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Aus der jüdischen Welt / Archiv | Beitrag vom 29.03.2013

"Juden? Palästina - Hass!“

Antisemitismus unter muslimischen Jugendlichen

Von Jens Rosbach

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Die Kippa in der Öffentlichkeit tragen? In manchen deutschen Stadtvierteln kann das gefährlich werden. (picture alliance / dpa / Ingo Wagner)
Die Kippa in der Öffentlichkeit tragen? In manchen deutschen Stadtvierteln kann das gefährlich werden. (picture alliance / dpa / Ingo Wagner)

Immer wieder werden Juden in Deutschland attackiert - verbal und sogar mit Gewalt. Viele Täter stammen aus arabisch- und türkischsprachigen Familien. Welche Gefahr geht von diesen zumeist jungen Tätern aus? Ein Bericht über aggressive Jugendliche, traumatisierte Opfer und ratlose Bildungsexperten.

Was fällt muslimischen Teenagern ein, wenn sie das Wort "Jude" hören? Berlin-Kreuzberg, vor einer Schule mit hohem Migrantenanteil:

"Israel –Palästina – Hass! Steine!"

"Ich meine, dieser Begriff ‚Jude‘ ist eher ein Klischeewort. Also wenn jemand geizig ist, man sagt ja: Gold, geizig, dann wird Jude … du Jude, du Geizhals! … nach dem Motto."

"Ihnen gehört Marlboro, diese ganzen Zigaretten. Ihnen gehört McDonalds, den Juden gehört fast alles."

"Juden sind Schwänze!"

"Ganz ehrlich – ich fick alle Juden!"


Lachen und Provokation. Differenzierte Aussagen sind seltener zu hören:

"Ich denke mal nur, dass die Politik des Staates Israel fragwürdig ist. Aber so an sich gegen Juden – sei es aus Deutschland oder aus Amerika – habe ich jetzt nicht so was."

Handelt es sich bei den antisemitischen Beleidigungen nur um Sprücheklopferei? Mitnichten. Im vergangenen August zeigte sich, dass den Verbalattacken tätliche Übergriffe folgen können.

Collage TV- und Radionachrichten:
(Sprecher) Er wurde zusammengeschlagen, weil er Jude ist: der Rabbiner Daniel Alter. (Sprecherin) Auf seiner rechten Wange klebt ein Pflaster, die Haut darunter ist blau angelaufen. (Sprecherin) Violance attack on a Rabbi in Berlin… (Sprecherin) Nach Angaben der Berliner Polizei stehen die Täter im Verdacht, arabischer Herkunft zu sein. Allerdings fehle von ihnen bislang jede Spur…

Die Jugendlichen hatten dem Rabbiner auf offener Strasse das Jochbein gebrochen. Weil seine jüdische Kopfbedeckung, die Kippa, zu sehen war.

Daniel Alter: "Seit einigen Jahren schon trage ich in der Öffentlichkeit eine Mütze oder einen Hut über der Kippa. Dass ich als Jude zu identifizieren war, lag vermutlich daran, dass meine Baseballmütze verrutscht ist, und vermutlich war die Kippa dadurch zu sehen."

Der Übergriff war für das Opfer mehrfach traumatisch: Zum einen musste die kleine Tochter des 53-Jährigen die Attacke miterleben. Zum anderen waren einst zahlreiche Familienangehörige des Rabbiners – ebenfalls aus Judenhass - im Holocaust ermordet worden. Trotz allem warnt Daniel Alter, der inzwischen als Antisemitismusbeauftragter der Berliner jüdischen Gemeinde arbeitet, vor Pauschalisierungen.

"Und das ist eben auch das, worauf wir versuchen abzuheben. Einmal klarzumachen, dass das eben nicht eine bestimmte Bevölkerungsgruppe ist, die uns komplett hasst oder die komplett auf mich losgegangen ist. Dass auch die Schuld an so einem Überfall, dass das eben nichts Kollektives ist, dass man auf alle Moslems oder auf alle Türken oder Araber übertragen kann, sondern dass das eine individuelle Frage ist."

