Seit 01:05 Uhr Tonart

Mittwoch, 16.10.2019
 
Seit 01:05 Uhr Tonart

Fazit | Beitrag vom 14.06.2019

Jüdisches Museum Berlin Direktor Schäfer nach Kritik zurückgetreten

Sergey Lagodinsky im Gespräch mit Sigrid Brinkmann

Beitrag hören Podcast abonnieren
Peter Schäfer tritt als Direktor des Jüdischen Museum zurück (dpa / Silas Stein)
Anfang Mai war Schäfers Vertrag um ein Jahr verlängert worden - er hätte eigentlich im August 2020 aufhören sollen. (dpa / Silas Stein)

Der Direktor des Jüdischen Museums Berlin ist nach Kritik an seinen Ausstellungen und seiner politisch-kulturellen Gestaltung des Programms zurückgetreten. Für Sergey Lagodinsky von der Jüdischen Gemeinde Berlin ist der Schritt folgerichtig.

Zum Rücktritt Peter Schäfers als Direktor des Jüdischen Museums in Berlin hätten eine Reihe von Vorfällen beigetragen, sagt der Jurist Sergey Lagodinsky, der Mitglied der Repräsentantenversammlung der Jüdischen Gemeinde in Berlin ist und seit den jüngsten Europawahlen auch um EU-Parlament sitzt.

Unklare Haltung der Museumsleitung

"Es gab einige umstrittene Ausstellungen, insbesondere eine, in der es um die Rolle Jerusalems in der Vergangenheit und Gegenwart ging. Es wurden auch Gäste, die die BDS-Kampagne unterstützt haben, zu Konferenzen eingeladen und dann, nach Kritik, wieder ausgeladen. Es gab insgesamt eine unklare Haltung der Museumsleitung." 

Peter Schäfer habe möglicherweise den politisch und kulturell aufgeladenen Kontext unterschätzt, in dem sich das Museum bewegt, meint Lagodinsky. "Da bedarf es einer sehr starken und sensiblen Führung und die hat man in den letzten Monaten nicht gesehen. Es gab vielmehr eine Aneinanderreihung politischer Provokationen und danach Rückzugsreaktionen des Leiters. Das ist das Schlimmste, das passieren kann. Dann ist man irgendwann eben nicht mehr tragbar."

Kritik von vielen Seiten

Die Wahrnehmung des Museums sei von verschiedenen Seiten und auch im Ausland immer kritischer geworden. "Das passierte aus ganz unterschiedlichen Richtungen und Gründen. Es gab Kritik von der israelischen Regierung und auch die Frage was denn noch jüdisch sei an diesem Museum. Das ist eine berechtigte Frage. In einem jüdischen Museum müssen selbstverständlich unterschiedliche und sich widersprechende jüdische Perspektiven präsentiert werden, aber das Ganze mit einem klaren Konzept und eben nicht ganz neutral. Das ist nämlich kein absolut neutraler Ort, der sich in einem politischen und kulturellen Vakuum befindet."

(rja)

Kulturpresseschau

Aus den FeuilletonsSchriftsteller im Krieg
Saša Stanišić, aus Bosnien stammender Autor, erhält den Deutschen Buchpreis 2019 und steht am 14.10.2019 im Kaisersaal des Frankfurter Römers mit seiner Urkunde. (Foto: Andreas Arnold/dpa)

Gerade gekürt empörte sich der Gewinner des Deutschen Buchpreises Saša Stanišić über den Literaturnobelpreisträger Peter Handke, schreibt die "Welt". Wie Literatur Wirklichkeit abbilden sollte, sei auch eine Generationenfrage, stellt die "FAZ" fest.Mehr

weitere Beiträge

Der Theaterpodcast

Folge 17Wirtschaftswunder, Winnetou und Wurst?
Olaf Hoerbe als Intschu-tschuna spielt während der Hauptprobe von "Winnetou " auf der Felsenbühne in Rathen, Sachsen. (dpa /  Matthias Rietschel)

Wie reagieren Theater auf veränderte gesellschaftliche Bedingungen in Zeiten des erstarkenden Rechtspopulismus? In einer Umfrage haben 32 Theaterleiter in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen darauf geantwortet.Mehr

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur