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Kompressor | Beitrag vom 21.01.2019

Kinder der DDR-Vertragsarbeiter aus Mosambik im PortraitMissgunst bei der Rückkehr in die Heimat

Moderation: Gesa Ufer

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Der Fotograf Malte Wandel (dpa / Felix Hörhager)
Der Fotograf Malte Wandel (dpa / Felix Hörhager)

Malte Wandel hat die Kinder der einstigen mosambikanischen Vertragsarbeiter, die in den 80ern in der DDR schufteten, lebten und liebten, portraitiert. Bis heute warten viele der Arbeiter auf große Teile ihres Lohns.

"Madgermans" - das ist in Mosambik die Bezeichnung für all jene Landsleute, die in den 80er-Jahren auf der Grundlage einer zwischenstaatlichen Vereinbarung in der DDR arbeiteten. Rund 15.000 Mosambikaner gehören zu dieser Gruppe. Und sie alle teilen die Erfahrung der Arbeit und des Lebens fern der Heimat - an dessen Ende Ablehnung und Betrug standen, denn bis heute kämpfen viele der "Madgermans" um ihren Lohn für ihre Tätigkeit in der DDR, denn den gab es für die meisten nach ihrer Rückreise gar nicht oder nur in Teilen. Auch wurden die in der DDR so willkommen geheißenen mosambikanischen Arbeiter nach der Wende ausgesprochen rücksichtslos wieder nach Mosambik abgeschoben.

Erst die Freude über den Fernseher und dann die Missgunst

Malte Wandel hat einige der "Madgermans", einige ihrer Partner in der DDR und ihre Kinder mit dem Fotoapparat begleitet und portraitiert und stellt diese Arbeiten in einer Ausstellung in Magdeburg aus.

Dabei stammt der Begriff "Madgermans" ursprünglich aus dem Shangaan, einer Bantu-Sprache im südlichen Mosambik, und hieß dort zunächst "'Ma German', also 'die die aus Deuschland zurück kommen'", wie  Wandel erklärt. "Das 'd' wurde dann über die Zeit dazugedichtet und wurde auch dankbar angekommen von den Madgermans." "Dankbar" sagt Wandel deshalb, weil dort einige große Ungerechtkeit verbunden sei mit der Behandlung dieser einstigen mosambikanischen Vertragsarbeiter: "Viele kamen am Anfang sehr euphorisch zurück nach Mosambik, etwa mit Kisten voller Fernseher, mit Motorrädern und anderen Utensilien, manches durchaus Reliquien aus der DDR", erklärt Wandel. Und aufgrund dieser besondere Ausstattung in dem sehr armen Mosambik seien viele dieser ehemaligen Vertragsarbeiter wohl auch aus Neid oder Missgunst aufgrund ihrer Ausbildung bewusst unterdrückt und mit Missgunst bedacht worden in der Heimat.

Ein Großteil des Lohns erreichte die Arbeiter nie

Zum einen also sei da diese Ausgrenzung, mit der die "Madgermans" in Mosambik umgehen mussten, sagt Wandel: "Hinzu kommt, dass viele dieser Ex-Vertragsarbeiter auf Auszahlung eines Großteil ihres Lohns warten, der irgendwo zwischen den DDR-Behörden und den mosambikanischen Behörden in andere Kanäle geleitet wurde und nie ankam." Seit vielen Jahren bereits forderten sie auf Protesten in der mosambikanischen Öffentlichkeit diesen ausstehenden Lohn und klagten. Wandel hat diese "Madgermans" nun
zum einen in Mosambik in seinen Bildern portraitiert, zum anderen hat er auch jene begleitet, die zurückgeblieben sind - Bilder also von den ostdeutschen Partnern und ihren in der DDR geborenen Kindern. 

Viele dieser Kindern der "Madgermans" machen ihren Vätern große Vorwürfe, weil sie eben nicht geblieben sind, weil sie ohne sie aufwachsen mussten und weil die "Madgermans" eben wieder zurückgekehrt sind nach Mosambik, sagt Wandel. Ein weiteres Thema sei in diesem Zusammenhang natürlich auch der Rassismus und die Feindlichkeit, die diesen Familien entgegengeschlagen seien und entgegen schlägt, erklärt Wandel. "Die Frage ist nun - es geht hier um mehrere hundert Millionen US-Dollar, die hier auf verschiedene Weise veruntreut wurden -, ob das jetzt wirklich noch herausgefunden werden kann, wer was wie genau gezahlt bekommen müsste... Trotzdem ist es wichtig, dass dort einmal verschiedene Player dieses Konflikts an einen Tisch kommen",meint er. 

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