Antijüdische Einstellungen unter Zuwandererkindern

Ist Judenhass unter Zuwandererkindern eine Ausnahme – oder besonders stark verbreitet? Wissenschaftliche Untersuchungen dazu sind rar. Eine der meist zitierten Erhebungen stammt vom Kriminalwissenschaftlichen Institut der Universität Hamburg. Dieses befragte 2007 bundesweit rund 500 muslimische Schüler. Ergebnis: Rund 16 Prozent sind stark antijüdisch eingestellt. Demnach ist die Antisemitismus-Quote dreimal so hoch wie bei deutschstämmigen Teenagern. Untersuchungsleiter Professor Peter Wetzels begründete diese Bilanz mit der Diskriminierung junger Moslems in Deutschland.

"Es führt zunächst mal dazu, dass die Umgebung als eine aversive Umgebung wahrgenommen wird und ein Rückzug in die Eigengruppe praktiziert wird. Also in die Gruppe derer, wo man sich angenommen fühlt. Und je stärker man sich auf die Eigengruppe zurück zieht, desto schwieriger wird die Verständigung mit Fremdgruppen. Das Fremde wird umso weniger verständlich, je weniger Kontakte ich habe – Kontakte, die ich eben einfach generell zu Menschen anderen Glaubens, anderen Kulturen habe."

Doch die Studienergebnisse werden mittlerweile angezweifelt. Etwa von der Kreuzberger Initiative gegen Antisemitismus, einer der engagiertesten Initiativen gegen migrantischen Rassismus. Vorstandsmitglied Malte Holler verweist auf neuere Untersuchungen, die keine Unterschiede zwischen den jugendlichen Gruppen festgestellt haben.

"Die Forschung zeigt eigentlich, dass die Verbreitung von Antisemitismus gleich groß ist unter beiden Gruppen, egal ob Menschen mit sogenanntem Migrationshintergrund oder sogenannte herkunftsdeutsche Jugendliche."

Der Historiker beobachtet, dass in Deutschland anti-muslimische Ressentiments zunehmen - dass der Durchschnittsbürger immer häufiger mit dem Finger auf Migranten zeigt. Die Politologin Anne Goldenbogen, ebenfalls im Vorstand des Berliner Vereins, sieht darin eine Entlastungsstrategie.

"Das bedeutet ganz konkret: Antisemitismus zum Beispiel zu einem Problem von Migranten zu machen und damit natürlich aus der Mehrheitsgesellschaft rauszuholen. Sozusagen, wir Deutsche haben aus unserer Geschichte gelernt und die anderen, die Muslime, die Migranten, haben da noch Nachholbedarf."

Rassistische Zuschreibungen auf migrantische Communities

Die Kreuzberger Initiative gegen Antisemitismus wurde bereits vor zehn Jahren gegründet, um die Judenfeindschaft unter Migranten zu bekämpfen. Hier arbeiten Geschichts-, Islam- und Politikwissenschaftler verschiedener Herkunft und Religion zusammen. Kürzlich wurde der Verein mit einem Preis des Zentralrats der Juden ausgezeichnet, mit dem Paul-Spiegel-Preis. Goldenbogen, die selbst Jüdin ist, räumt ein, dass die Arbeit der Initiative eine Gratwanderung sei.

"Es ist ein Spannungsfeld, ein sehr starkes Spannungsfeld. Weil wir auf der einen Seite Antisemitismus auf keinen Fall als Problem auch in migrantischen Communities bagatellisieren wollen – weil wir auf der anderen Seite aber auch ganz klar rassistischen Zuschreibungen auf migrantische Communities Einhalt gebieten wollen und müssen. Und das heißt, dass sich das Problem nicht mit einer Schlagzeile abhandeln lässt, sondern wenn man ernsthaft was ändern möchte, sich intensiver mit der Thematik auseinandersetzen muss."

Berlin-Kreuzberg, im Jüdischen Museum. Rund 20 Jugendliche in einem Halbkreis. Sie kommen von einem Oberstufenzentrum und nehmen an einem Workshop gegen Antisemitismus teil. Auf einem Bildschirm startet ein Fernsehbericht.

Film: Berlin, Brunowstraße. Vor sieben Jahren hat sich Dieter T. hier einen bescheidenen Traum erfüllt: einen kleinen Tante-Emma-Laden mitten im Kiez. Im Mai vergangenen Jahres stellt der gläubige Jude seinen Laden auf ein koscheres Lebensmittelgeschäft um. Draußen weht die israelische Fahne. Die Schaufenster beklebt er mit einem Davidstern. Vier Wochen geht das gut. Dann beginnt der alltägliche Terror….

