Kampfdrohnen und Lenkwaffen

    "Wir sehen zunehmend Autonomie im militärischen Bereich"

    16:16 Minuten
    Ein Kämpfer nimmt Stellung auf einem verlassenen Gebäude und blickt durch ein Fernglas.
    In Deckung gebracht: Erstmals soll eine Drohne ohne Befehl einen Menschen attackiert haben, das lässt ein UN-Bericht vermuten. © picture alliance / Xinhua / Amru Salahuddien
    Ulrike Franke im Gespräch mit Teresa Sickert und Dennis Kogel · 05.06.2021
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    Zwar gibt es noch viele Fragen, ein aktueller UN-Bericht ist aber ein Weckruf. Was können sogenannte "Killerdrohnen" heute schon und wozu werden sie genutzt? Militärdrohnen-Expertin Ulrike Franke hat vor allem sicherheitspolitische Bedenken.
    Ist sie angebrochen, die Zeit der Killerroboter, in der autonome Kampfdrohnen über Schlachtfelder surren und eigenständig auf Menschen feuern? Dieses Szenario steht nach einem Bericht der UN im Raum, laut dem genau dieser Fall letztes Jahr in Libyen eingetreten sein soll. Sogenannte "Killerdrohnen" feuerten dort anscheinend eigenständig auf Soldaten.
    "Es ist richtig, dass wir zunehmend Autonomie im militärischen Bereich sehen und unter anderem eben auch bei den Drohnen, die ja von vornherein eben schon unbemannt, also ferngesteuert sind", sagt Ulrike Franke. Die Expertin für Militärdrohnen ist Senior Policy Fellow am European Council on Foreign Relations und hat sich auch im Podcast "Sicherheitshalber" schon mit dem Thema ferngesteuerte Drohnen beschäftigt.

    "Das war jetzt keine große Überraschung"

    Dass aber Autonomie im Militärischen keinesfalls Zukunftsmusik oder Science Fiction ist, habe nun dieser Bericht gezeigt, sagt sie. "Das war jetzt eigentlich keine große Überraschung. Wir diskutieren über dieses Thema schon länger." Die große Frage ist, wie autonom Systeme inzwischen agieren können. Autonomie sei auch kein reines Drohnenthema, gibt sie zu bedenken.
    Bei dem Fall in Libyen gehe es streng genommen nicht um eine Drohne, sondern um ein Loitering-Munition-System - eine spezielle Form von Lenkwaffen -, in diesem Zusammenhang werde auch von "herumlungernden Waffen" gesprochen, erklärt sie. "Das sind also Systeme, die in die Luft gebracht werden und sich dann auf ein Ziel stürzen und mit dem Ziel explodieren."

    Loitering Munition auf dem Vormarsch

    Zuletzt habe man von vielen Streitkräften weltweit gehört, dass sie Loitering Munition anschaffen wollen oder bereits haben. "Das ist durchaus ein System, das zunehmend sich auf den Schlachtfeldern dieser Welt finden wird", schätzt Ulrike Franke.
    Zum Fall in Libyen schränkt sie allerdings ein: "Es ist nicht so, als wüssten die Vereinten Nationen da mehr als wir. Das wurde da so gesagt, dass das autonom passiert ist. Woher diese Information kommt, kann ich jetzt aber so nicht nachvollziehen. Das macht diese ganze Diskussion ein bisschen kompliziert."
    Das militärische Interesse liegt in der Geschwindigkeit, erklärt Ulrike Franke. "Autonome Systeme können oft einfach schneller agieren als von Menschen gesteuerte." Ein weiteres Argument sei, dass weniger Menschen benötigt werden und Kosten eingespart werden. "Und zuletzt können autonome Systeme potenziell neue militärische Fähigkeiten bieten."

    "Ich sehe einfach eine große Gefahr"

    Allerdings bringe die Autonomie auch Probleme. "Gerade Soldaten und militärische Entscheidungsträger sind natürlich die letzten, die irgendwie die Kontrolle über Waffensysteme komplett aus der Hand geben wollen."
    So sind auch eher sicherheitspolitische als ethische Argumente für Ulrike Franke entscheidend, den Einsatz solcher autonomer Systeme einzuschränken oder zu verbieten. "Ich sehe einfach eine große Gefahr, dass wir Eskalationsdynamiken bekommen, wenn wir zunehmend autonome Systeme auf dem Schlachtfeld haben und wir dann am Ende Konfliktsituationen schaffen, die eigentlich keiner wollte, weil ein autonomes System auf ein anderes autonomes System reagiert hat", sagt sie.
    Sie glaubt, dass dies eigentlich alle Seiten so sehen müssten. "Das ist dann immer eine ganz gute Basis für Rüstungskontrollverträge: Dass man sich einig ist, das wollen wir nicht", prognostiziert sie. Deshalb würden dann gewisse Funktionen eingeschränkt. "Aber ich denke nicht, dass es ein Verbot von einem bestimmten System sein wird."
    (hum)
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