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Breitband | Beitrag vom 27.06.2020

K-Pop-Fans gegen TrumpWie politisch ist die Szene?

Sung Un Gang im Gespräch mit Vera Linß und Tim Wiese

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Fans warten auf den Auftritt der K-Pop Gruppe BTS im Central Park, New York und schützen sich mit Fächern, auf den die einzelnen Bandmitglieder abgebildet sind, vor de Sonne. (Getty Images / Drew Angerer)
Weniger glatt, als er auf den ersten Blick wirkt: K-Pop bietet auch ein Identifikationsangebot an Minderheiten. (Getty Images / Drew Angerer)

Hashtags kapern oder mal eben Donald Trumps Wahlkampfauftritt zum Fiasko machen: In jüngster Zeit machen K-Pop-Fans mit politischen Aktionen von sich reden. Steht dahinter nur der Spaß an der Online-Kampagne - oder geht es ihnen wirklich um Politik?

6.200 Besucher statt der erwarteten Million: Dass Donald Trumps Wahlkampfveranstaltung in Oklahoma in der vergangenen Woche floppte, lag auch an einer Aktion von K-Pop-Fans: Die hatten sich auf sozialen Netzwerken wie TikTok organisiert und sich online für Trumps Event registriert – nur, um dann nicht hinzugehen. 

Bisher waren Fans der Korean Popular Music (K-Pop) nicht gerade als eifrige Politaktivisten bekannt. Aber es ist auch nicht das erste Mal, dass sie sich politisch betätigen. So haben sie etwa vor Kurzem den von vielen Rassisten benutzten Hashtag #whitelivesmatter auf Twitter "gekapert", um Gifs von ihren Lieblingskünstlern zu posten – und den Hashtag somit unbrauchbar zu machen.

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Diese Techniken hatten K-Pop-Fans sonst eher für ihre Stars eingesetzt. "Sie sind sehr geübt darin, innerhalb kürzester Zeit für ihre Stars Werbeaktionen zu organisieren", erklärt der Kulturwissenschaftler Sung Un Gang.

"Zum Beispiel, wenn die Stars neue Alben herausbringen, dann organisieren die Fans dann auch aus eigenen Händen Werbung für ihre Stars, online vor allem. Die geben zum Beispiel wiederholt und sehr intensiv bestimmte Suchwörter in Suchmaschinen und auch auf Twitter ein, damit dieser Hashtag oder die Wörter, die relevant sind zu ihren Stars, trenden."

K-Pop als Identifikationsangebot an Minderheiten

Dass K-Pop-Fans diese Methoden jetzt für politische Zwecke entdeckt haben, findet Sung Un Gang eine spannende Entwicklung – obwohl er davon ausgeht, dass die Motivation, an solchen Aktionen teilzunehmen, von Person zu Person unterschiedlich ist und bei manchen vielleicht auch mehr Spaß als politisches Engagement dahintersteht. 

Und bisher seien Aktionen der K-Pop-Fans eher spontan und auch nicht unbedingt "durchdacht" gewesen, sagt Sung Un Gang: "Nach dem Erfolg durch die Übernahme von Hashtags wie #whitelivesmatter gab es dann auch von schwarzen K-Pop-Fans die Kritik, dass dadurch im Endeffekt dieser rassistische Hashtag dann doch mehr an Renommee gewonnen hätte, was für schwarze Menschen in den USA wiederum sehr traumatisierend war."

Die auf den ersten Blick überraschende Verbindung von K-Pop-Fanszene und Black-Lives-Matter-Bewegung erklärt Sung Un Gang damit, dass K-Pop durchaus Identifikationsangebote an Minderheiten mache. Und verstärkt stellten auch die Fans politische Ansprüche an die Stars: "Gerade in der Black-Lives-Matter-Bewegung. Da melden sich die schwarzen K-Pop-Fans zu Wort und sagen, dass die Musikindustrie in Korea eigentlich enorm von der schwarzen Kultur profitiert hat und dass deshalb die Industrie als solche auch mehr Solidarität zeigen sollte."

(uko)

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