Der Film erzählt, wie der jüdische Ladeninhaber erst von Neonazis und dann von arabischen Jugendlichen bedroht wird. Die Anwohner boykottieren schließlich – aus Angst – den koscheren Laden, bis dieser schließen muss. Nach der Video-Vorführung diskutieren die Schüler. Am lebhaftesten äußert sich Khalid Shaltout, ein 17-jähriger Arabischstämmiger mit Wuschelkopf und Metallica-T-Shirt.

"Bei den Neonazis ist es einfach dieser alte Hass auf Juden, der halt schon seit der NS-Zeit da ist. Während es bei den arabischen Jugendlichen einfach das Ding ‚Israel‘ ist. Israel hat ja Palästina besetzt, und das wirkt sich halt auch auf die arabischen Jugendlichen in aller Welt aus."

Karsten Krieger: "Für die arabischen Jugendlichen ist es die israelische Flagge. So und die schmeißen jetzt nun zwei Dinge zusammen, die logisch nicht so zusammen gehören: Jude ist gleich Israeli, du bist mein Feind!"

Israelflagge und Davidstern - eine Provokation für manche Jugendliche

Der Seminarleiter, Bildungsreferent Karsten Krieger, warnt: Man dürfe Israelkritik und Antisemitismus nicht miteinander vermengen. Khalid wendet ein, dass der jüdische Ladeninhaber aber auch provoziert habe.

"Ich denke halt, hätte er vielleicht jetzt nicht die israelische Flagge rausgehängt, hätten die arabischen Jugendlichen das nicht so damit assoziiert. Hätte er vielleicht einen Davidstern angebracht also – ich denke jetzt nicht, … vielleicht wäre aus was passiert. Aber ich denke mal für die arabischen Jugendlichen war es eher die israelische Flagge. Das die halt rot sehen lassen hat."

Khalids Mitschüler, der 21-jährige Hans Kahl Hoppstädter, widerspricht:

"Naja, der Davidstern an sich ist doch schon eine Provokation für die meisten Arabischstämmigen. Die sind nicht so, dass die sagen: Der hat jetzt keine israelische Flagge, da lass ich ihn jetzt mal in Ruhe. Wenn sie sich auf jemanden fixieren wollen, dann fixieren sie sich auch auf jemanden. Und wenn sie da einen Davidstern sehen, dann sehen sie einen Davidstern und assoziieren das mit der israelischen Flagge und hauen da einfach druff!"

Film: (Dieter T.) Da ging es folgendermaßen: Da hatte ich erstmal bespuckte Scheibe, Urin an der Hauswand, so einen richtigen schönen See. Oder ab und zu mal einen Haufen, Menschenhaufen. (Sprecherin) Dieter T. läuft den Tätern hinterher…

Khalid bleibt bei seiner Meinung. Nach der Film-Diskussion erklärt der Teenager, er habe nichts gegen den jüdischen Ladenbesitzer persönlich. Aber er hätte das Geschäft ebenfalls boykottiert – zwar nicht aus antisemitischen Gründen, aber aus politischen Gründen.

"Also ich würde auch aus politischen Gründen den Laden boykottieren, weil eben im Bericht gesagt wurde, er hätte halt Waren aus Israel importiert. Und ich würde mich halt bewusst dagegen entscheiden, Waren aus Israel zu kaufen, da es halt eine Unterstützung für Israel wäre, das halt Krieg treibt, den Palästinensern alle Rechte raubt und sie – wie man sehen kann – ermordet."

Der Nahostkonflikt - immer wieder. Seminarleiter Karsten Krieger hat den ganzen Workshop-Tag über die Themen Vorurteile, Feindbilder und die Geschichte der deutschen Juden behandelt. Doch das Thema Israel hat er versucht zu vermeiden.

"Wenn ich natürlich keinen Vortrag halte, sondern die müssen selber in die Lage kommen, arbeiten zu können und eigene Erkenntnisfortschritte zu machen – dann habe ich ein begrenztes Zeitmanagement. Wenn ich dann die Nahostkonflikt reinbringen würde, laufe ich Gefahr, dass alle anderen Teile – Was ist Judenfeindschaft? Und aus welchem Grund entwickelt sie sich? – dass diese Teile didaktisch dermaßen reduziert werden, dass es einfach zu sehr verflacht. Das ist nicht unser Einsatz."

