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Fazit / Archiv | Beitrag vom 18.12.2018

Journalisten in GefahrOpfer von staatlicher Willkür und Ohnmacht

Christian Mihr im Gespräch mit Vladimir Balzer

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Ein Journalist läuft mit einer Kamera eine zerstörte Straße in der Homs-Provinz in Syrien lang (Imago / Xinhua)
Extrem gefährlicher Beruf: Journalisten in der syrischen Provinz Homs riskieren jeden Tag ihr Leben. (Imago / Xinhua)

In Ländern wie Indien oder Mexiko herrscht derzeit kein Krieg. Trotzdem beklagt die Organisation "Reporter ohne Grenzen" in diesem Jahr dort die meisten toten Journalisten. Der Staat hat Banden und Kriminellen dort wenig entgegenzusetzen.

In vielen Ländern der Welt leben Journalisten gefährlich. Die Organisation "Reporter ohne Grenzen" hat für dieses Jahr erneut eine niederschmetternde Bilanz gezogen: Mindestens 80 Journalisten und Medienschaffende wurden getötet, 15 mehr als im Vorjahr.

Doch es sind - wie man denken könnte - nicht die Kriegsgebiete wie Afghanistan, Syrien oder der Jemen, wo die meisten Reporter ermordet werden. Besonders schlimm ist es in Staaten, die es nicht mehr schaffen, Recht und Gesetz durchzusetzen, wie Mexiko und Indien.

Die Macht haben die Drogenbanden übernommen

Private Akteure hätten hier die Macht übernommen und die Justiz sehe hilflos zu, sagte Christian Mihr, Geschäftsführer von Reporter ohne Grenzen, im Deutschlandfunk Kultur. In Mexiko beispielsweise könne die organisierte Kriminalität - dank der Einnahmen aus dem Drogengeschäft - jederzeit die Justiz schmieren.

Viele Morde an Journalisten bleiben straffrei, Täter wie Hintermänner werden nicht zur Rechenschaft gezogen. In Indien geht die größte Gefahr für Journalisten laut Mihr von kriminellen Banden aus, teilweise auch von islamistische Gruppierungen.

Der Geschäftsführer von Reporter ohne Grenzen, Christian Mihr. (imago stock&people/Zensen)Der Geschäftsführer von Reporter ohne Grenzen, Christian Mihr. (imago stock&people/Zensen)

In Kriegsgebiete würden Journalisten gar nicht mehr entsandt, weil Verlage und Medienhäuser nicht mehr die Verantwortung übernehmen wollten, sagte Mihr. Blogger und Bürgerjournalisten füllten dort die professionelle Informationslücke, gerade in Syrien.

Die Bedrohung für Blogger wächst

Gleiches gilt für Länder wie Vietnam und China, wo die freie Berichterstattung unterdrückt wird. Mit der Bedeutung des Internets wächst auch die Bedrohung für Blogger und Bürgerjournalisten, die Staatsmacht geht nicht selten rigoros gegen sie vor. 150 sitzen nach Angaben von "Reporter ohne Grenzen" derzeit weltweit in Haft - 40 Prozent mehr als noch im vergangenen Jahr.

(mfied)

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