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Lesart / Archiv | Beitrag vom 02.12.2015

Keine VG-Wort-Ausschüttungen mehr an Verlage"Unsere Mit-Urheberschaft wird völlig missachtet"

Britta Jürgs im Gespräch mit Jörg Magenau

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Britta Jürgs, Verlegerin und Vorsitzende der Kurt-Wolff-Stiftung (Deutschlandradio - Andreas Buron)
Britta Jürgs, Verlegerin und Vorsitzende der Kurt-Wolff-Stiftung (Deutschlandradio - Andreas Buron)

Die Existenz unabhängiger Verlage könnte von einem Urteil des EuGH bedroht sein. Sie erhalten keine Ausschüttungen mehr von der Verwertungsgesellschaft Wort. Einige sind schon aufgefordert worden, Beträge zurückzuzahlen. Verlegerin Britta Jürgs befürchtet dramatische Folgen.

Vergütungen für das private Kopieren stehen  Autoren zu, nicht den Verlagen. Das hat der Europäische Gerichtshof (EuGH) im November entschieden. Davon betroffen sind auch die deutschen Verwertungsgesellschaften.

Dramatische Konsequenzen für kleine, unabhängige Verlage aus dem EuGH-Urteil befürchtet die Verlegerin des Aviva-Verlags und Vorsitzende der Kurt-Wolff-Stiftung, Britta Jürgs. Damit würden regelmäßige Einnahmen aus den Mitteln der VG Wort wegfallen, die zum Zweck der Programmgestaltung eingesetzt worden seien. Für Verlage ihrer Größenordnung bewege sich diese Einnahme im vierstelligen Bereich:  

"Es ist dann so, dass ein bis zwei Bücher gestrichen werden müssen. Und bei anderen kann es dann schon mehr sein. Bei anderen kann diese Einnahme durchaus auch im fünfstelligen Bereich sein."  

Verlage leisten einen kreativen Part 

Kern der Arbeit von kleineren, unabhängigen Verlagen sei aber gerade die Suche nach riskanten und ungewöhnlichen Büchern, sagte Jürgs. Nun müsse man sich noch genauer überlegen, was man tatsächlich realisieren könne. Sie verwies auf den kreativen Anteil der Verlage bei der Entstehung eines neuen Buches:  

"Ich finde es problematisch, dass alles andere abgeschrieben wird, was auf dem Weg vom Manuskript oder von der Idee zum Buch stattfindet. Das ist nämlich unsere Stärke. Da machen wir sehr viel. Da machen wir sehr viel, wir initiieren sehr viele Projekte, arbeiten sehr intensiv mit den Autorinnen und Autoren zusammen. Und natürlich werde Texte auch lektoriert. Und beim Lektorieren findet ja auch wieder, je nach Bearbeitungsgrad, auch eine Mit-Urheberschaft am Text dabei. All das wird uns völlig abgesprochen. Wir sehen das auch als Missachtung an."

Bereits einige Rückzahlungsforderungen der VG Wort 

Jürgs berichtete von Verleger-Kollegen, die von der VG Wort bereits Aufforderungen zur Rückzahlung von Ausschüttungen zurück bis ins Jahr 2012 erhalten hätten:

"Denn gerade diese Rückzahlung, die jetzt innerhalb von 14 Tagen erfolgen sollen, das kann schon wirklich existenziell sein. Schwierigkeiten werden wir alle damit haben. Aber da kann schon der eine oder andere auf der Strecke bleiben."

Zwar seien die Ausschüttungen der letzten drei Jahre von der VG Wort immer unter Vorbehalt erfolgt, räumte Jürgs ein:

"Aber wir haben uns alle nicht gedacht, dass es tatsächlich so weit kommen könnte."  

Mehr zum Thema:

Urteil zur VG Wort - Werden Bücher jetzt teurer?
(Deutschlandradio Kultur, Kompressor, 13.11.2015)

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