Der schwierige Umgang mit dem Nahostkonflikt

Auch der Co-Leiter des Seminars, der türkischstämmige Murat Akan, erklärt: Der Palästinakonflikt sei in einem Schülerworkshop nur schwer zu vermitteln.

"Naja, das Problem ist, es ist nichts Historisches. Dadurch ist es automatisch emotionaler und schwieriger, objektiv über Dinge zu reden."

Diese Strategie ist unter Bildungsexperten jedoch umstritten. Malte Holler von der Kreuzberger Initiative gegen Antisemitismus ist vollkommen anderer Meinung:

"Die pädagogische Arbeit zu Antisemitismus in heutiger Zeit ist ohne eine kritische Auseinandersetzung mit dem Nahostkonflikt niemals möglich. Und das ist ganz unabhängig davon, ob Menschen einen sogenannten Migrationshintergrund haben oder nicht."

Die Berliner Initiative bietet Seminare an, die am Alltag der Schüler anknüpfen. Die Jugendlichen sollen eigene Diskriminierungserfahrungen beschreiben – und Parallelen zu anderen "Opfergruppen" herstellen. Anne Goldenbogen berichtet: Konfrontiere man muslimische Teenager etwa mit den Leiden von Holocaust-Opfern, zeigten die Schüler durchaus Empathie.

"Das kann aber durchaus parallel existieren - gleichzeitig zu einer ganz vehementen Ablehnung Israels beispielsweise. Oder dass ja alles gar nicht mehr so sei wie damals. Und heute die Juden die sind, die am Drücker sitzen."

Und wieder lande man beim Nahostkonflikt, bilanziert die Politologin. Während viele Referenten und Lehrer Angst vor diesem "aufgeladenen" Thema hätten, versuche die Kreuzberger Initiative gegen Antisemitismus die Bildungslücken der Teenager zu füllen.

Goldenbogen: "Zum Beispiel, dass es keine homogenen Blöcke gibt, die sich gegenüber stehen und auch niemals gab. Dass es niemals eine palästinensische Seite gab, die voll und ganz einer Meinung war und eine jüdische Seite, die voll uns ganz einer Meinung war. Sondern, dass dieser Konflikt von Anfang an ein von unterschiedlichsten Interessen geprägter Konflikt gewesen ist. In denen sowohl die arabischen Staaten drumherum als auch Großmächte wie Großbritannien involviert waren und jeder eigene Interessen hatte dabei. Und da kann man den Bogen sehr klar sehen: Wenn die Menschen das Wissen auch dazu erhalten, dass dieser Konflikt so vielfältig auch entstanden ist, werden sie im besten Falle Schwarzweiß-Muster ablegen."

Mischa: "Also ich war auf einer normalen Schule, auf einer deutschen Schule davor. Mit einem großen Anteil von Arabern, die oft zu mir unschöne Dinge gesagt haben, weil ich Jude bin."

"Du hast uns das Land weggenommen"

Mischa lernt an der jüdischen Oberschule in Berlin. An seiner früheren Schule hat er am eigenen Leib erfahren, wie wichtig es ist, mit muslimischen Mitschülern über den Palästina-Konflikt zu sprechen. Sogar mit Schülern, die Hassparolen rufen.

"Du Scheiß-Jude, Du hast uns das Land weggenommen und so was. Mit einem Teil der Leute habe ich mich dann auseinandergesetzt und die haben dann verstanden, ich bin nicht gegen Araber und ich habe nichts mit dem Konflikt zu tun. Mit ein paar von denen habe ich mich halt angefreundet. Und die anderen, die dann stur geblieben sind, mit denen hatte ich dann zum Glück keinen weiteren Stress."

Doch wie können Erwachse, gerade Lehrer, Zugang zu migrantischen Teenagern bekommen? Wie können sie die Gedankenwelt der Schüler verändern? Sanem Kleff leitet das Netzwerk Schule ohne Rassismus, ein Netzwerk aus bundesweit rund 1200 Schulen. Die türkischstämmige Pädagogin hat die Erfahrung gemacht, dass muslimische Schüler häufig von oben herab belehrt werden, wenn sie Sprüche gegen Juden loslassen.

