetzt nicht getan.
    "Deswegen kommen diese Infektionen jetzt relativ geballt. Das heißt aber nicht, dass das Immunsystem der Kinder schlechter ist." Oder dass diese Erkältungskrankheiten ein Problem darstellen. Im Gegenteil: Dass diese Infekte jetzt nachgeholt würden, "ist aus unserer Sicht für das Immunsystem etwas Gutes", betont der Kinderarzt.
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