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Im Gespräch | Beitrag vom 23.03.2021

Kapitänin Nicole LangoschAus Liebe zum Meer

Moderation: Marco Schreyl

Kapitänin Nicole Langosch an Bord eines Kreuzfahrtschiffes. (Foto: Ekatarina Moré)
"Ein Schiff ist ein ganz tolles Fortbewegungsmittel": Nicole Langosch. (Foto: Ekatarina Moré)

Das Meer hatte Nicole Langosch bereits als Kind ins Herz geschlossen, später wurde sie der erste weibliche Captain auf einem Kreuzfahrtschiff in Deutschland. Nun arbeitet Langosch wieder an Land - und weiß auch das zu schätzen.

Obwohl sie in Hessen aufwächst, verspürt Nicole Langosch schon früh eine große Liebe zum Meer. "Da haben meine Eltern eine ganz große Rolle gespielt", erzählt sie. "Von klein auf haben wir unzählige Urlaube auf einem kleinen Segelboot verbracht, im Mittelmeer, aber auch an der Ostsee. Da habe ich einfach Lust aufs Meer bekommen. Ein Schiff ist ein ganz tolles Fortbewegungsmittel."

Wichtig ist ein gutes Team

Nach dem Abitur geht sie mit dem klaren Plan, zur See zu fahren, nach Leer und studiert dort Nautik. Nach ersten Erfahrungen auf Frachtschiffen wird ihr allerdings klar, dass sie ein etwas geselligeres Umfeld möchte: "Als ich ein halbes Jahr auf dem Containerschiff war, war mir das zu einsam." So heuert sie als Offizierin auf einem Kreuzfahrtschiff an.

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Dort erklimmt sie flott die Karriereleiter und wird mit 35 Jahren die erste weibliche Kapitänin eines solchen Schiffes. Zum Glück seien die Kollegen offen dafür gewesen, zum ersten Mal mit einer Frau in dieser Funktion zu arbeiten, sagt sie. Es habe eine gute Team-Atmosphäre geherrscht – auf See das Wichtigste überhaupt: "Das Zusammenspiel ist das, was einen Schiffsbetrieb überhaupt am Laufen hält."

Unterwegs mit der Schwerölschleuder

Langoschs Leidenschaft ist umstritten, Umweltschützer betrachten Kreuzfahrtschiffe als "unnütze Schwerölschleudern". Sie hoffe auf umwelttechnische Verbesserungen, sagt Langosch: "Als ich 2002 angefangen habe, Nautik zu studieren, war mir auch unter Umweltaspekten gar nicht bewusst, in welche Richtung das mal gehen kann, dass dann ein Kreuzfahrt-Boom entsteht. Ja, man braucht das nicht zwingend, weil wir eben keine Güter von A nach B fahren. Da finde ich es umso wichtiger, dass wir die modernste Technik an Bord haben, dass wir Umweltstandards einhalten, wenn denn hoffentlich bald die Kreuzfahrtschiffe wieder regulär fahren können."

Von den Vorteilen des Feierabends

Nach über elf Jahren auf See arbeitet Langosch seit etwas mehr als einem Jahr wieder an Land – im Hamburger Hafen als Marine-Superintendent. "Wir sind die Verbindung zwischen der Reederei und den Schiffen auf See." Über den Wechsel auf festen Boden ist sie ganz froh, auch wenn sie immer gerne auf dem Meer unterwegs war: "Einige Hochzeiten im Freundeskreis wurden natürlich leider ohne mich gefeiert." Sie freue sich, nun einfach sagen zu können: "Jetzt ist der Job vorbei, jetzt ist 18:00 Uhr und ich gehe noch essen."

(mah)

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