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Interview | Beitrag vom 03.01.2020

Jutta Ditfurth zu 40 Jahren "Die Grünen""Eine stinknormale, bürgerliche Partei"

Jutta Ditfurth im Gespräch mit Nicole Dittmer

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Jutta Ditfurth in der ARD-Talkshow Maischberger (2017). (imago / Future Image / C. Hardt)
Jutta Ditfurth galt als als eine der prominesten Grünen-Politikerinnen des linken Flügels. 1991 trat sie aus der Partei aus. (imago / Future Image / C. Hardt)

Zum 40-jährigen Bestehen der Grünen mag die Sozialwissenschaftlerin Jutta Ditfurth nicht gratulieren. Aus ihrer Sicht hat die Partei einstige politische Ziele längst verraten. Auch beim Klimaschutz traut Ditfurth ihren ehemaligen Parteifreunden wenig zu.

Seit 40 Jahren gibt es nun die Partei "Die Grünen". Für die ehemalige Grünen-Politikerin, die Sozialwissenschaftlerin Jutta Ditfurth ist das kein Grund zu feiern. Eher im Gegenteil: Wenn sie die einstigen Ziele der Grünen vergleicht mit denen der heutigen Partei, hat sie nur Schelte übrig.

Früher hätte die Partei begriffen, dass "kapitalistische Produktionsweise Mensch und Natur" zerstöre. "Es wäre schön, wenn sie das heute noch wüssten. Tun sie nicht mehr. Sie haben sich längst mit dem Kapitalismus versöhnt, sie haben sich mit der Nato versöhnt."

Die Angst, als Verbotspartei zu gelten

Einst seien die Grünen "radikal gegen Militäreinsätze" und "für die Selbstbestimmung der Frauen in Sachen Paragraf 218" gewesen." Nun seien sie eine "stinknormale, bürgerliche Partei", meint Ditfurth, die 1991 bei den Grünen austrat und heute für die Liste ÖkoLinX in der Frankfurter Stadtverordnetenversammlung sitzt.

"Die Grünen haben eine solche Angst, als Verbotspartei zu gelten, dass sie das nicht tun, was dringend gemacht werden müsste, um die kommende Klimakatastrophe zu mildern. Da müsste es zu Verboten bestimmter Produktionslinien kommen und es müsste zur Produktionsumstellung kommen. Das müssten sie riskieren. Und genau das tun sie nicht."

Jutta Ditfurth 1986 - noch als Mitglied der Grünen - vor einem Banner, auf dem steht: "Das Einzige, was wirklich schützt: Abschalten." (picture alliance / AP Photo / Hermann J. Knippertz)Kurz nach der Nuklearkatastrophe von Tschernobyl: Jutta Ditfurth fordert, AKW abzuschalten. Damals ist sie noch Mitglied der Grünen. (picture alliance / AP Photo / Hermann J. Knippertz)

Viele Grünen-Wähler würden glauben, dass – sobald diese an der Bundesregierung beteiligt seien – "etwas Schönes" komme und "die Natur geschützt" werde. "Und dann möchte ich sagen: Guckt mal dahin, wo sie schon an der sogenannten Macht sind, was sie da machen." Da "umschmeicheln sie" wie der Ministerpräsident von Baden-Württemberg, Winfried Kretschmann, "die Automobilindustrie und schieben alles weg".

(lkn)

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