"Zensiere ich schon den ersten Satz und sage: Wenn du so redest, hier wollen wir mal klarstellen, wird nischt gesagt gegen die Juden und raus mit dir, Strafe! Oder verhalte ich mich wirklich, wie ich mich verhalten muss? Zu sagen: Okay, erzähl, worum geht’s Dir? Was ist mit Dir? Wir müssen diesen Kindern diesen Raum des Austausches geben, indem ihre Gefühle, ihre Gedanken - so verquer, so falsch, so schief die auch sind – einen Platz haben und von uns auch an einen Punkt geführt werden können, den wir auch vertreten können."

Die Migrationsspezialistin wirbt dafür, in der Schule die familiären Hintergründe stärker zu berücksichtigen. Gerade bei palästinensischen Schülern, deren Familien nach Deutschland geflüchtet sind und Verwandte haben im besetzten Westjordanland oder im umkämpften Gaza-Streifen.

Kleff: "Dann gibt es aber auch wahrhaftig sehr ernst zu nehmende Bedenken bei Kolleginnen und Kollegen, die sagen: Ich traue mir das persönlich gar nicht zu. Diese Emotionen, die hochkommen, ich kenne mich auch historisch gar nicht so gut aus in dem Nahen Osten. Das alles verstehe ich gut. Der einzige Punkt, den ich dann erwarte ist, dass so ein Kollege dann sagt: Wer kann mir helfen? Kann ich mich fortbilden lassen? Gibt es Material? Diesen Schritt, den erwarte ich schon."

Das Netzwerk Schule ohne Rassismus sieht die Verantwortung für den jugendlichen Antisemitismus vor allem bei den Erwachsenen: bei den Eltern und bei den Pädagogen.

"Dass dazu noch genügend Gruppen und Interessenvertreter kommen, die ihr eigenes politisches Süppchen exakt auf diese Emotionen aufbauen, und diese Emotionen der Kinder und Jugendlichen für ihre Zwecke missbrauchen, um sie auf Linie zu bringen anti-Israel, antijüdisch – naja, das ist ja klar."

Mansour: "Ich merkte zum Beispiel, dass sie bestimmte Medien konsumieren. Hardcore-Medien wie Al-Aksa-Sender aus Gaza, der Hamas gehörte oder al-Manar, der Hisbollah gehörte, wo Antisemitismus auf sehr bösartige Art und Weise getrieben wurde."

Antijüdische Hetze aus arabischen Medien

Ahmed Mansour stammt aus Palästina und hat in Tel Aviv Psychologie studiert. Heute engagiert er sich beim Berliner Jugendprojekt "Heroes", einem Projekt für Gleichberechtigung unter Schülern. Mansour warnt vor dem Überschwappen islamistischer Hetze.

"Und zwar: Juden alles Schweine, Juden alles Affen, Juden alles Herrscher der Welt - und das transportieren die Jugendlichen auch in der Schule und reden darüber."

Arabische Propaganda, der Nahostkonflikt, überforderte Lehrer. Sanem Kleff vom bundesweiten Antirassismus-Netzwerk bilanziert: Nötig seien langfristige Bildungsstrategien gegen Judenfeindschaft. Nötig seien Pädagogen-Fortbildungen, Sozialarbeiter sowie Programme, die den Jugendlichen persönliche Perspektiven aufzeigen. Nur so ließe sich –langsam – das aggressive Weltbild der migrantischen Teenager verändern.

"Deshalb sagen wir: Punktuelle Maßnahmen wie ‚Wir machen jetzt mal ein Antisemitismus-Clearing-Seminar - Ihr kommt jetzt rein, dann bearbeiten wir Euch und nach acht Stunden seid Ihr alle jetzt clean und könnt entlassen werden.‘ So etwas gibt es nicht. Und eins ist klar: Alle Faktoren, die dazu beitragen, dass das Individuum eher eins und einverstanden mit sich selber ist, ein stärkeres Selbstwertgefühl im positiveren Sinne entwickelt, wird weniger das Bedürfnis haben, aggressiv anderen gegenüber aufzutreten."

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