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Interview / Archiv | Beitrag vom 23.07.2020

Journalistin Meike WinnemuthMit einer halben Million auf Weltreise

Moderation: Dieter Kassel

Die Autorin Meike Winnemuth. Das Foto zeigt eine hellblonde Frau mit dunkler Brille. (picture alliance / Frank May)
Alles hinter sich lassen, sich die Welt anschauen, Ballast abwerfen - das habe sie glücklich und frei gemacht, sagt Meike Winnemuth. (picture alliance / Frank May)

500.000 Euro gewinnen, Koffer packen, um die Welt reisen. Die Autorin Meike Winnemuth hat es getan. Das wäre auch ohne Gewinn machbar gewesen, stellte sie später fest, weil sie unterwegs arbeitete. Aber das Geld habe sie frei gemacht, Neues zu wagen.

Meike Winnemuth braucht nicht viel, um glücklich und entspannt leben zu können. In einer 48 Quadratmeter großen Holzhütte nahe der Ostsee hat die 60-jährige Journalistin und Buchautorin den Ort gefunden, an dem sie Wurzeln schlagen möchte. Unweit ihrer Geburtsstadt Neumünster. 

Winnemuth hat schon an vielen Orten gelebt. Einer breiteren Öffentlichkeit bekannt wurde sie durch ihren 500.000-Euro-Gewinn bei "Wer wird Millionär?". Sie packte ihre Koffer und fuhr einfach los – auf eine zwölfmonatige Weltreise.

Zwölf große Städte hatte sie sich ausgeguckt, in denen sie je einen Monat lebte. Nebenher machte sie einen Tauchkurs, lernte Ukulele spielen – und viel über das Leben. Nämlich: Dass es die 500.000 Euro eigentlich gar nicht gebraucht hätte, um das große Abenteuer zu wagen.

Weltreise wäre auch den Gewinn möglich gewesen

Als begeisterte Journalistin habe sie nicht nur Urlaub gemacht, sondern natürlich auch von unterwegs arbeiten wollen, erzählt Winnemuth. Am Ende habe sie ausgerechnet, wie hoch ihre Ausgaben waren und wie viel sie durch die Arbeit von unterwegs eingenommen habe: "Ich habe festgestellt: Plusminus Null. Ich hätte diese Reise also immer machen können, wäre nur nie auf die Idee gekommen."

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Geld mache vielleicht nicht glücklicher, aber es mache frei – in dem Sinne, dass es den Kopf frei mache und für die nötige Entspannung sorgen, um Dinge zu tun, die man sonst nie tun würde, sagt sie.

Nach ihrer Rückkehr hat Winnemuth ein Buch über ihre Erlebnisse geschrieben: "Das große Los". Und offenbar ist sie in Sachen Ballast abwerfen und Neues wagen auf den Geschmack gekommen. Denn ihr jetziges Heim sei wirklich sehr klein. Eine Luxusvilla brauche sie jedenfalls nicht, auch wenn noch viel von dem Geld von damals übrig sei, sagt die Journalistin.

Carport und zwei Autos? Braucht sie nicht

Und sie fügt hinzu: "Das Gute ist ja, wenn man so unverdient und unvermutet so viel Geld hat, dass man sich dann ein paar Fragen stellen darf – das ist der große Luxus: Was will ich, was brauche ich? Und man kommt dann zu ganz anderen Ergebnissen als zu dem, was einem die Gesellschaft immer suggerieren will: Der angebliche Menschheitstraum vom Haus mit Carport und zwei Autos davor ist vielleicht nicht jedermanns Traum."

(mkn)

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