Kabarettistin Idil Baydar

    Besorgt über Rechtsextreme und Homophobie

    19:48 Minuten
    Die Kabarettistin Idil Baydar am 12.02.2019 zu Gast bei bei der Aufzeichnung der ARD Show "Ladies Night", die einzige Comedy- und Kabarettshow mit rein weiblicher Besetzung im deutschen Fernsehen. Foto: Horst Galuschka Foto: Horst Galuschka/dpa
    Ihre Paraderolle ist die Gettogöre Jilet Ayse: Kabarettistin Idil Baydar macht den Auftakt der „Kompressor“-Sommerinterviews. © picture alliance / dpa / Horst Galuschka
    Moderation: Gesa Ufer · 06.07.2021
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    Die Kabarettistin Idil Baydar alias Jilet Ayse genießt den Sommer in Kreuzberg und macht sich dennoch Sorgen: zum Beispiel über die schleppende Aufklärung von Rechtsradikalismus bei der Polizei und über Homophobie in Europa.
    Die Kreuzbergerin und "Gettolektuelle" Jilet Ayse hat gerade Urlaub. Ihre Schöpferin, die Kabarettistin und Comedienne Idil Baydar, aber ist auf ihrem sommerlichen Balkon ansprechbar. Deshalb bildet das Gespräch mit ihr den Auftakt zu einer lockeren Serie von Sommerinterviews mit gern gesehenen und gehörten "Kompressor"-Gästen.

    Optimistischer Blick Richtung Herbst

    Die letzten ruhigen Monate habe sie aber genutzt, um neue Projekt zu verfolgen, berichtet sie: ihr Buch und ein neues Showprogramm, zum Beispiel. Ihr Blick Richtung Herbst sei "optimistisch – aber eine kleine Restangst bleibt".
    Auch während der Sommerferien kreisen Baydars Gedanken um Themen, die ihr auf der Seele liegen. Etwa die mit "NSU 2.0" unterzeichneten Drohbriefe mit Morddrohungen, die seit 2018 an 32 verschiedene Adressaten und 60 Institutionen in Deutschland und Österreich verschickt wurden.

    Aufklärung der "NSU 2.0"-Drohbriefe ist schleppend

    Baydar ist verärgert und enttäuscht, dass die Aufklärung so schleppend vorangeht. "Was ich mir wünsche, ist keine Schändung und Scham und Schuld, sondern ich wünsche mir Aufklärung. Und eventuell bin ich auch sehr naiv, wenn ich mir denke: Da gibt es auch Polizisten, die sagen, hey, wir wollen eine vernünftige Polizei haben. Und wir möchten nicht, dass diese Leute unser Aushängeschild werden."

    Gewalt gegen die LGBT-Community

    All diese Vorkommnisse – Anschläge und versuchte Anschläge, Nazi-Chats – und die Tatsache, dass vieles weiterhin im Dunkel liege, weckten bei ihr das Gefühl: "Es ist so, als ob man mit Betäubten zu tun hat, die einfach nicht in der Lage sind, richtig zu reagieren."
    Ein weiteres Thema, das die Kabarettistin beschäftigt, sind europaweite Diskriminierungen und Gewalttaten gegen die LGBT-Community. Die Nachricht, ein junger Schwuler in Spanien sei Opfer eines Hassverbrechens und Mordes geworden, schockiere sie und mache sie sehr traurig. Es sei beschämend, dass so etwas in Europa heute noch passiere.

    Regenbogen im Firmenlogo

    Sie begrüßt, dass Unternehmen während der Fußball-EM – als Reaktion auf eine neue LGBT-feindliche Gesetzeslage in Ungarn und homophobes Verhalten von ungarischen Fußballfans – demonstrativ die Regenbogenfarben in ihr Logo aufgenommen hätten.
    Entscheidend sei allerdings, wie nachhaltig solche Bekenntnisse seien – oder ob die Unternehmen diese nur als kurzfristiges Fahrwasser nutzten.
    (mkn)
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