Menschik & Heins Pflanzenbuch

Wirr machende Gewächse und psychodelische Animationen

12:29 Minuten
Nahaufnahme von blühenden Maiglöckchen in fahlem Licht.
„Blumen des Bösen“ würden in nahezu jedem Garten wachsen, nennt Kat Menschik eine der Erkenntnisse aus der Arbeit an dem Werk. © Getty Images / iStockphoto / Andrii Shablovskyi
Kat Menschik und Jakob Hein im Gespräch mit Joachim Scholl · 06.10.2022
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Jakob Hein ist der Verwirrung des Pflanzensafts auf der Spur und Kat Menschik illustriert diese Suche als farbenfrohe Reise. Oder? „Kompendium psychoaktiver Pflanzen“ heißt ihr gemeinsames Werk. Es ist kein Selbstversuch.
Es ist ein Buch, das für den Leser entwirren soll, was Anwender oft verwirrt: Es geht um „psychoaktive Pflanzen“. Der Romancier und Psychiater Jakob Hein hat zusammen mit der Illustratorin Kat Menschik das „Kompendium der psychoaktiven Pflanzen“ verfasst.
Die Idee zu diesem Werk kam allerdings so, wie es jetzt umgesetzt wurde, nicht direkt von ihm, wie Hein sagt. „Ich kam gerade frisch von der Pflanzenkorrektur, also ich hatte gerade mit Brennnesseln gekämpft, meine Arme brannten, die Wicke quälte sich da überall lang, wo sie nicht lang sollte, und da hatte ich den Plan, ein Buch gegen Pflanzen zu schreiben“, erzählt Jakob Hein über den Start dieses gemeinsamen Projekts.

Psychoaktiv und leuchtend

„Heruntermachen“ habe er „all diese Pflanzen“ machen wollen und habe so auch seine Ideen Kat Menschik vorgestellt, die allerdings ein wenig versteckt durchblicken ließ, dass sie das Projekt doch anders angehen würde. „Man merkte, dass sie das Gericht nicht essen wollte, dass ich ihr da aufzutischen versuchte“, so Hein. Als sie dann endlich im Gespräch zu den psychoaktiven Pflanzen kamen, „leuchteten sofort ihre Augen“, wie Hein sagt. Das Thema war gefunden.
Sie also hätten dann entschieden, dass es in ihrem Buch um Pflanzen gehen soll, „die die Psyche beeinflussen“, etwa „Aphrodisiaka, also Pflanzen, die die Liebesfähigkeit beeinflussen sollen, die psychoaktiv sind“, erklärt Hein.
Nicotiana tabacum, Khat oder der Acker-Gauchheil: „Eine ganz unscheinbare Pflanze, die es überall gibt auf der ganzen Welt. Man glaubte überall, dass die Tiere davon verrückt werden, zum Beispiel die Ziegen." Doch auch "einer der ersten Superhelden der Literaturgeschichte in 'Der Scharlachrote Buchstabe'" von Baroness Orczy sei genau diese Pflanze gewesen, denn dieser Roman lautet im englischen Original ‚The Scarlett Pimpernel‘ – Acker-Gauchheil.
"Also lag es hier nah zu sagen: ‚Ich will mich nicht mit dem unangenehm stinkenden Titanwurz beschäftigen, sondern ich suche nach Pflanzen, die interessanter sind, die das Denken mehr anregen.‘“

Psychodelische Illustrationen

Glücklich mache ihn das Buch vor allem in Verbindung mit den „psychodelischen Illustrationen“ Kat Menschiks, so Hein.
„Blumen des Bösen“ würden in nahezu jedem Garten wachsen, nennt Kat Menschik eine der Erkenntnisse aus der Arbeit an dem Werk. Dies seien etwa Blumen, die wir lieben wie alle Tulpen- und Narzissengewächse oder Maiglöckchen, die wahnsinnig giftig sind.

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„Ich habe das Thema des Buches zum Anlass genommen, so richtig über die Stränge zu schlagen, und wir haben mit sechs eigens angemischten sogenannten Echtfarben gedruckt, also nicht im Rasterdruck, wie das normalerweise üblich ist, und das bewirkt, dass die einzelnen Farben viel, viel leuchtender sind, als normal zusammengesetzte Farben“, so Kat Menschik über das aufwendige Druckverfahren.

Allein das Ansehen: ein Geflirre

„Es ist ein Geflirre und – manchmal – sogar ein bisschen anstrengend, es sich anzusehen und manchmal auch ein bisschen anstrengend zu lesen, weil ich in diesem Fall mal absichtlich die Zeichnungen teilweise auf den Text gelegt habe.“
Heins nüchterne Zusammenfassung ihrer Arbeit: „Das Buch macht mich glücklich, also ich nehm‘ das statt Drogen.“
(sru)

"Kat Menschiks und des Psychiaters Doctor medicinae Jakob Hein Illustrirtes Kompendium der psychoaktiven Pflanzen"
Galiani Verlag, Berlin 2022
112 Seiten, 22 Euro

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