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Nachspiel / Archiv | Beitrag vom 01.01.2017

Kampagne "Alkoholfrei Sport genießen"Wie sieht es in den Vereinen aus?

Von Wolf-Sören Treusch

Julian Schuster (picture alliance/dpa/Foto: Patrick Seeger)
Julian Schuster von Freiburg mit einer Wasserflasche. Aber wie sieht es in den unteren Ligen mit nichtalkoholischen Getränken während eines Spiels aus? (picture alliance/dpa/Foto: Patrick Seeger)

Fußball ohne Bier können sich viele gar nicht vorstellen. Der DFB informiert trotzdem - oder vielleicht auch gerade deshalb - schon seit April 2016 mit der Aktion "Alkoholfrei Sport genießen" über die Gefahren von Alkohol. Aber kommt die Kampagne bei den Vereinen überhaupt an?

Wenig Bewegung auf dem Fußballplatz des BSC Marzahn im Osten Berlins. Die erste Mannschaft der A-Jugend bereitet sich auf das letzte Punktspiel der Hinrunde vor. In der Bezirksliga steht die Mannschaft auf einem sicheren Mittelfeldplatz. Kein Grund also, sich allzu sehr zu verausgaben. Aber auch kein Grund zum Feiern.

- "Ab und zu kann man sich schon mal was gönnen."
- "Wenn man eine Meisterschaft gewinnt, stimmt's Björn?" 
- "Wenn man einen Pokal gewinnt, da kann man sich schon mal einen Schluck gönnen.
"

Tom, Nico und die anderen 17- und 18-jährigen jungen Männer aus Marzahn greifen allerdings selten zur Flasche. Vor allem nicht auf dem vereinseigenen Fußballplatz. Da ist der Alkoholgenuss sowieso verboten. Und sie halten sich daran. Aber geht das denn: Gesellig sein mit Mineralwasser?


- "Ja. Warum nicht?"
- "Aber mit Alkohol ist es schöner?"
- "Kann man 'mal machen - wenn jemand Geburtstag hat."
- "Trinkt ihr hier auch mal was auf dem Platz?"
- "Nein, nein, immer bei Kumpels in der Wohnung oder so. Wo gerade 'was frei ist. Es sind ja die meisten befreundet im Team. Dann treffen wir uns meistens so zusammen irgendwann am Wochenende. Und dann kippen wir einen."
- "Wäre nicht so gut, wann man hier saufen würde."

Malzbier in Weißwasser

Trainer Björn Regel achtet sehr genau darauf, dass es weder auf dem Platz noch später in der Kabine Alkohol gibt. Er hat schlechte Erfahrungen gemacht im Umgang damit.

"Freizeitlich habe ich es schon erlebt: Da haben dann welche getrunken, und dann haben sie über'n Durst getrunken und wollten noch Fußball spielen, und dann ist man ja doch ein bisschen eingeschränkt in seinen Bewegungen und dann musste man auch eingreifen."

Suchtprävention steht beim BSC Marzahn oben auf der Agenda. Den Alkohol nicht verteufeln, aber zu lernen, verantwortungsvoll mit ihm umzugehen – das ist die Devise. Gerade gegenüber Kindern und Jugendlichen habe man eine Vorbildfunktion, erklärt Geschäftsführer Bernd Weißig.

"Wenn Jugendspiele sind, gibt es sowieso keinen Alkohol, auch in der Gaststätte oben nicht, also sonnabends sind in der Regel nur Jugendspiele, dann gibt es generell keinen Alkohol, und am Sonntag dann, wenn die Männer spielen, dann schränken wir es so ein, dass keiner eine Bierflasche mit auf den Platz nimmt, und die haben dann bloß einen Pappbecher und trinken da am Spielfeldrand ihr Bierchen, das ist schon okay."

Das ist ein Verhaltenscodex, der immer noch nicht selbstverständlich ist. Deshalb hat der BSC Marzahn auch das Infomaterial angefordert vom Aktionsbündnis "Alkoholfrei Sport genießen", das der DFB und andere große Sportverbände in Deutschland vor einem Dreivierteljahr gegründet haben.

"Das sind ja immer Sachen, wo man dran bleiben muss. Wenn man da gar nichts mehr macht, dann kommen alle und rauchen überall auf dem ganzen Platz und trinken ihr Bier überall. Deswegen ist es immer wichtig, dass man da auch nachhaltig darauf hinweist."

Den verantwortungsvollen Umgang mit Alkohol lernen

Ortswechsel. In der Eisarena der Lausitzer Füchse im sächsischen Ort Weißwasser findet das Torwarttraining des Eishockey-Nachwuches statt. Tobias Chadim, 19, würde gern mitmachen, eine komplizierte Bänderverletzung hindert ihn daran. Seinen Traum hat er aber noch nicht aufgegeben: endlich bei den Herren in der zweiten Eishockey-Liga mitzuspielen.

"Andere in meinem Alter - da ich will nicht wissen, mit wie viel Alkohol die in Kontakt treten, aber deswegen: Als Sportler finde ich es eben nicht unbedingt vereinbar."

Alkohol und Leistungssport, sagt er, das verträgt sich nicht. Aber was ist mit den Mannschaftsritualen? Wie beim Fußball, wo es eine Kiste Bier kostet, wenn man den Ball im Training über den Zaun schießt:

"Haben wir auch, aber mit Malzbier. Karamalz heißt das hier, kein echtes Bier, das heißt beim zehnten Tor oder bei keinem Gegentor oder bei einem Hattrick wird dann schon 'mal ein Kasten in die Kabine gestellt, aber natürlich alkoholfrei. Das ist ein Brauch, der immer Bestand haben wird, egal ob bei den Großen oder bei den Kleinen. Früher rote Limo und jetzt mittlerweile Malzbier."

Eine tolle Alternative zum Alkohol, schön, dass sie auch in Weißwasser Brauch ist. Top-Sponsor der Lausitzer Füchse ist eine Brauerei.

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